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Die Golzower Landwirtschaft lädt Schulen, Vereine und interessierte Bürger zum Besuch der neuen FairMast-Anlage

Massentierhaltung
Peepshow in Sachsendorf

Im Hühnerstall der 32 Tage alten Masthähnchen: Von ihrem Stall aus können die Vögel jederzeit in den Wintergarten hinausgehen. Überall liegt Stroh zum Scharren. Die Sterberate je Stall liegt bei unter zwei Prozent.
Im Hühnerstall der 32 Tage alten Masthähnchen: Von ihrem Stall aus können die Vögel jederzeit in den Wintergarten hinausgehen. Überall liegt Stroh zum Scharren. Die Sterberate je Stall liegt bei unter zwei Prozent. © Foto: Ulf Grieger
Ulf Grieger / 15.05.2019, 06:30 Uhr - Aktualisiert 15.05.2019, 07:53
Golzow (MOZ) Wir hier in Sachsendorf spüren von der Stallanlage gar nichts. Es stinkt nicht. Höchstens, dass mal ein Lkw mehr durchs Dorf fährt." Klaus-Dieter Günther, der seine tägliche Runde mit Hund durchs Dorf dreht, ist überhaupt der Meinung, dass die ganze Aufregung erst kam, als die jungen Berliner mit ihren Flyern ins Dorf kamen. "Wir hier in Sachsendorf kennen uns doch aus", meint er. Man lebe doch auf dem Lande.

Am Freitag hatten sich auch Gemeindevertreter von Lindendorf und Amtsmitarbeiter von Seelow-Land gemeinsam mit Vertretern des Landesumweltamtes in der FairMast-Anlage Sachsendorf umgeschaut. "Dabei ging es um die Erstrevision nach dem Genehmigungsverfahren, bei dem kontrolliert wurde, ob alle Auflage eingehalten werden", erklärte Detlef Brauer, Geschäftsführer der Odega. "Es gab keine Beanstandungen", informiert Elke Hamann. Die Agraringenieurin ist Chefin des Bereichs Geflügelmast sowohl der Fairmastställe in Sachsendorf als auch der konventionellen Ställe in Werder und Güldenhof (bei Rheinsberg).

Die zur Odega-Gruppe gehörende Golzower Landwirtschaft lädt Schulen, Vereine und interessierte Bürger zum Besuch der FairMast-Anlage Sachsendorf ein. Dort werden rund 70 000 Hähnchen nach den Kriterien des Tierwohl-Labels gemästet. Der Betrieb will Demonstrationslanlage für FairMast im Land werden, Eine Anmeldung bei Odega Golzow ist erforderlich.
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Odega lädt in FairMast-Anlage Sachsendorf ein

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Aktuell läuft in den umgebauten einstigen Rinderställen der dritte Durchgang. In den vier Ställen werden rund 70 000 Masthähnchen aufgezogen, bis sie 56 Tage alt sind und nach Storkow in den Schlachthof kommen. Je Stall erfolgt die Bestückung gestaffelt, so dass immer frische Ware in die Läden kommen kann. Angeboten werden diese Mast-Hähnchen derzeit in der Region im roten Netto. "Für die größeren Anbieter produzieren wir noch nicht genug", sagt Detlef Brauer.

In Golzow, wo das Genehmigungsverfahren für ein ähnliches Vorhaben am Ostrand des Dorfes noch läuft, rechnet der Betrieb im September mit der Erlaubnis zum Umbau. Dort haben elf Einwohner  eine Bürgerinitiative gebildet, die sich gegen das Vorhaben wehren. Nun hat sich diese Initiative mit einem offenen Brief an den Landtag gewandt, in dem sie ihre Befürchtungen mitteilen. Die Argumentationsbreite reicht von genereller Ablehnung der Massentierhaltung bis zur Sorge vor Lastverkehr, der Entstehung hochpathogener Keime bis hin zur Umweltverschmutzung. Odega-Chef Brauer hat bereits seit längerem die Golzower eingeladen, sich in Sachsendorf genau umzuschauen und sich dort konkret eine Meinung zu bilden. Der Betrieb hat sich darum beworben, Demonstrationsanlage für FairMast in Brandenburg zu sein, wo bislang erst an vier Standorten nach den strengen Richtlinien des Labels gearbeitet wird. Dafür wurde bereits ein "Schauraum" eingerichtet, von dem auch Besuchergruppe direkt in den Stall schauen können. Es ist eine besondere "Peepshow", egal ob die Küken dort erst wenige Tage alt sind oder kurz vor der Schlachtung stehen. Schautafeln sollen dort die Kriterien erläutern, die eingehalten werden müssen, um die Masthähnchen auch als FaírMast-Produkte verkaufen zu können.

Strenge Hygienevorschriften

Will man in die Ställe gehen, sind strenge Hygienevorschriften einzuhalten. Seuchenschutzanzüge und Überzieher für die Schuhe stellt der Betrieb bereit. Um die Tiere nicht zu verschrecken, wird vor dem Eintritt in den Stall angeklopft. Die älteren Vögel sind neugierig und kommen zu den Besuchern. Interessant auch für die Golzower dürften die gesammelten Erfahrungen sein: Bisher musste noch kein Antibiotika verabreicht werden. "Die Tiere müssen natürlich geimpft werden", sagt Elke Hamann. Gefüttert wird Weizen aus der Odega-Produktion. Der Stallmist kommt in die Biogaslanlage Neuhardenberg.

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