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Seit 20 Jahren gibt es das Café Konsum in Obersdorf. Der Verein sorgt in der ehemaligen Verkaufsstätte für reges Leben.

20 Jahre Café Konsum in Obersdorf
Wo das Herz des Dorfes schlägt

Thomas Berger / 14.08.2019, 06:00 Uhr
Obersdorf In wenigen Wochen liegt der "Wendeherbst" 1989 30 Jahre zurück. Er brachte nicht nur einen friedlichen politischen Umsturz in Gang, sondern ließ auch rund ein Jahr später den einst zweiten deutschen Staat von der Landkarte verschwinden. Laut den Weichenstellungen der DDR-Planwirtschaft hatte die damals selbstständige Gemeinde Obersdorf noch kurz zuvor, 1988, das neue Gebäude mit dem Dorfkonsum erhalten. Nicht nur der war in dem Flachbau direkt an der Ortsdurchfahrt untergebracht, blickt die einstige Bürgermeisterin Karin Lindner zurück: "Hier saß auch der Friseur, und im Mittelteil gab es die Service-Annahmestelle für Wäsche oder auch die Reparatur von Elektrogeräten." Es war ein Häuflein engagierter Visionäre, sie selbst eingeschlossen, die 1999 nach mehrjährigem Leerstand für eine "Wiedergeburt" der alten Verkaufsstelle in neuem Gewand sorgten. Die notwendige Mindestzahl von sieben Gründungsmitgliedern hob den Verein Café Konsum aus der Taufe, wuchs bald deutlich an. Und einige mehr Helfer waren es auch, die sich beim Herrichten der Räume als nunmehr kulturell-gesellschaftlicher Treffpunkt ins Zeug legten. Erste Vereinsvorsitzende wurde übrigens die damalige Pfarrerin Christa Köpp-Blodau, berichtet Cornelia Deutschmann, 2004 dazugestoßen und heute einer der jüngeren Aktivposten in der Runde.

Sommerfest als Dankes-Feier

Das Sommerfest, mit dem jetzt zugleich das runde Jubiläum begangen wurde, ist laut den Begrüßungsworten der heutigen Vereinschefin Karin Paschen, "einmal im Jahr allen Dank zu sagen, die sich einbringen – beim Kuchenbacken, Saubermachen, Reparieren". Um die 60 Mitglieder sind es momentan, knapp unter der einstigen Höchstmarke. "Für ein Dorf dieser Größenordnung eine ganze Menge", findet nicht nur Ortsvorsteher Dieter Beh­rendt, der gleich mal auflistet, was die Truppe alles so auf die Beine stellt. Neben den wöchentlichen Kaffeerunden sind das Weihnachtsfeiern, Sport und das Kartoffelfest.

Voriges Jahr konnten Tische und Stühle erneuert werden, blickte Karin Paschen in ihrer kurzen Rede zurück. Noch vor Weihnachten soll nun auch ein neuer Fußboden folgen, wozu die Erlöse aus dem Kuchenverkauf Verwendung finden. Eine markante Investition, räumte die Vereinschefin ein. Aber das alte Stäbchenparkett noch einmal abschleifen zu lassen, käme keinesfalls billiger. Gern nutzen auch andere Gruppen die gemütlichen Räumlichkeiten, so der Bungalowsiedlungsverein zu seiner jährlichen Versammlung. Auch zu privaten Feiern ist das Café Konsum kostengünstig zu mieten.

Mit drei Liedern – einem Geburtstagsständchen, dem bekannten "Der Kuckuck und der Esel" sowie dem lustigen Floh-Lied – gratulierten die Kinder aus der Obersdorfer Kita, während von draußen schon der Duft echter Thüringer Würste vom Grill he­reinzog und sich bald alles auch am Salatbuffet drängte. Schon gleich nach dem Eintreffen hatte wiederum so mancher die Ausstellung in der hinteren Raumecke angesteuert. Dort hat die AG Chronik, zu deren führenden Köpfen Karin Lindner und Dominique Krüger gehören, allerlei Spannendes zur Dorfgeschichte zusammengetragen, insbesondere rund um das historische Dokument, das mit "Dienstregulierung und Separations-Receß von Obersdorff" betitelt ist. "Ein stolzes 130-Seiten-Werk", wie Krüger gerade ein paar Gästen berichtet. Er hat denjenigen besorgt, der sich um die aufwendige Transkription, also die Übertragung des handschriftlich in Sütterlin verfassten Dokuments in eine heute lesbare Schrift kümmert, der Verein hat sich die Ausgabe dafür geleistet, fügt Karin Lindner hinzu.

Es ist eine geschichtliche Bestandsaufnahme der Zustände im Dorf im 19. Jahrhundert. Was jeder Bauern an Flächen besitzt, welche Dienste und Abgaben zu leisten sind. Wilfried Splettstößer hatte das Werk von seinem Onkel Siegfried Ewald geerbt. Die AG-Gruppe hat in weiser Voraussicht gerade auf jüngere Interessenten an der Ausstellung auch eine Art begleitendes Wörterbuch organisiert. Denn mit Begriffen wie Kossäten, Bonität für den Wert des Bodens, Kornrente (Getreidezinsen), Quadratruthen als Flächenmaß oder Wurtheland für eingedeichte Flächen weiß heutzutage niemand mehr etwas anzufangen.

Mehrere Karten des Ortes, eine von 1778/1786 und eine 1902 pub­lizierte mit dem Stand von 1896, komplettieren die Geschichtsecke ebenso wie das Segment zur Aufsiedlung des alten Gutes unter der Genossenschaft "Eigene Scholle" (siehe Infokasten).

Genossenschaft "Eigene Scholle"

1922 erfolgte in Obersdorf die Aufsiedelung großer Flächen des alten Gutes, abgewickelt über die Genossenschaft "Eigene Scholle". Beispielsweise aus Westpreußen, aber auch anderen Gebieten kamen die Neusiedler, die den Erwerb noch jahrzehntelang "abzustottern" hatten, wie Karin Lindner weiß. "Zu DDR-Zeiten war das zwar ausgesetzt, nach der Wende mussten aber einige weiterzahlen, wenn noch Restbestände offen waren." 1929 setzte der gleiche Prozess auch in Batzlow ein. Beim Obersdorfer Restgut verblieben noch 120 Hektar, die Anfang der 1930er-Jahre Professor Scholz kaufte. Dem Künstler gehörte auch das Areal "Schauinsland" im benachbarten Münchehofe.⇥bg

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