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Erste Hilfe
Im Ernstfall können Minuten Leben retten

Jede Sekunde zählt: Chefarzt Dr. Frank Bertkau vom Krankenhaus Lutherstift erklärt den Achtklässlern der Seelower Kleeblatt-Schule, wie die Beatmung in Fall einer Ohnmacht  funktioniert.
Jede Sekunde zählt: Chefarzt Dr. Frank Bertkau vom Krankenhaus Lutherstift erklärt den Achtklässlern der Seelower Kleeblatt-Schule, wie die Beatmung in Fall einer Ohnmacht funktioniert. © Foto: Christina Sleziona
Christina Sleziona / 22.11.2018, 07:30 Uhr
Seelow (MOZ) Wenn der Ernstfall eintritt und der Mensch bewusstlos am Boden liegt, hat er vor allem eins nicht: Zeit. Wie man in solchen Situationen Erste Hilfe leistet, konnten nun die Schüler der 7. bis 10. Klasse der Kleeblatt-Schule mithilfe von Dr. Frank Bertkau lernen.

Aus der geräumigen Aula der Kleeblatt-Schule dröhnt Classic Rock aus den Lautsprechern. Die Schüler sollen zu ACDCs „Highway to Hell“ und anderen Rocklegenden ein Gefühl für den benötigten Rhythmus einer Druckmassage bekommen. Mehrere Übungspuppen – auch Reanimationsphantome genannt – liegen bereits auf dem Boden. Sebastian Stumpf und Justin Munk haben sie in Vertretung der Paramedic Brandenburg mitgebracht.  Die Schüler der 8. Klasse sind schon seit mehreren Minuten fleißig dabei, mit verschränkten Fingern auf deren Oberkörper Druck auszuüben. Etwa 100 bis 120 Mal pro Minute muss in der Regel gedrückt werden, um eine erfolgreiche Herzmassage auszuführen. Diesen Druck zu halten ist anstrengend. Die Schüler setzen daher nicht nur auf die Kraft ihrer Arme. Sie müssen mit den ganzen Oberkörper den Brustraum stimulieren.

Die Minuten ziehen sich hin, doch Aufhören ist im Ernstfall keine Option, sagt Dr. Frank Bertkau, Chefarzt im Evangelischen Krankenhaus Lutherstift in Seelow. Seit 2000 schult er medizinisches Personal und lehrt an Schulen, wie Erste Hilfe richtig angewendet wird.

Hat man zunächst die Ohnmacht bzw. den Atemstillstand festgestellt und den Krankenwagen unter der 112 informiert, müsse sofort und so lange reanimiert werden, bis entweder der Rettungsdienst ablöst oder der Patient das Bewusstsein wieder erlangt, erklärt der Chefarzt. Im Schnitt dauert es etwa zehn bis fünfzehn Minuten, bis der Rettungsdienst eintrifft. In ländlichen Gegenden kann es aufgrund weiterer Fahrtwege aber auch wesentlich länger dauern. Bloß auf den Krankenwagen zu warten, kann daher schnell lebensbedrohlich enden. „Jede Minute ohne Reanimation senkt die Rettungschance um weitere zehn Prozent“, betont Justin Munk von Paramedic Brandenburg. Die zehn Minuten Wartezeit bis zum Rettungsdienst entscheiden also über Leben und Tod und sollten daher mit Reanimationsmaßnahmen genutzt werden.

Wer sich traut, kann sich auch an der Beatmung probieren. Hierbei sei die Kopflage entscheidend, erklärt Dr. Frank Bertkau an einer weiteren Übungspuppe. Für die Freilegung der Atemwege muss der Kopf vorher in den Nacken gelegt werden. Ob danach über Mund oder Nase die Beatmung durchgeführt wird, sei zweitrangig, beschreibt Bertkau den Vorgang. Wichtig sei vor allem eine tiefe, schnelle Atmung, damit der Patient genügend Sauerstoff bekommt. Der Chefarzt warnt jedoch auch vor Übermut: „Die Beatmung darf erst erfolgen, wenn genug Druck im Brustkorb aufgebaut wurde“, betont er. Als Faustregel gilt deshalb: Zuerst 30 Mal drücken, bevor zweimal beatmet werden kann.

Für die Schüler Alexander König und Jonas Michel sind diese Übungen nicht neu. Die beiden 13-Jährigen haben sich bereits in der Jugendfeuerwehr mit der Ersten Hilfe vertraut gemacht. Langweilig finden sie den Aktionstag ihrer Schule trotzdem nicht. „Es ist für das ganze Leben wichtig zu lernen, wie man reagieren muss. Man kann immer in solche Situationen geraten und dann muss man wissen, was zu tun ist,“ meint Alexander, der im Kurs gern sein Wissen auffrischt. Auch Margit Suckrow, Klassenlehrerin der 8. Klasse, ist von der Initiative der Schule überzeugt. „Man kann nicht früh genug wissen, wie man leben retten kann“, resümiert sie.

Neben dem Erste-Hilfe-Kurs wurde auch eine Suchtberatung für alle Schüler der 7. bis 10. Klasse angeboten, in der illegale Drogen behandelt und Präventionsmaßnahmen erläutert wurden. Die 10. Klasse konnten sich anschließend am Bewerbungsschreiben ausprobieren.

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