Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Um den Temperaturen über 30 Grad zu trotzen, trinken Arbeiter mehr Wasser und machen viele Schattenpausen

Hitze
Oderländer kämpfen gegen Hitze

Josefine Jahn / 03.08.2018, 20:40 Uhr
Seelow/Letschin/Golzow (MOZ) Kaum jemand, der dieser Tage nicht über die Hitze stöhnt. Bewegungen fallen schwerer als sonst, auch der Kopf scheint langsamer zu arbeiten. Dabei haben es manche Gewerke noch schwerer als andere. Jene, die der Hitze am stärksten ausgesetzt sind, haben diverse Methoden zum Durchhalten.

Es ist noch lange keine Mittagszeit, schon beträgt die Temperatur am kühlsten Punkt in der Küche von Gabriele und Jörg Münch 32 Grad Celsius. Wenn in ein paar Stunden die ersten Gäste kommen, um sich ihr Mittagessen zu holen oder im Bistro in der Seelower Innenstadt direkt zu verzehren, muss alles fertig sein. Auf dem Herd rührt Jörg Münch im Fischfrikassee, während seine Frau  die Hähnchenschenkel wendet.

„Trotz der Lüftung zieht nicht viel Wärme raus, aber wir sind daran gewöhnt“, sagt der Koch. Seit 28 Jahren stehen er und seine Frau regelmäßig ab 6 Uhr morgens in der Küche, manchmal sogar zeitiger. Im Winter sei das Arbeiten dann schon angenehmer, sind sich beide einig. „Aber das ist eben Küche“, sagt Jörg Münch gelassen.

Ähnlich zeitig geht die Arbeit für die Dachdecker der Letschiner Firma Blankenfeld los. Auf einer Baustelle in Golzow lassen sich die Männer dennoch nicht die Laune verderben. „Wir sind ab 5.45 Uhr auf dem Hof“, sagt Thomas Schanow. Noch zeitiger anzufangen, um der späteren Mittagshitze zu entgehen, wird also schwierig. Es sei nicht der erste Sommer, in dem man sich mit hohen Temperaturen abfinden müsse. „Nur die Umstellung ist etwas schwierig und die Dauer der Hitze“, sagt Dachdecker Erik Hartmann. Die Männer behelfen sich mit Sonnencreme und regelmäßigem Trinken – beides stellt Chef Fred Blankenfeld für sie zur Verfügung. „Die Männer haben immer Wasser hier zu stehen, mit und ohne Sprudel, da können sie sich bedienen“, sagt er. Dabei achte er sogar darauf, Glasflaschen zu besorgen. „Das würde ich selber auch so wollen“, spricht er gegen die Plastik-Variante. Außerdem überlässt er es den Arbeitern, ab wann sie Feierabend machen. „Wenn es so extrem ist, müssen sie das selber einschätzen.“ Tatsächlich machen die Herren auf der Golzower Baustelle am frühen Nachmittag Feierabend. „Zwischen 14 und 15 Uhr ist Schluss“, sagt Schanow.

Zeitiger Arbeitsbeginn ist auch für die Bauarbeiter in der Letschiner Siedlung selbstverständlich. Dort sind Mitarbeiter der Strabag derzeit dabei, den Unterbau für die neue Straße vorzubereiten. Zwar ist der Bagger, den Vorarbeiter Michel Fähnrich steuert, klimatisiert. „Aber die Tür ist offen, damit ich bessere Sicht habe“, sagt er. Dennoch gäbe es eine leichte Kühlung in dem Fahrzeug. Auch sein Kollege Tom Rutkiewicz nimmt die Temperaturen schulterzuckend hin. „Viel trinken und Schattenpausen“, ist auch hier das Rezept, um gut durch den Arbeitstag zu kommen, verrät Fähnrich. In wenigen Wochen komme der Asphalt. „Das ist bei dem Wetter die Hölle“, sagt der Vorarbeiter und spricht aus Erfahrung. „Die Masse hat 180 Grad Celsius.“ Im Arbeitsschutz hat der Gesetzgeber verschiedene Regeln verankert, die in den Gewerken unterschiedlich ausgelegt werden. Grundsätzlich gelten sogenannte technische Regeln für Arbeitsstätten, informiert Thomas Malig vom Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit in Frankfurt. Darin heißt es, dass „bei hoch sommerlichen Außenlufttemperaturen ... ein gestuftes Maßnahmenkonzept“ vorgesehen ist. Bei Überschreitungen von 26, 30 und 35 Grad Celsius müssen Arbeitgeber reagieren – etwa mit kürzeren Arbeitszeiten.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG