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Letschiner Hortkinder erlebten spannende Theaterwerkstatt-Woche und begeisterten mit Aufführung ihres Stückes im Haus Lichtblick

Theater
„Ich bin anders – du auch“

Die Geschichte von „Tausendauge“: Sie wurde im Rahmen des Aktion Mensch-Projektes „Ich bin anders - du auch“ von den Letschiner Hortkindern einstudiert. Am Freitagnachmittag erlebte es im  Haus Lichtblick seine Aufführung.
Die Geschichte von „Tausendauge“: Sie wurde im Rahmen des Aktion Mensch-Projektes „Ich bin anders - du auch“ von den Letschiner Hortkindern einstudiert. Am Freitagnachmittag erlebte es im  Haus Lichtblick seine Aufführung. © Foto: Cornelia Link-Adam
Cornelia Link-Adam / 09.02.2019, 11:00 Uhr - Aktualisiert 09.02.2019, 12:54
Letschin (MOZ) Zum dritten Mal hat der Schulförderverein Letschin den Hortkindern der Verlässlichen Halbtagsgrundschule in den Winterferien über die „Aktion Mensch“ eine Theaterwerkstatt ermöglicht. Am Freitag präsentierten die Mädchen und Jungen im Alten Kino ihr Programm „Tausendauge“.

Noch vor Beginn der Aufführung toben die 16 Kinder des Hortes mit ihren leuchtend gelben Shirts draußen vor dem Haus Lichtblick umher. Den Kopf durchpusten, auf andere Gedanken kommen, mit Freunden Fange spielen – all das ist dringend nötig, um die Nervösität vor dem großen Auftritt unter Kontrolle zu bekommen. Wenige Minuten später, als die Sechs- bis Elfjährigen wieder ins Alte Kino zurückkehren und hinter der Bühne verschwinden, ist das vorbei. „Die Generalprobe haben wir vorhin erst gemacht. Ich sag’ mal, sie war ganz okay“, sagt Christina Hohmuth vom Theater Frankfurt. Sie ist wie in den Vorjahren nach Letschin gekommen, um als Schauspielerin und Pädagogin dieses Mal das Stück „Tausendauge“ mit den Kindern einzustudieren.

Geprobt wurde seit Montag täglich drei Stunden in der Alten Schule, weil die Turnhalle gerade umgebaut wird. „Das war sehr spannend. Ich habe mir dieses Jahr mal etwas Anspruchsvolles für die Kinder und Zuschauer ausgedacht, mal sehen, wie es ankommt“, sagt sie zur Begrüßung von der Bühne in den gut gefüllten Saal. Da warten viele Eltern und Großeltern, aber auch Kita-Kinder sowie Bürgermeister Michael Böttcher schon gebannt auf den Beginn der Vorstellung.

Im darauf folgenden Zwangzigminüter, genannt „Tausendauge“, beleuchten die Kinder in ihren Shirts – extra geschminkt mit roten Wangen – eher mit Worten als aufwändiger Kulisse das Thema Ausgrenzung und deren Folgen. Der Inhalt des Stücks ist schnell erklärt: Ein ängstlicher Junge wird von der Gruppe der Mitschüler ständig ausgegrenzt, geschubst und keiner will mit ihm spielen. „Tausendauge“ rächt sich und entführt ihren Freund. Lange hält er ihn mit seinem Team an der aufgebauten Turmburg gefangen. Von dort sehen sie alles, was Kinder auf der Erde an schlimmen Dingen mit ständigem Ärgern einander antun können. Schließlich tut es denen leid.

„Aber ärgert man zuviel, wird das ein böses Spiel“, kommt passend dazu von einem Kind. Die Truppe schafft es dank Untertützung eines Sternenkindes und blendenden Taschenlampen doch, ihren Freund wieder zu befreien – woraufhin „Tausendauge“ mit seinem Gefolge traurig und einsam zurückbleibt. Man nimmt ihn auf und Kinder singen zusammen am Ende „Lernen, fühlen, spielen, da wollen wir nicht anders sein.“

Der Applaus für die Aufführung ist riesig, sogar standing ovations gibt es. Die Eltern werden nach der Danksagung und dem Verteilen von Blumen und Geschenken an die Protagonisten wieder in den Vorraum gebeten. Die Kinder bleiben zu einem Abschluss-Kreis noch auf der Bühne mit Christina Hohmuth sitzen. Sie hatte nicht nur bei den Einsätzen geholfen, sondern auch mit Klangschalen und Tamborin für den richtigen Takt beim Stück gesorgt. Die Aufführung kam gut an. „Das war genau richtig für die Kids, damit sie sehen, wozu Ärgern führen kann“, sagten etliche Eltern. Die standen da schon rund um das Kuchenbuffett, vertieften sich in Gespräche.

Gebacken hatten zahlreiche Eltern und Akteure vom Schulförderverein für die Aufführung, die durch Regisseur Frank Radig vom Theater Frankfurt erstellt wurde. Vom Erlös durch den Verkauf der süßen Leckereien wollen 40 Hortkinder im Sommer 2020 eine Ostseereise unternehmen. Eingebracht hatte sich auch wieder der Förderverein der Theodor-Fontane-Schule Letschin. „Wir wickeln im Hintergrund die Formalien ab, damit die Kinder und Theaterleute sich auf ihre Arbeit konzentrieren können“, erzählte Kassenwart Daniela Synold. Gut ein halbes Jahr Vorlauf hatte die Theaterwerkstatt gehabt. Dadurch habe man wieder bei der „Aktion Mensch“ zum diesjährigen Thema „Ich bin anders – du auch“ erneut 5000 Euro an Fördergeld anhand allerlei Anträge besorgen können.

Auch die Hortleiterin Lydia Schönemann fand die Aktion insgesamt sehr gelungen. Sie lobte „meine Kids“, auch das verlässliche Mitarbeiter-Team und berichtete, dass der Schulessen-Versorger, die Letschiner Sodexo GmbH, die die Kids während ihrer Proben mit tollem Mittagessen wie Pizza, Schnitzel und Griesbrei toll versorgte. „Wer die Möglichkeit hat, solch eine Theaterwerkstatt zu machen, sollte dies unbedingt mal tun. Das fördert ungemein die sozialen Kompetenzen der Kinder“, resümierte Lydia Schönemann die dritte Auflage.

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