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Auf dem Höhenzug im Oderbruch wandert man auf den Spuren der Vergangenheit. Der Shukow-Bunker war Befehlsstand für die letzte Schlacht des Zweiten Weltkrieges.

Aussichtsreich
Spaziergang auf der Reitweiner Nase

Ines Weber-Rath / 10.07.2019, 06:00 Uhr
Reitwein (MOZ) Wer auf der Bundesstraße 112, aus Richtung Frankfurt und Lebus kommend, fährt, erblickt ihn im Osten kurz hinter Podelzig – den Reitweiner Sporn. Die langgezogene, dicht bewaldete Hügelkette ragt weit ins Oderbruch hinein. Seiner Form verdankt der Höhenzug seinen ursprünglichen Namen – die Nase. Am nördlichen Ende liegt das Dörfchen Reitwein. Der imposante Turm seiner Kirche, ein Bau des Schinkel-Schülers Friedrich-August Stüler, ragt am Fuße des Sporns aus dem Grün der Bäume. Entstanden ist der etwa zehn Kilometer lange, bis vier Kilometer breite und 81 Meter über der Bruchebene aufragende Höhenzug in der jüngsten Eiszeit, als Prallhang der Uroder. Mit der Begradigung ist das neue, eingedeichte Flussbett etwa zwei Kilometer vom Sporn weggerückt. Der ist heute ein Paradies für historisch interessierte Wanderer. Denn die Reitweiner Nase hatte von jeher strategische Bedeutung.

So schreitet der Wanderer, der sich von der Infotafel am Hathenower Weg auf die Tour "Rund um den Reitweiner Sporn" begibt, auf geschichtsträchtigem Pfad: Der Hohlweg durch eine Schlucht war Teil des mittelalterlichen Handelswegs, der die Hansestadt Frankfurt mit dem Baltikum verband. Er steht heute unter Denkmalschutz. Rund 700 Meter geht es auf dem östlichen Flügel der Reitweiner Nase bergauf bis zur "Schönen Aussicht". Hier bietet sich an einem unbewaldeten Stück Hangkante ein grandioser Blick über das Oderbruch bis weit nach Polen. Rechterhand ist sogar der Frankfurter Oderturm  zu erkennen. Warum der Berghang hier unbewaldet ist, weiß Ortschronist und Wanderführer Hermann Kaiser: Von der Stelle wurde 1947 die lehmige Erde für die Reparatur des bei Reitwein gebrochenen Oderdammes geholt.

Slawischer Burgwall

Nicht weit vom Aussichtspunkt entfernt, erreicht der Wanderer auf den sogenannten Wallbergen das nächste historisch interessante Ziel: den slawischen Burgwall. Genau genommen sind es zwei, jeweils rund fünf Meter hohe und 120 Meter lange Erdwälle am Rand des Höhenzuges, die den slawischen Siedlern vor rund 1300 Jahren Schutz vor Überfällen boten.

Der Alte Fritz soll sich im Siebenjährigen Krieg mit 40 000 preußischen Soldaten vor der Schlacht bei Kunersdorf auf den Reitweiner Sporn zurückgezogen haben, erzählt Wanderführer Hermann Kaiser. Weiter geht es am Rüstzeitenheim, dem sowjetischen Soldatenfriedhof und der gräflichen Villa vorbei auf den anderen Nasenflügel und zum Shukow-Bunker hinauf.

Am Hathenower Weg weist ein Schild die Richtung, am Abzweig im Wald fehlt das nächste. Immer wieder würden Besucher die Schilder offenbar als Souvenir mitnehmen, bedauert Reitweins Bürgermeister Detlef Schieberle.

Doch wer genau hinschaut, findet den Weg auch anhand der Mulden und Gräben auf beiden Seiten. Sie sind die Überreste der Erdbunker und Laufgräben, die die Soldaten der 8. Gardearmee der sowjetischen Streitkräfte auf dem Reitweiner Sporn gegraben haben. Denn hier wurde der Befehlsstand für den Angriff auf die Seelower Höhen und damit für die letzte und größte Schlacht des Zweiten Weltkrieges auf deutschem Boden, der um Berlin, gebaut. "Betreten auf eigene Gefahr" steht am Fuße des Abzweigs, an dem es über breite Holzstufen zum Shukow-Bunker hinauf geht. Der ist kein Bunker mehr, sondern ein Informationspunkt. Der freie Blick hinüber, auf die Seelower Höhen, den Marschall Shukow am frühen Morgen des 16. April 1945 hatte, als er den Angriffsbefehl gab, ist heute durch Bäume versperrt. In der Vorkriegszeit war das Areal für den Betrieb einer Lehmgrube baumfrei gehalten worden.

Der Reitweiner Sporn und der Shukow-Bunker sind das Ziel jährlich Hunderter Touristen, darunter Militär-Experten aus aller Welt, die die Angebote zu geführten Wanderungen nutzen. Detlef Schieberle kommt am liebsten Anfang März hier hoch – wenn es auf der Schneeglöckchenwiese nebenan blüht.

Geführte Wanderung und Einkehr

Zufahrtüber B112, Abzweig Reitwein, Wanderstart am Hathenower Weg.

Geführte Wanderungen bieten der Verein Zeitreise Seelower Höhen, Tel. 03346 597 und Hermann Kaiser, über den Event-Gasthof "Zum Heiratsmarkt", Tel. 01739632842

Einkehren kann man in die Gaststätte "Am Reitweiner Sporn", geöffnet täglich, außer mittwochs. Übernachtung in den Pensionen "Weißer Hirsch", "Alte Scheune" und "Gräfliche Villa".

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