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Adventsrätsel
Trauernde Götter im Schlosspark

Doris Steinkraus / 06.12.2018, 06:30 Uhr - Aktualisiert 06.12.2018, 14:53
Frankfurt (Oder) (MOZ) Reporter der Lokalredaktionen Eisenhüttenstadt, Frankfurt, Seelow und Bad Freienwalde sind in der Adventszeit markanten Gebäuden und Ansichten auf der Spur. Wir veröffentlichen jeden Tag ein Bilder-Rätsel und verlosen einen Preis. Heute die Auflösung unseres Rätsels in der Mittwochsausgabe – das Denkmal für den Alten Fritz im Schlosspark Neuhardenberg.

Die Götter trauern um den großen Preußenkönig. Mars umklammert die Stele mit einem Bildnis von Friedrich II. Die Gesten der beiden Gottheiten drücken aus, was Joachim Bernhard von Prittwitz einst beim italienischen Bildhauer Martini in Auftrag gegeben hatte. Der Entwurf stammt von Johann Wilhelm Meil, dem späteren Rektor der Berliner Akademie der Künste. Von Prittwitz kannte den Alten Fritz nicht nur, er bewahrte ihn als Rittmeister der Zietenschen Husaren im Siebenjährigen Krieg am 12. August 1759 in der verloren gegangenen Schlacht von Kunersdorf auch vor der Schmach einer österreichisch-russischen Gefangenschaft. Mit Gewalt befreite er ihn aus dem Schlachtgetümmel.

Der Alte Fritz schenkte seinem getreuen Oberstleutnant und späteren General aus Dankbarkeit das Dorf Quilitz, das später an die Hardenbergs ging. Prittwitz wiederum war seinerseits Friedrich II. stets ergeben und ließ  das Denkmal im Park errichten. Es war das erste nach dem Tod des Königs, überdauerte mehrere Standesherren und gesellschaftliche Umbrüche.

2001 erwarb der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) das gesamte Schloss-areal von den Nachfahren der Hardenbergs. Der letzte Standesherr, Carl-Hans Graf von Hardenberg, war Beteiligter am Hitlerattentat 1944, wurde inhaftiert, überlebte in einem KZ. Das gesamte Vermögen nahm der Staat an sich. Die Hardenbergs waren eine der wenigen Adelsfamilien in Ostdeutschland, die nach der politischen Wende ihr Eigentum zurück erhielten. Eine Eigennutzung kam jedoch für die Kinder des letzten Standesherrn nicht in Frage. Der DSGV, der eine neue internationale Begegnungsstätte nahe der Hauptstadt errichten wollte, entschied sich vor allem aufgrund der Geschichte des Ortes für Neuhardenberg. Der einstige Staatskanzler Karl August Freiherr von Hardenberg-Quilitz gehörte zu den großen Reformern Preußens, war einer der Väter der Sparkassen. Mit großem Aufwand ließ die Sparkassenorganisation das Areal samt seiner historischen Gebäude wie Schloss, Brennerei, Kavaliershäuser und Eiskeller denkmalgerecht sanieren. Pünktlich zur Übergabe des Areals wurden auch die Restaurierungsarbeiten am Alten-Fritz-Denkmal abgeschlossen. Im Laufe der Jahre hatten Witterung und Vandalismus ihm arg zugesetzt.

2012 mussten die Restauratoren noch einmal Hand anlegen. Die beiden römischen Götterfiguren wurden erneut vom Sockel gehoben. Auch der Sockel wies eine schlechte Substanz auf. Fast ein Jahr dauerten die Arbeiten. Seit 2013 bildet das Denkmal wieder einen Blickpunkt im Park. Tausende Besucher pilgern jährlich durch den von Peter Lenné einst angelegten Landschaftspark. Die Stiftung Schloss Neuhardenberg lockt seit 15 Jahren mit unzähligen hochkarätigen Ausstellungen, Konzerten, Lesungen, Theateraufführungen und mit der alljährlichen Neuhardenberg-Nacht, die Freiluftkunst, Performance und Artistik höchster Qualität bietet.

„Schloss Neuhardenberg ist für viele unserer Gäste ein Sehnsuchtsort, dessen besondere Atmosphäre auch mich nicht unberührt lässt und immer wieder aufs Neue begeistert“, sagt Dr. Heike Kramer, Generalbevollmächtigte der Stiftung Schloss Neuhardenberg. „Am vergangenen Wochenende haben wir erfolgreich unser Kulturprogramm für dieses Jahr mit dem Schauspiel des kleinen Angsthasen nach dem Bilderbuch von Elizabeth Shaw beendet und sind natürlich schon mitten in den Vorbereitungen für das Jahr 2019. Ab April wird es mit der bewährten Mischung aus Konzerten, Lesungen und Gesprächen, Ausstellungen und Theater weitergehen,“ versichert die Generalbevollmächtigte. Vor mehr als 15 Jahren sei  es ein Wagnis gewesen,  ein Hotel und ein so umfangreiches Kulturprogramm auf die Beine zu stellen. „Aber mit hochkarätigen Programm-angeboten konnte die Stiftung Schloss Neuhardenberg schnell einen kulturellen Leuchtturm erschaffen, der bis heute über die Grenzen Brandenburgs hinaus strahlt“, so Heike Kramer.

Unter den Lesern, die am Mittwoch  richtig getippt haben, wurde Carmen Keiling aus Neutrebbin als Tagessiegerin gezogen. Für sie liegt in der Lokalredaktion Seelow ein Gutschein der Brennerei am Schloss bereit.

Ihren Tipp, welches Gebäude wir in dieser Ausgabe suchen, geben Sie bitte heute zwischen 11 und 12 Uhr unter Tel. 0335 5530591 oder per E-mail unter frankfurt-red@moz.de ab.

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