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Als nächstes wird Ausstellung vorbereitet

DDR-Geschichte
Bahnspione im Kalten Krieg

Filmvorführung: Uwe Bräuning (r.) erläutert den Gästen Ziele und Vorhaben des Vereins.
Filmvorführung: Uwe Bräuning (r.) erläutert den Gästen Ziele und Vorhaben des Vereins. © Foto: Cornelia Mikat
Ingo Mikat / 30.10.2018, 14:00 Uhr - Aktualisiert 01.11.2018, 15:59
Küstrin-Kietz Erst im Januar diesen Jahres gründete sich in dem ehemaligen Eisenbahnerort der Verein „Geschichts- und Kulturverein Kietz-Bahnhof-Dworzec-Chyza“. Der lud zu einer besonderen Filmvorführung ein.

Auf dem Programm stand der Streifen des DDR-Fernsehens von 1984 „Irrläufer“ mit bekannten Schauspielern wie Erik S. Klein und Rolf Hoppe. Die nach einem Szenarium von Harry Thürk gedrehte Agentenstory zeigt Spionage und ihre Verhinderung in der Zeit des Kalten Krieges aus Sicht der DDR-Spionageabwehr.

Vereinsvorsitzender Uwe Bräuning, der die rund 50 Gäste der Filmvorführung herzlich begrüßte, gab einen Überblick über die Ziele des Vereins, zu denen auch die Beschäftigung mit der Geschichte gehöre. „Auch wenn dieser Streifen offenbar als Imagefilm für die Stasi diente, gibt er uns doch die Möglichkeit, auf die Zeit und die Verhältnisse, als in Küstrin-Kietz ein für den Ostblock strategisch sehr wichtiger Durchgangsbahnhof existierte, zurückzusehen“, erklärte Bräuning die Wahl des Filmes. „So wie im Film geschildert, standen sich hier westliche und östliche Geheimdienste mit ihren Aktionen oft unmittelbar gegenüber.“

Tatsächlich soll es in der Zeit der DDR unter den Eisenbahnern des Ortes neun Verhaftungen (begründet oder unbegründet) wegen Spionage gegeben haben. Der Film zeigte jedoch zur Enttäuschung einiger Gäste nicht den Originalschauplatz. Die Filmcrew musste – offensichtlich aus Geheimhaltungsgründen – andere Bahnanlagen und Bahnhöfe für den Streifen nutzen. Im gesamten Ostblock war damals das Filmen und Fotografieren von Bahnanlagen streng verboten. In einer Gesprächsrunde nach dem TV-Film wies Joachim Beyer – ehemaliger Hauptmechaniker bei der Eisenbahn – auf den fiktiven Charakter der Agentenstory hin. So bewachten nach seinen Erfahrungen stets sowjetische Soldaten sensible Militärlieferungen. Der Diebstahl brisanter Technik  durch einfaches Vertauschen von Waggons, wie im Film dargestellt, wäre seiner Meinung nach Westagenten nie möglich gewesen.

Werner Braun aus Küstrin-Kietz lobte die Idee des Vereins, den Filmabend durchzuführen. Den alten DDR- Streifen hätte er zu Hause im Fernsehen nie angesehen. Für die Zukunft regte er  weitere gemeinsame Filmabende an. Vereinsvorsitzender Uwe Bräuning kündigte am Ende der Gesprächsrunde für den 18. November um 15 Uhr die Eröffnung einer neuen Ausstellung im alten Bahnhofsgebäude an. Im Mittelpunkt der unter dem Titel „Konsum-Läden“ gezeigten Präsentation wird der Handel in der DDR stehen. Neben Schautafeln mit Fotos und Zeitzeugenberichten sollen auch einige original historische Handelswaren und Einrichtungsgegenstände von Geschäften zu sehen sein.

In dem noch jungen Verein haben sich Enthusiasten zusammen gefunden, um das historische Bahnhofsareal wiederzubeleben und das alte Bahnhofsgebäude zu einem kulturell-touristischem Zentrum und Anlaufpunkt umzugestalten. Es gab bereits etliche kulturelle Aktionen. So wurde unter anderem bis zum 15. Juli die vom Publikum sehr beachtete Ausstellung „Voll der Osten“ mit Fotos des bekannten DDR-Fotografen Harald Hauswald und Texten des Historikers Stefan Wolle im Bahnhofsgebäude gezeigt.

Ausstellung „Konsum-Läden“, Vernissage am 18. November, 15 Uhr, im Bahnhofsgebäude Küstrin-Kietz

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