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Jährlich müssen Friedhofsverwaltungen die Standsicherheit messen lassen. Es wird nicht gerüttelt, sondern mit sensibler Technik gearbeitet.

Unfallgefahr
Wenn der Grabstein wackelt

Grabsteinprüfung: Torsten Köster und ein Mitarbeiter seiner bundesweit tätigen Firma haben in dieser Woche wieder die Standsicherheit geprüft. Auf dem Seelower Friedhof (Foto) waren 460 Steine und Stelen zu kontrollieren.
Grabsteinprüfung: Torsten Köster und ein Mitarbeiter seiner bundesweit tätigen Firma haben in dieser Woche wieder die Standsicherheit geprüft. Auf dem Seelower Friedhof (Foto) waren 460 Steine und Stelen zu kontrollieren. © Foto: Doris Steinkraus
Doris Steinkraus / 20.07.2019, 09:00 Uhr
Seelow Schon fünf Mal klebte am Grabstein ihres Mannes der grüne Zettel mit dem Hinweis, dass der Stein nicht mehr standsicher ist und dringend fachgerecht befestigt werden muss. "Fünf Mal haben wir das reparieren lassen", erzählt Anita Schulz. Sie will selbst sehen, wie die Prüfung erfolgt und ob nun alles in Ordnung ist. Torsten Köster kann sie nach wenigen Sekunden beruhigen. Der Grabstein steht jetzt sicher. Der Inhaber der Firma aus Henningsdorf, die bundesweit Grabmalkontrollen durchführt, ist mit seinem Mitarbeiter Robert Neumann an diesem Tag gleich auf mehreren Friedhöfen der Region unterwegs.

Minicomputer baut Druck auf

"Einmal im Jahr muss diese Prüfung erfolgen", erklärt er. Das fordere die Unfallverhütungsvorschrift. Die Männer haben spezielle Technik dabei, die auf Knopfdruck nicht nur die Stand­-­sicherheit misst, sondern auch alle Daten, Grablage, Uhrzeit und Datum erfasst. Das Gerät wird ganz kurz an den Grabstein gestellt. Binnen zwei Sekunden baut es langsam einen Druck von 300 Newton auf. Dem muss der Stein standhalten, weil ansonsten die Gefahr besteht, dass er umkippt. "Manche reden immer noch von Rüttelprobe", erklärt Köster. "Die ist schon seit  20 Jahren verboten." Dennoch halte sich bei einigen hartnäckig die Überzeugung, dass die Prüfer die Grabsteine locker rütteln würden.

"Manche kommen und machen den grünen Zettel einfach ab. Sie denken, damit ist die Sache erledigt", weiß Iris Förster, die sich seitens des Seelower Bauhofes  um alles auf dem Friedhof kümmert. Bürger würden auch mit ihr diskutieren wollen. Aber mit dem Prozedere hat die Friedhofsarbeiterin gar nichts zu tun. Die Firma übergibt ihre Protokolle an die Stadtverwaltung. Dort, wo Mängel aufgelistet sind und damit der grüne Zettel am Grabstein geklebt wurde, erhalten die Nutzungsberechtigten Post von der Stadt. Sie werden aufgefordert, den Mangel beseitigen zu lassen.

Kontrolliert wird nicht stichprobenartig, sondern jeder stehende Stein – 470 sind es allein auf dem Seelower Friedhof. Hinzu kommen die von den drei Friedhöfen im Ortsteil Werbig. Die Gründe für Standunsicherheit sind fast immer die gleichen. Knackpunkte seien die Fugen zwischen Stein und Sockel und die Verbindung zum Fundament, erklärt Köster. Auch einzelne Stelen sind betroffen. Eine fällt gleich nach den ersten Prüfungen durch. Der Mangel wird sofort im Display notiert, samt Foto. All das kann der kleine Kontrollcomputer, der über Bluetooth gesteuert wird.

Mitunter seien es bei Mängel schlicht Verarbeitungsfehler, weiß Torsten Köster. "Obwohl es für Steinmetze klare Vorschriften gibt, wie die bauliche Ausführung zu erfolgen hat." So dürfe nicht nur geklebt, sondern müsse auch gedübelt werden. Nur dann ist die feste Verbindung von Grabsteinaufsatz, Sockel und Fundament gewährleistet. Aber auch die Witterung  trage dazu bei, dass es im Laufe der Jahre wackelt. "Vor allem im Frühjahr arbeiten die Grabmale", erklärt der Fachmann. Da scheine von vorn kräftig die Sonne, während auf der hinteren Seite noch Schneereste liegen. Dadurch gebe es so hohe Temperaturschwankungen, dass dann Material geschädigt wird. Vor allem Nutzer, die ganz neue Grabsteine haben, wundern sich, wenn ein Zettel daran klebt. Für sie  sei die jährliche Prüfung sogar ein Vorteil, sieht es Köster. Denn fünf Jahre bestehe Gewährleistungsgarantie, muss der betreffende Steinmetz Mängel  beseitigen.

Bei Mängeln kommt Post

Der Henningsdorfer rät dringend davon ab, die Zettel oder die Aufforderungen der Friedhofsverwaltung zur Mängelbeseitigung zu ignorieren. "Mit dieser Mängelanzeige geht nämlich die Haftung an den Nutzungsberechtigten über", erklärt er. Falle jemandem zum Beispiel ein Grabstein auf den Knöchel und er verletze sich, wird der jeweilige Versicherer sich an den Nutzungsberechtigten halten. Und auch Folgeschäden wie Teilerwerbsminderung habe er dann zu tragen. Es gehe zudem um die Sicherheit der Friedhofsarbeiter, so Köster.

Kathrin Siegel kommt in der Seelower Stadtverwaltung die Aufgabe zu, die Protokolle der Prüfer auszuwerten. Bei Mängeln würden die Nutzungsberechtigten angeschrieben. "Wir setzen eine Frist zur Beseitigung", sagt sie. Und das im kulanten Zeitrahmen.

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