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Gymnasiums-Bau
Strausberg hat die Nase vorn

Symbolbild Schule
Symbolbild Schule © Foto: Marijan Murat
Martin Stralau / 15.03.2019, 18:44 Uhr
Strausberg (MOZ) Die Gemeinden am Berliner Rand müssen sich darauf einstellen, dass das vom Kreis geplante Gymnasium nicht bei ihnen gebaut wird. Der Kreis-Bauausschuss folgte am Donnerstag dem Vorschlag des Landrats, die Schule in Strausberg zu errichten. Wo dort genau, ist noch offen.

"Wir als Verwaltung sehen in Strausberg die besten Voraussetzungen." Mit diesem Satz machte Friedemann Hanke, Erster Beigeordneter des Landkreises Märkisch-Oderland, gleich zu Beginn der zweistündigen Diskussion im Bauausschuss zum neuen Gymnasium klar, welchen Standort der Kreis favorisiert. Die Bürgermeister aus Neuenhagen, Hoppegarten und Fredersdorf-Vogelsdorf widersprachen ihm und Landrat Gernot Schmidt in der Debatte zum Teil heftig.

Die beiden letztgenannten Gemeinden hatten ebenso wie Altlandsberg jeweils ein eigenes Grundstück vorgeschlagen, Strausberg gleich drei. Die Grundstücke müssten vier wesentliche Kriterien erfüllen, so Hanke: eine Größe von mindestens 14 000 Quadratmeter, gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln, sofortige Baureife und eine unentgeltliche Überlassung. All das würde auf die alte Polizeistation in der Wriezener Straße in Strausberg zutreffen, das Grundstück vom Land kostenfrei übertragen. "Hier gibt es eine Zusage von Finanzminister Christian Görke", sagte Hanke. Gerade die sofortige Verfügbarkeit sei ein wichtiger Punkt. "Wir brauchen den Neubau bis Mitte der 2020er-Jahre, können uns keine großen zeitlichen Verzögerungen leisten." Diesen Punkt griff auch Gernot Schmidt auf. "Auf Scharmützel und rechtliche Auseinandersetzungen wollen wir uns nicht einlassen. Wir wollen dort bauen, wo wir willkommen sind." Das sei in Strausberg der Fall. Welches der drei Grundstücke es wird – die weiteren liegen an der Prötzeler Chaussee/Flugplatz und im Gewerbepark Nord – stehe indes noch nicht fest, sagte er. Für Strausberg spreche vor allem die zentrale Lage im Kreis, betonte Hanke.

Warum Strausberg überhaupt auf der Liste möglicher Standorte stehe, fragte Neuenhagens Bürgermeister Ansgar Scharnke. Man müsse doch ausschließlich im Schulplanungsbezirk (SPB) II mit Fredersdorf-Vogelsdorf, Petershagen-Eggersdorf, Hoppegarten und Neuenhagen suchen. "Hier haben wir den Bedarf." Während im SPB I, zu dem auch Strausberg gehört, 300 Plätzen pro Jahrgang eine Nachfrage von 188 Schülern gegenüberstehe, stünden im SPB II 125 Plätze einer Nachfrage von 236 Kindern gegenüber. Ein Ende der Entwicklung sei nicht absehbar. "In Neuenhagen liegt die Steigerungsrate bei Grundschülern jährlich bei zehn Prozent", sagte Scharnke. Er kritisierte, dass die Vorlage nicht im Bildungsausschuss war. "Ich mische mich auch nicht in die Gestaltung der Vorlagen Ihrer Gemeindevertretung ein", antwortete Gernot Schmidt und ging auf eine Mail Scharnkes ein, in der dieser den Bildungsausschuss als "Saftladen" bezeichnet hatte. "So haben Sie nicht über meine Abgeordneten zu reden", sagte Schmidt.

Burkhard Paetzold (Grüne/B90–Pro Zukunft) vermisste in der Übersicht der Verwaltung zu den angebotenen Grundstücken Aussagen dazu, wo der Handlungsdruck am größten ist. "Dieses Planungselement fehlt", sagte er. "Es ist kein großes Geheimnis, dass der Bedarf am Berliner Rand sehr hoch ist. Aber die Frage, wie viele Plätze fehlen, ist eine Momentaufnahme, die Zahlen ändern sich ständig", sagte Friedemann Hanke. Der starke Zuzug werde irgendwann ein Ende haben. "Wir haben eine Entscheidung für den Kreis zu treffen und nicht für einzelne Kommunen, eine Entscheidung für die nächsten 30, 40 Jahre." Auch östlich von Strausberg sei mit stärkerem Zuwachs zu rechnen. "Wir sehen, wo sich Baugebiete auftun, das ist deutlich entlang der Ostbahnachse."

Widerspruch kam von Thomas Krieger, Bürgermeister von Fredersdorf-Vogelsdorf. Das Land sehe keinen Zuwachs der Bevölkerung östlich von Strausberg in den nächsten zehn Jahren. Hoppegartens Bürgermeister Karsten Knobbe sagte, es werde im erweiterten Metropolenraum nie den Bevölkerungsaufwuchs geben wie im direkten Berliner Umland. "Und selbst wenn wir im Berliner Umland eine Stagnation hätten, dann bleibt der Bedarf an Schulplätzen da. Zukünftig werden wir dann immer eine Unterdeckung an Gymnasialplätzen haben."

Klaus Ahrens (CDU) und Rita Nachtigall (SPD) sprachen sich angesichts der weitreichenden Entscheidung für eine neuerliche Prüfung der Grundstücke aus. Bernd Sachse (Linke) plädierte dafür, "noch in dieser Wahlperiode zu entscheiden". Strausbergs Bürgermeisterin Elke Stadeler warb für ihre Stadt. "Wir haben hier sehr gute Rahmenbedingungen." Unterstützung erhielt sie vom Landrat. "Ich breche eine Lanze für Strausberg. Keine Stadt im Berliner Umland leistet mehr für die soziale Infrastruktur", sagte er. Seine Vorlage mit dem Beschlussvorschlag Strausberg werde er auch in den Kreistag einbringen. Der Ausschuss votierte mit fünf Ja- und zwei Nein-Stimmen (Knut Koall – BVB/FW/FDP, Burkhard Paetzold) bei einer Enthaltung (Klaus Ahrens) dafür.

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Jeannette Rüdiger 17.03.2019 - 20:41:07

Schulgeld und Schulstandort

Wie lange will man noch Standorte für einen dringend benötigten Oberschul-Neubau prüfen? Es entsteht eher der Eindruck, es soll weiter Zeit ins Land gehen. Nun ja, die Landratswahlen kommen mit der verstreichenden Zeit auch näher. Die Idee Eltern neuenhagener Schüler finanziell zu unterstützen, damit ihre Kinder IB Oberschule besuchen, dürfte aus Platzmangel schwierig werden. Sollen dort nicht im neuen Schuljahr, ab 7. Klasse, zwei sogenannte Fussball-Klassen starten? Fakt ist, in Neuenhagen oder in unmittelbarer Umgebung, wird eine Oberschule benötigt. Strausberg-Stadt oder Strausberg-Nord ist nun nicht die unmittelbare Nähe, schon gar nicht, wenn man auf die leider sehr unzuverlässig fahrende S-Bahn angewiesen ist. In Berlin werden jetzt Planungsabläufe für Schulen vereinfacht. Von Planung bis Eröffnung vergehen keine drei Jahre. Man kann Dinge die gut sind auch mal übernehmen und nicht immer das Rad neu erfinden.

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