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Ehemalige Radiomacher der Nalepastraße Herbert Schadewald und Elisabeth Heller berichten

Zeitgeschichte
Die Schere im Kopf

Bei den Friedersdorfer Radiofreunden: Die Musikredakteurin Elisabeth Heller und der Rundfunkjournalist Herbert Schadewald berichteten über Erfahrungen und Erlebnisse.
Bei den Friedersdorfer Radiofreunden: Die Musikredakteurin Elisabeth Heller und der Rundfunkjournalist Herbert Schadewald berichteten über Erfahrungen und Erlebnisse. © Foto: Cornelia Mikat
Ingo Mikat / 19.08.2018, 06:30 Uhr - Aktualisiert 19.08.2018, 10:36
Friedersdorf (freier Autor) „Die Radio-Macher - Plauderei aus dem Funkhaus Nalepastraße“ hieß die jüngste Plauderstunde der Radiofreunde Friedersdorf. Diesmal rückten die Menschen in den Focus, die mit ihren Tätigkeiten viele Jahre für unterhaltsame und informative Inhalte gesorgt haben.

Als kompetente Referenten berichteten – eine Premiere – diesmal gleich Zwei, der Rundfunkjournalist Herbert Schadewald und die Musikredakteurin Elisabeth Heller, über Erfahrungen und Erlebnisse ihrer Arbeit bei Radio DDR. Als erster Gesprächspartner stellte sich Herbert Schadewald dem Publikum vor.

Seinen journalistischen Berufsweg begann der 1949 geborene Berliner 1968 als Volontär der Betriebszeitung des Funkwerks Köpenick. Nach einer Tätigkeit für die „Junge Welt“ schrieb er ab 1976 für die Zeitschrift „Der deutsche Straßenverkehr“. Ab 1986 bis zur Abwicklung 1991 gehörte er als Redakteur einer neu im Rundfunk gegründeten Redaktion für Verkehrsthemen an.

Elisabeth Heller begann ihr Berufsleben als Musiklehrerin. Nachdem eine Stimmerkrankung das weitere Unterrichten unmöglich machte, wechselte sie 1978 als Seiteneinsteigerin zum Regionalsender Weimar und ein Jahr später als Musikredakteurin ins Berliner Funkhaus, zum Sender „Radio DDR 1“. Seit etlichen Jahren erinnert sie auf der Internetseite: www.zeitreisen-nalepafunk.com an den DDR-Rundfunk und seinen Standort in der Nalepastraße in Berlin. Für die Veranstaltung im Kunstspeicher brachte sie zahlreiche Gegenstände und Fotos von ihrer früheren Tätigkeit mit.

Besonders beeindruckten das Publikum einige riesige Tonbandspulen. „Wenn wir nicht sorgfältig aufpassten“ beschrieb die einstige Musikredakteurin, „dann rutschten die einzelnen Tonbandbahnen einfach von der Spule und es gab ihn  – den sprichwörtlichen Bandsalat.“

Herbert Schadewald erzählte, wie schwer es war, komplexe Themen in einen vorgegebenen Zeitrahmen für Sprechbeiträge von nur 1,5 Minuten zu pressen. Alle Texte, die er vorbereitete, kontrollierte zudem vor ihrer Sendung ein Chefredakteur. Doch eine direkte Zensur der Wortbeiträge fand, wie er versicherte, nicht statt. Als „gelernte“ DDR- Bürger und nach einem Studium mit entsprechender politischer Ausrichtung hatten die Mitarbeiter des Senders, die ihren attraktiven Job liebten, durchaus ein Gespür dafür, welche Themen aus Sicht der SED politisch korrekt waren und welche nicht.

Herbert Schadewald präzisierte: „Die Schere war in unserem Kopf.“ Das bestätigte  Elisabeth Heller, die als Musikredakteurin streng auf die Proportion gesendeter Westimporte (40 Prozent) zu Musikbeiträgen aus dem sozialistischen Lager (60 Prozent) achten musste. Hinzu kamen kuriose Anforderungen. So durfte sie einmal einen österreichischen Schlager nicht senden, weil der Sänger in einer Zeile seines Songs das Katzenfutter „Kitekat“ erwähnte.

Erst in der Wendezeit, so die ehemaligen Rundfunkmitarbeiter, erlebten sie für kurze Zeit eine Atmosphäre absolut freier Redaktionsarbeit. Die habe sich, so ihre späteren persönlichen Erfahrungen im vereinten Deutschland, wegen neu in die Rundfunk- und Medienarbeit übernommenen Hierarchiegebarens, so jedoch nie wiederholt.

1990 übernahmen die fünf neuen Bundesländer und das Land Berlin die Eigentumsrechte und die mittlerweile denkmalgeschützten Bauten des ehemaligen DDR-Rundfunks. Es begann ein reger Eigentümerwechsel mit teils dubiosen, aber auch seriösen Geschäftsleuten. Große Teile des Areals verfielen. Andere, wie ein weltberühmter Aufnahmesaal, wurden intensiv genutzt.

Der Ausgang der Geschichte des Geländes ist nach mehreren Jahrzehnten Wandel immer noch offen. Etliche Tondokumente hingegen, so auch Hörspiele, befinden sich heute in gesicherten Archiven.

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