Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

In Trebnitz illustriert eine Sonderschau die Frankreich-Liebe von Gustav Seitz

Gustav-Seitz-Museum
Sehnsucht nach Savoir-vivre

Doris Steinkraus / 19.03.2019, 06:00 Uhr
Trebnitz (MOZ) "Er sieht lustig und heiter aus. Sein Anzug war merkwürdig aufgemacht. Fertig, um auf der Bühne aufzutreten…

Alles, was er tut, hat Berechnung, aber alles hat eine Note, die man nicht verurteilen kann. Er ist einfach genial", schreibt Gustav Seitz an seine Frau Luise über seinen Besuch bei Pablo Picasso 1952 in Frankreich. Er habe ihn "auswendig gelernt, um in Berlin eventuell ein Porträt von ihm zu machen". Was der Bildhauer (1906–1969) denn auch noch im gleichen Jahr tat.

Der Picasso-Kopf ist Teil der Sonderausstellung im Gustav-Seitz-Museum in Trebnitz (Märkisch-Oderland), die sich mit Gustav Seitz und Frankreich beschäftigt. Die Büste unterscheidet sich von anderen Seitz-Köpfen. Durch die Hervorhebung der Augäpfel mit Emailfarbe hebt der Bildhauer den eindringlichen Blick Picassos hervor. Und macht auch seine geistige Verbindung deutlich. Er hatte bereits 1949 den von Picasso mit initiierten Friedenskongress "Künstler für den Frieden" in Paris unterschrieben, schuf später die Zeichnung "Frau mit Vogel", die sich am Plakat des Kongresses mit Picassos berühmter Lithografie der Taube anlehnte.

Immer wieder zog es Seitz nach Paris, später auch Südfrankreich. Charles Despiau (1874–1946) gehörte ebenso zu seinen großen Vorbildern wie Aristide Maillol (1861–1944). Ihn begeisterte die Einfachheit der Formen, die so große Ausstrahlungskraft hatten. "Die Auseinandersetzung mit Maillol, die Orientierung an seinem Werk und die eigene Auffassung von Figuren finden sich bei Seitz in einer Anzahl kleinplastischer Arbeiten, die in den 30er-Jahren entstanden", resümiert Annette Purfürst, Kuratorin der Sonderschau. Die von Seitz geschaffenen hockenden, liegenden oder kauernden weiblichen Akte würden eine ähnlich anmutende Sinnlichkeit verdeutlichen wie die von Maillol. Einige von Seitz’ sind jetzt in Trebnitz zu sehen.

Tief beeindruckte Seitz die Balzac-Figur von Auguste Rodin in Paris. Für ihn war sie Rodins stärkstes Werk. Am Boulevard Raspail fertigte er eine Reihe von Zeichnungen der Figur an, dessen Schrägstellung ihn fesselte. Rodin habe damit aus seiner Sicht fast die Grenzen des Plastischen überschritten, befand er. Seitz selbst griff später in der Figur "Schreitender Villon" diese Gestaltungsform auf. Der Besuch des Rodin-Museums wird für ihn zum Schlüsselerlebnis im weiteren künstlerischen Schaffen. Rodin führte den Torso als eigenständige Kunstform ein. "Ich sehe heute, dass die Plastik nicht umgrenzt von einem engen Raum ist, aus dem sie nicht heraus kann. Nein, der Raum ist heute für mich so groß geworden, dass jede Möglichkeit der Form erlaubt ist", schreibt Seitz an seinen Lehrmeister Fritz Griebel.

Den Bildhauer faszinierte jedoch auch das Lebensgefühl der Franzosen. Eines, das sich abhob vom damals tristeren Leben in Deutschland. Ihn überwältigte die scheinbare Leichtigkeit, die Fröhlichkeit und die Fähigkeit der Franzosen, das Leben zu genießen. Hunderte Zeichnungen entstanden während der verschiedenen Reisen, die ihn auch nach Südfrankreich führten. Mit wenigen Pinselstrichen erwies er der Fischverkäuferin auf dem Markt ebenso ein zeichnerisches Denkmal wie Stadtansichten von Paris, Nizza, Marseille oder Collioure.

Zum Nachlass von Gustav Seitz gehören mehr als 3000 Grafiken und Zeichnungen.  Annette Purfürst hat einen Teil davon für die Sonderausstellung ausgewählt, ebenso Plastiken. Seit 2017 befindet sich der Nachlass des Künstlers, der zu den renommiertesten deutschen Bildhauern des vergangenen Jahrhunderts zählt, komplett in Trebnitz. Die Gustav Seitz Stiftung hat im einstigen Waschhaus des Schloss-Ensembles ein Museum eingerichtet. Dort sind in einer Dauerausstellung zahlreiche Werke des Bildhauers zu sehen. Sonder-schauen zeigen immer wieder neue thematische Aspekte im Wirken des Künstlers, der bis heute Bildhauergenerationen prägt.

Sonderschau Gustav-Seitz-Museum Trebnitz, bis 1.9., Mi–So 11–17 Uhr, Tel. 033477 549770

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG