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Projekt unter dem Dach des Arbeiter-Samariter-Bundes ermöglichte, am Lebensende doch noch etwas Unerledigtes in Angriff zu nehmen.

Hospizdienst
Wünschewagen für die Seele

Unterwegs mit dem Wünschewagen: Evelin Miethke erfuhr von der Möglichkeit, Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt ein besonderes Erlebnis zu ermöglichen. Herr P. traf nach jahrelangem Schweigen seinen Bruder wieder.
Unterwegs mit dem Wünschewagen: Evelin Miethke erfuhr von der Möglichkeit, Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt ein besonderes Erlebnis zu ermöglichen. Herr P. traf nach jahrelangem Schweigen seinen Bruder wieder. © Foto: Hospizdienst MOL
Isabell Friedrich / 14.08.2019, 06:45 Uhr
Letschin Manchmal geschieht es einfach - da arbeiten sämtliche zuständige Stellen gut zusammen und dann werden Wunder wahr. Evelin Miethke ist eine von über 80 ehrenamtlichen Hospizhelferinnen bzw. -helfern im Landkreis Märkisch-Oderland, die über den Ambulanten Hospizdienst unter dem Dach des Diakonischen Werkes Oderland-Spree koordiniert werden. Das offene, für Betroffene kostenfreie Angebot, wird zum großen Teil von den Krankenkassen und zum anderen Teil über Spenden finanziert. Es ermöglicht hilfreiche Zuwendung, wenn die eigene Kraft am Ende ist. Ein Ohr mit Herz, eine haltende Hand, einer der da ist, wenn man nicht alleine sein will, einer der Klagelieder versteht und aushält.

Finanziert aus Spenden

Seit einigen Jahren schon begleitet die Letschinerin Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Einer von ihnen ist Herr P. "Eigentlich war er schon auf dem Weg und es sah anfangs hoffnungslos aus", erzählt Evelin Miethke. Aber es habe auch noch was Unerledigtes gegeben, das ihn beschäftigte. Eine Versöhnung mit dem Bruder. Evelin Miethke erfuhr auf einem Supervision-Treffen der Hospizhelferinnen von der Möglichkeit des Brandenburger Wünschewagens. Ein Projekt unter dem Dach des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), mit dem Ziel, Spenden zugunsten der letzten Wünsche eines Menschen zu realisieren. Sie setzte alles daran, nach über 20 Jahren Kontakt zur Familie des Bruders herzustellen und ein gemeinsames Kaffeetrinken zu ermöglichen.

Als sie ihm von ersten Planungserfolgen berichtet, keimt Lebensmut auf, stabilisiert sich sein Zustand. Ein Palliativmediziner unterstützte das Vorhaben, kümmerte sich um einen zeitnahen Termin. Die Mitarbeiterinnen  des Pflegeheimes packten eine Tasche mit Sachen und fertigten ein liebevolles Lunchpaket an.

Evelin Miethke resümiert: "Herr P.  war die Fahrt über wach und hat die Eindrücke der Landschaft durch die Panoramafenster im Wagen mitbekommen." Der Wagen ist voll klimatisiert und hat eine angenehme Atmosphäre. Und das trotz moderner Ausstattung, denn alle nötigen lebensrettenden Geräte an Bord sind. "Das Team des Wünschwagens war sehr aufmerksam und liebenswürdig. Es war wirklich eine neue Erfahrung für mich in meiner fast fünfjährigen Hospizdiensttätigkeit."

Dann war es soweit. Die Brüder begegneten einander.  Es kostete Kraft, es verlief nicht alles reibungslos. Aber es war ein Stück gelebtes Leben, geteilte Zeit, Wohltat für die Seele, das sah man an den leuchtenden Augen von Herrn P. Dazu der wirklich leckere Käsekuchen. Der hatte Herrn P. noch nie so gut geschmeckt wie an diesem Nachmittag! Wir, der ambulante Hospizdienst MOL, bedanken uns auch im Namen von Herrn P. bei allen Akteuren für diese gelungene Zusammenarbeit des palliativen Netzwerkes.

Ambulanter Hospiz- und Palliativdienst MOL

2018beging der Ambulante Hospiz- und Palliativdienst MOL des Diakonischen Werkes sein 20-Jähriges Bestehen. Er bietet Sterbe- und Trauerbegleitung, den Kinder- und Jugendhospizdienst, Kindertrauergruppe, Elterncafé sowie Bildungsangebote. Ehrenamtliche werden durch Schulungen auf ihren Einsatz vorbereitet. Es gibt Hospizgruppen in Bad Freienwalde/Wriezen, Seelow/Letschin und Strausberg/Fredersdorf, zudem Trauercafés in Wriezen, Seelow und Fredersdorf. Das Koordinierungsbüro befindet sich in der Klosterstraße 9a in Strausberg (gegenüber dem Amtsgericht). ⇥dosKontakt: Tel. 03341 3059032, E-Mail: info@diakonie-ols.de⇥

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