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Konflikt in den Reihen der Brandschützer eskaliert / Urgestein steht vor möglichem Rauswurf

Interner Streit
Ärger bei der Haselberger Feuerwehr

Da war die Welt noch in Ordnung: Im Sommer 2014 feierte die Freiwillige Feuerwehr Haselberg, hier vereint die Jugend mit Schulzendorf und Wriezen, ihr 80-jähriges Bestehen. Derzeit knirscht es aber, drohen interne Konflikte zu eskalieren.
Da war die Welt noch in Ordnung: Im Sommer 2014 feierte die Freiwillige Feuerwehr Haselberg, hier vereint die Jugend mit Schulzendorf und Wriezen, ihr 80-jähriges Bestehen. Derzeit knirscht es aber, drohen interne Konflikte zu eskalieren. © Foto: Andreas Karpe-Gora
Thomas Berger / 06.12.2018, 07:15 Uhr - Aktualisiert 06.12.2018, 14:10
Haselberg (MOZ) Die Feuerwehren sind, gerade in den Dörfern, nicht nur in Sachen Brandschutz und weiterer Hilfseinsätze unverzichtbar, sondern auch besondere Stütze der örtlichen Gemeinschaft. In der Haselberger Wehr allerdings gibt es offenbar ernste Konflikte.

Wolfgang Puhlmann ist ein Urgestein in den Reihen der Blauröcke des Wriezener Ortsteils. In der Feuerwehr seit nun 43 Jahren, wie er zurückblickt, davon fast 30 als Maschinist an einer zentralen Position, überdies einige Jahre sogar als Wehrführer an der Spitze. Und vor allem einer, der über lange Zeit mit Herzblut die Nachwuchsarbeit betreut hat. Unzählige Mädchen und Jungen haben bei ihm die Grundlagen gelernt, waren unter seiner Anleitung bei vielen Wettkämpfen dabei, oft erfolgreich. Einer also, der von sich selbst ohne Übertreibung sagen kann, dass die Feuerwehr ein wesentlicher Teil seines Lebens ist.

Was Puhlmann zutiefst aufwühlt, ist ein vom 26. Oktober datiertes Schreiben, in dem Robert Masche, der heutige Haselberger Löschgruppenführer, bei Stadtbrandmeister Thomas Keil den Rauswurf des verdienten Mitglieds sowie seine Absetzung als Verantwortlicher der Alters- und Ehrenabteilung beantragt. Als Gründe ins Feld geführt werden in dem Schreiben, das der MOZ in Kopie vorliegt, „üble Nachrede, Nichtgehorsam und Abwesenheit bei Diensten“.

Robert Masche selbst wollte sich auf Nachfrage zu dem gesamten Fall mit keinem Wort äußern. Dabei betreffen die Auseinandersetzungen in der Haselberger Wehr nicht nur Puhlmann, sondern es gärt darüber hinaus. „Der gegenwärtige Umgang regt mich so auf, dass richtig die Motivation fehlt, sich weiter einzubringen“, kritisiert auch Paul Jäschke. Es gebe interne Zwistigkeiten, einen Graben zwischen einer Gruppe rund um den Wehrführer und seinen Stellvertreter Guido Konitzer auf der einen und einen Teil der übrigen Mitglieder auf der anderen Seite. „Was Robert Masche da teilweise durchgedrückt hat, ist nicht in Ordnung“, sagt Jäschke.

Ähnlich sieht das Bernd Schmidt, der früher selbst zehn Jahre an der Spitze der Haselberger Wehr gestanden, sich zuletzt aber nach eigenem Bekunden etwas zurückgezogen hat. Gerade die Eskalation im Fall Puhlmann schockiere ihn, wie er sagt: „Wir hatten hier lange eine der größten Jugendwehren“, was zuvorderst dessen Verdienst über viele Jahre hinweg gewesen sei. „Und all das soll nun heute keinen Wert mehr haben?“, fragt er angesichts des von Masche beantragten Rauswurfs Puhlmanns.

Ein Teil der Vorwürfe gegen ihn, so die Darstellung von Puhlmann, betreffe einen Verkehrsunfall an der Straße bei Schulzendorf, bei dem er als einziger der Haselberger den Wriezener Kollegen beim Absichern der Unfallstelle geholfen habe. Dass er dorthin in seinem Privatauto fuhr – das Einsatzfahrzeug solle er wiederum auf Masches Betreiben nicht mehr bedienen, so der Ex-Maschinist – mag aufgrund versicherungstechnischer Aspekte in der Tat eine Verfehlung sein, räumen auch Jäschke und Schmidt ein. Gleich einen Rauswurf rechtfertige das aber nicht, so ihre Einschätzung. Zumal Puhlmann generell einer der wenigen Einsatzkräfte sei, die gerade unter der Woche tagsüber bei Alarm zur Verfügung stehen.

Karsten Ilm, als Bürgermeister der Stadt Wriezen, die Träger des Brandschutzes ist, sozusagen qua Amt der oberste Dienstherr der ehrenamtlich tätigen Haselberger Feuerwehrleute, hat bisher von dem Schreiben Masches und dem Konflikt insgesamt erst mittelbar Kenntnis nehmen können. Mit einer Bewertung zeigt er sich deshalb auch anderthalb Wochen nach den ersten Hinweisen bewusst zurückhaltend. Zumal die Angelegenheit selbst bei der gerade erfolgten Stadtbrandmeistertagung nicht mehr als eine Randnotiz gewesen sei. Bei schwerwiegenden Verstößen sei ein Rauswurf gewissermaßen die schwerste Disziplinarmaßnahme, die in den einschlägigen Vorschriften niedergelegt ist. Zunächst habe er aber erst einmal die Pflicht und den eigenen Anspruch, sich kundig zu machen, in Ruhe beide Seiten anzuhören, bestenfalls eine Lösung zu erreichen, so Ilm. Bei einer Entlassung habe zudem die Kreisebene Mitspracherecht.

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