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1959 war der Wiederaufbau der kriegszerstörten Petruskirche Obersdorf vollendet. 60 Jahre später wurde daran erinnert.

60 Jahre Wiederaufbau Petruskirche Obersdorf
Ein doppelt festes Fundament

Thomas Berger / 12.06.2019, 06:45 Uhr
Obersdorf Pfingsten ist das dritte große Fest der Christen neben Weihnachten und Ostern, vor allem der Anlass, bei dem die Gemeinschaft der Gläubigen besonders im Fokus steht. Passend war es deshalb, das Jubiläum 60 Jahre Wiederaufbau Petruskirche, das eigentlich schon im Februar angestanden hätte, nun ein wenig nachträglich am Pfingstmontag mit einem Festgottesdienst würdig zu begehen. Denn es war ein echtes Gemeinschaftswerk damals, die kriegszerstörte Kirche wieder vollständig von den Grundmauern auf instand zu setzen. Und bis heute wird der Gemeinschaftsgedanke als solcher, der Zusammenhalt untereinander, in Obersdorf groß geschrieben.

450 Festgäste zählte der damalige Gottesdienst, als das Aufbauwerk abgeschlossen war und die Kirche wieder offiziell in Dienst gestellt werden konnte. Das war wie vieles mehr in der von Cornelia Deutschmann im Gemeinderaum vorbereiteten Ausstellung zur Kirchen- und Wiederaufbaugeschichte nachzulesen. Ganz so viele waren es nun, 60 Jahre später, zwar nicht. Doch die Bankreihen waren bis hinten gut gefüllt – und auch etliche teils mit weiterem Anreiseweg gekommen, die eine besondere Beziehung zur Petruskirche und der Obersdorfer Kirchengemeinde haben. Da-runter allein drei der früher hier tätigen Pfarrer: Barbara Witting, Christa Köpp-Blodau und Ringo Effenberger, der sich mit seiner heutigen Amtsnachfolgerin Karin Bertheau sogar die Leitung des Gotttesdienstes teilte.

Gutes Rüstzeug aus Obersdorf

Frisch ordiniert, war dies seinerzeit seine erste Stelle als Pfarrer. Ein junger Mann Anfang 30, der Zweitjüngste in der Runde von 24 Kirchenältesten aus den damals noch eigenständigen Gemeinden, die zum Pfarrsprengel gehörten. "Ich kam in stürmischer, bewegter Zeit", blickte er nun auf 1997 zurück. Obersdorf und die anderen Dörfer waren sein praktischer Einstieg in den Beruf, haben ihm viel mitgegeben auf dem Weg, wovon er heute als Krankenhausseelsorger in Berlin weiter profitiere.

Friedrich Stachat wiederum ist nicht nur der Sohn des damaligen Superintendenten, der 1959 den Festreigen mit anführte. Sondern er hat als junger Künstler auch mehrere der neuen Ausstattungsstücke im Innern der wieder aufgebauten Kirche geschaffen. Schließlich war diese im Krieg völlig ausgebrannt, musste Ersatz für Inventar wie Kanzel, Altar und anderes mehr erhalten. "Es war mein erster öffentlicher Auftrag, und ich war frech genug, mir das zuzutrauen", sagt der mittlerweile Hochbetagte im Rückblick.

Karin Bertheau erinnerte in ihrer Predigt an die Geschichte um Simon Petrus, als Jesus der Überlieferung nach über diesen Getreuen sagte: "Auf diesen Fels will ich meine Kirche bauen." Ein Spruch, der sich unter anderem im Petersdom in Rom findet – der aber auch Bezug hat zur weitaus bescheideneren Petruskirche im märkischen Obersdorf. Ein doppelt festes Fundament gebe es dort, betonte Karin Bertheau. Das eine sei der Kirchenbau, der trotz der Zerstörungskraft der damaligen Detonation, die selbst eine Seitenwand aus dem Lot brachte, über all die Jahrhunderte im Kern stets standhielt. "Das andere ist über Generationen hinweg die Lebensgeschichte der Menschen, die hier Gemeinde sind." Und beides, betonte sie, gehöre untrennbar zusammen.

Kleiner als früher sei zwar heute die Schar der Gläubigen, aus dem Ort kommen etwa 60 von 900 in der gesamten Kirchengemeinde Müncheberger Land. Doch die Obersdorfer sind gerade mit dem Frauenkreis über das Dorf hinaus überaus engagiert, haben die besondere Weltgebetstag-Tradition rund um Müncheberg begründet und einiges mehr angeschoben, lobte die Pfarrerin ihre enge Mitstreiterin Cornelia Deutschmann und etliche andere. "Ich treffe hier immer wieder auf eine Herzensbildung, die mir mehr zurückgibt, als ich mitbringen kann." Ganz ähnlich empfanden das schon ihre Amtsvorgänger, bestätigte Effenberger.

Neben ihm waren auch Barbara Witting und Christa Köpp-Blodau gern zum Festgottesdienst gekommen. Die eine war 1987 bis 1991 die erste Frau im Obersdorfer Pfarramt, noch dazu mit drei halbwüchsigen Kindern und nicht im benachbarten Pfarrhaus wohnend, sondern immer von Waldsieversdorf aus pendelnd. Für Köpp-Blodau, aus dem Westen kommend und zuvor in der großstädtischen Gemeinde Berlin-Dahlem mit 38 Mitarbeitern tätig, war bei Amtsantritt 1992 nicht nur eine Umstellung, plötzlich ganz auf sich gestellt zu sein. Sie musste auch die erste Zeit im Wohnwagen hausen, weil gerade das Pfarrhaus renoviert wurde.

"Die Kirche gehört zum Ort, ist ein Stück Heimat", zitierte Cornelia Deutschmann überaus passend, was kürzlich ein alter Mann in einer Dokumentation sagte. Das galt auch schon vor 60 Jahren, als die Waldbauern Holz für den Wiederaufbau der Petruskirche spendeten und die Dorfjugend bei Hilfsarbeiten zupackte, schlug sie den Bogen. Und unter den Mitgliedern des Posaunenchores, der den Festgottesdienst klangvoll begleitete, war Dietmar Seering, damals der erste Täufling nach dem Wiederaufbau.

Brückenschlag bis nach 1830

Der Brückenschlag zwischen den Zeiten ging aber gleich noch etwas weiter – bis in die Jahre 1830 bis 1860, als Julius Felisch Pfarrer im Ort war. An ihn, seine Frau und die teils sehr jung verstorbenen Kinder erinnert eine Gedenkplatte außen an der Chorseite der Kirche. Gustav Seibt, der Ururenkel Felischs, war vor ziemlich genau 20 Jahren mit seine Eltern erstmals an der einstigen Wirkungsstätte seines Vorfahren. Den Stein, zu jener Zeit überwuchert und später restauriert, hatte sein Urgroßvater 1910 aufgestellt. "Seit 1999 bin ich wenigstens zweimal jährlich auf Radtour hier. Obersdorf ist für mich zu einem Bezugspunkt geworden mit großer Tiefe der Zeit."

Auch heute gebe es dort viele Hüterinnen und Hüter der Kirche, würdigte mit Grüßen vom Kirchenkreis und Rosen als Dank die stellvertretende Superintendentin Agnes-Maria Bull.

Die Kirche und ihr Wiederaufbau

Das Obersdorfer Gotteshaus ist eine der typischen märkischen Feldsteinkirchen, deren sorgfältigen Quaderreihen im original erhaltenen unteren Teil des Mauerwerks auf Errichtung Mitte des 13. Jahrhunderts schließen lassen. Mehrfach gab es schon früher bauliche Ergänzungen oder Änderungen. Auf der alten Wetterfahne standen die Jahreszahl 1721 und die Initialen JGGvF (Johann Georg Graf von Flemming). Aus jener Ära datierten auch zwei der drei alten Glocken.

Die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg waren massiv. Verloren ging nicht nur der von 1601 stammende Flügelaltar, von dem es noch frühe Fotos gibt, sondern auch die Orgel aus den 1820er-Jahren. Das Inferno überstanden aus dem alten Inventar nur die von 1649 stammende Taufschale und andere kleinere Teile wie ein auf 1721 datierter Silberkelch.

Nahezu das ganze Dorf sowie das Konsistorium waren am seit September 1956 laufenden Wiederaufbau beteiligt. Im Folgejahr wurden im Turm auch zwei in Apolda neu gegossene Glocken aufgehängt, die seit der Kirchweihfeier vor 60 Jahren wieder zum Gottesdienst rufen.⇥bg

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