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Führungen und Verkostungen sind nach Absprache möglich

Kaffeeröster
Fasziniert von der kleinen braunen Bohne

Cornelia Link-Adam / 13.01.2019, 09:00 Uhr - Aktualisiert 14.01.2019, 07:59
Görlsdorf (MOZ) Südamerikanisches Flair weht durch das Oderland: Hans-Peter Bienert war jahrelang unzufrieden mit den Kaffee-Angeboten in der Region. Mit viel Leidenschaft hat er sich nun in Görlsdorf eine kleine Kaffeerösterei aufgebaut. Sein Fachwissen gibt er gern an Interessierte weiter.

Hans-Peter Bienert ist in der Gastronomie-Szene kein Unbekannter. Jahrelang hatte er den Ökospeicher bei Wulkow, jetzt arbeitet er als Chef im Anglerheim in Lebus. Nun hat er sich in seinem Heimatort Görlsdorf, wo er seit 25 Jahren lebt in sein Wohnhaus – das einst die alte Schule war – als zweites Standbein eine Kaffeerösterei eingerichtet. Kaffeerösterei? Da mögen viele an große Firmen denken, wie in Bremen. Doch das geht auch im Kleinen, betont der 60-Jährige. „Es entwickelt sich langsam, das ist auch gut so. Die Kaffeerösterei spricht sich rum. Ich will ja hier auch langfristig was für die Gegend machen.“

Die Idee zur Kaffeerösterei ist Hans-Peter Bienert schon vor sieben Jahren gekommen. „Ich arbeite viel und war nie zufrieden mit dem Kaffee, der überall angeboten wurde.“ Er fing an sich für die kleinen Bohnen zu interessieren, ist in Berlin zur Kaffee-Schule gegangen und hat seinen Barista gemacht. Er besuchte andere Röstereien wie in Hamburg oder Berlin, vertiefte sich immer mehr ins Metier. Er fing an mit Rohbohnen zu experimentieren, machte Röstmeister-Kurse und kaufte sich seine erste Maschine. Ein altes Modell. Was folgten waren etliche Versuche, die kleinen Bohnen perfekt zu rösten. „Da ging auch viel daneben, bis ich die richtige Technik raus hatte“, erinnert er sich. Schließlich sei das Rösten eine richtige Wissenschaft, müsse man neben den Bohnen auch Feuchtigkeit, Temperatur, Geschwindigkeit und Dauer des Röstens bedenken. „Eine Bohne hat ja tausende Aromen.“

Schließlich kaufte er sich einen neuen Röster, dazu einen kleineren Proberöster und baute den Flur zur Rösterei um. „Dafür habe ich meine gesamte Altersvorsorge, die als Lebensversicherung ausgezahlt wurde, investiert.“ Das Recherchieren für den Betrieb dauerte lange, dazu die Umsetzung. Außerdem gibt es Vorschriften. So musste er neue elektrische Leitungen ziehen, alles malern, den Raum mit abwaschbaren Fliesen versehen. „Die Hygiene-Vorschriften sind echt hoch.“ Im September hat die Behörde ihm die Kaffeerösterei genehmigt. Seither verarbeitet er darin verschiedene Sorten: Espresso aus Equador, Filterkaffee aus Guatemala, hatte sogar Weihnachtskaffee aus Osttimor und will jetzt auch noch Bio-Kaffee aus Honduras mit in sein Sortiment aufnehmen. In großen Säcken (70 Kilo) bezieht er seinen Rohkaffee von einem Hamburger Unternehmen. „2019 plane ich auch Bio-Segelkaffee zu verwenden, der CO2-neutral von Honduras nach Bremen gesegelt ist. Mal gucken ob die Post mit ihren E-Autos ihn mir klimafreundlich liefern kann.“

Aus den grünen Bohnen schafft er in einem aufwändigen Prozess die bekannten braunen Kaffeebohnen. Dabei setzt er auf reine Mischungen, langsame Röstung mit Temperaturen um die 200 Grad. Das dauert. „Die großen Firmen arbeiten dagegen mit 600 Grad, rösten Massenware in zwei Minuten.“ Auf jedes Kilo gerösteten Kaffee muss er auch Kaffeesteuer zahlen – 2,19 Euro, da schaue der Zoll genau hin, berichtet Hans-Peter Bienert. Abgefüllt wird alles in kleine Tüten (250g), die er mit seiner Frau Birgit mit eigenen Schildern und Logo versieht. So kann man dann den starken  Espresso „Nachtangler“ wie den „Tagangler“ (Filterkaffee) bei ihm erwerben.

Erhältlich sind seine Tüten, mit Bohnen oder gemahlen, ab 5,50 Euro nicht nur in seiner Rösterei, sondern auch im Kunstspeicher in Friedersdorf, im Dorfladen in Trebnitz und im Bio-Laden „Nusschale“ in Seelow. Der Fachmann empfiehlt, die angerissenen Tüten zeitnah zu verbrauchen. „Sonst verfliegt das Aroma zu schnell. Gemahlener Kaffee ist gut eine Woche haltbar, die Bohnen vier Wochen.“ Seinen Kaffee trinken kann man natürlich auch im Anglerheim in Lebus. „Viele kommen schon direkt zu mir in die Manufaktur, es gibt schon Stammkunden.“ Und wenn er röstet, dann riecht man das in Görlsdorf, sagt er. Kaffee trinke er immer noch gern, natürlich nur noch den eigenen und der bekomme ihm auch gut.

Gern öffnet Hans-Peter Bienert nach Voranmeldung seine Manufaktur und lädt zur Tasse frischen Kaffee. Sein altes Handwerk präsentierte er jüngst auch 16 Gastronomie-Azubis – acht polnischen aus Gorzow und acht deutschen aus dem OSZ Oder-Spree – die im Rahmen eines Barista-Workshops seine Rösterei besuchten. Organisiert hatte das Projekt sein guter Freund Torsten Kleinschmidt, Küchenmeister und Ausbilder im Qualizifierungscentrum der Wirtschaft in Eisenhüttenstadt, Abteilung Ausbildungsrestaurant „KochHütte“.

Kontakt und weitere Infos: Tel. 0173 3539137 (ab 17 Uhr)

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