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Filmdreh von 1970 an von Gustav Seitz geschaffener Plastik im Prenzlauer Berg wurde 2018 wiederholt

Plastik sorgt für Aufruhr
Käthe Kollwitz und die spielenden Kinder

Klettern und spielen erwünscht: Kinder im Sommer 2018 auf dem Kollwitz-Denkmal in Berlin.
Klettern und spielen erwünscht: Kinder im Sommer 2018 auf dem Kollwitz-Denkmal in Berlin. © Foto: MOZ/Screenshot
Doris Steinkraus / 13.09.2018, 10:00 Uhr
Trebnitz (MOZ) Skulpturen gehören in fast jedes Stadtbild. Die Menschen laufen oft achtlos an ihnen vorbei. Bei der Käthe-Kollwitz-Figur im Prenzlauer Berg ist es anders.

Seit der Aufstellung wird auf ihr geklettert, posiert, gerutscht und poliert. Kaum jemand weiß um die Geschichte dieses Denkmals. Es ist eines der bekanntesten Werke des Bildhauers Gustav Seitz. Der geriet in den 50er-Jahren sowohl mit dem westlichen als auch dem neuen sozialistischen System in Ost-Berlin aneinander. Von 1956 bis 1958 schuf er die Bronze-Plastik als Hommage an die große Bildhauerin und Pazifistin Käthe Kollwitz. Seitz erlebte die Aufstellung selbst nicht, denn er war 1958 nach Hamburg übersiedelt. Die DDR-Oberen sinnierten lange, ob sie seine Plastik aufstellen. Sie taten es ohne öffentlichen Rummel 1961.

Die Diskussion, die die Plastik später auslöste, hätte Seitz gefreut. Denn es entbrannte ein Streit darüber, ob man auf Denkmalen klettern und spielen darf, so wie die Berliner Kinder es taten. Seitz selbst schrieb in einem Brief an die Regisseurin Christa Mühl, dass er den Sockel extra so breit vorgesehen habe, damit die Kinder darauf spielen können. Christa Mühl hatte als Kunststudentin 1970 mit Kommilitionen einen Film zum Denkmal und der starken Ingebrauchnahme gedreht. Als er in diesem Jahr wieder einmal im Babylon Berlin lief, kam die Aufforderung, den Dreh aktuell zu wiederholen. Gemeinsam mit Regisseur Tobias Lenel und Kameramann Richard Marx war Mühl erneut im Prenzlauer Berg.

Die Gustav-Seitz-Stiftung präsentierte anlässlich des 112. Geburtstages von Seitz die Arbeitsfassung des neuen Drehs und zeigte auch noch einmal den Film von 1970, was sich als vergnügliche Zeitreise erwies. Völlig verändert haben sich die Meinungen der Befragten. Vor 48 Jahren fanden es die meisten Erwachsenen empörend, dass die Kinder auf der Kollwitz tobten. 2018 fanden die Passanten das völlig in Ordnung. Ein Denkmal, das lebt und angenommen wird, so die einhellige Meinung, die ganz im Sinne von Seitz und auch der Kollwitz sein dürfte.

Mit der Kollwitz-Plastik spannte Tobias Lenel den Bogen zu einem Dokumentarfilm über Gustav Seitz. Er erlebte am Dienstagabend in Trebnitz (Märkisch-Oderland) seine Erstaufführung. In geraffter, sehr bildhafter und informativer Form beleuchtet er das Leben des Wandlers zwischen zwei Gesellschaftssystemen. Gedacht ist der Streifen für die Besucher des Seitz-Museums im historischen Waschhaus am Schloss Trebnitz. Es beherbergt den Nachlass des Bildhauers, darunter unzählige Plastiken und mehr als 3000 Grafiken. Das Museum war 2017 eingeweiht worden.

Gustav-Seitz-Museum Trebnitz, Mi–So, 11 bis 17 Uhr,Tel. 033477 5190

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