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Richard Priemuth wurde durch den Chef der Staatskanzlei, Martin Gorholt, als Ehrenamtler des Monats des Landes Brandenburg ausgezeichnet.

Ehrung
Ein Leuchtturm im Stadtleben

Ehrenamtler des Monats des Landes Brandenburg: Martin Gorholt, Chef der Staatskanzlei, überreicht Richard Priemuth die Urkunde. Viele kamen zum Gratulieren. Es ist vor allem eine moralische Anerkennung, ohne Preisgeld. Neben der Urkunde erhielt Priemuth die Ehrenamtskarte Berlin-Brandenburg und einen hochwertigen Füller der Marke Cleo, ein Unternehmen aus der Prignitz.
Ehrenamtler des Monats des Landes Brandenburg: Martin Gorholt, Chef der Staatskanzlei, überreicht Richard Priemuth die Urkunde. Viele kamen zum Gratulieren. Es ist vor allem eine moralische Anerkennung, ohne Preisgeld. Neben der Urkunde erhielt Priemuth die Ehrenamtskarte Berlin-Brandenburg und einen hochwertigen Füller der Marke Cleo, ein Unternehmen aus der Prignitz. © Foto: Doris Steinkraus/MOZ
Doris Steinkraus / 15.08.2019, 08:00 Uhr
Seelow (MOZ) Selbst der Chef der Staatskanzlei, Martin Gorholt, kam ins Staunen. Er habe ja schon einige Ehrenamtler des Monats geehrt. Seit 2007 gibt es die Auszeichnung. Am Mittwoch wurde sie zum 135. Mal verliehen. Immer aber seien es Menschen gewesen, die in speziellen Bereichen Beispielhaftes leisten. Bei Richard Priemuth indes gebe es mindestens sechs Bereiche, in denen er engagiert wirkt und wirkte und damit die Anerkennung des Landes verdient habe. "Sie sind ein Leuchtturm in der Seelower Stadtgesellschaft und Vorbild für das Gemeinwesen", lobte Gorholt am Mittwoch in den Räumen der Volkssolidarität.

Die Liste der Ehrenämter des 85-Jährigen ist lang. Gorholt hatte einiges aufzuzählen. Wie etwa das Engagement im Sport. Der einstige Pädagoge war dreimal DDR-Meister im Kanurennsport (1950-1953) und widmet sich seit Jahren in Seelow dem Schützensport. Er war Kreisschützenmeister, wirkte als Übungsleiter. Priemuth wirkte auch jahrelang als Schiedsmann in der Stadt, ist bis heute zudem Schöffe am Landgericht Frankfurt (Oder). Er gehörte zu den Ersten, die sich bereiterklärten, in der Sicherheitspartnerschaft von Seelow mitzuwirken, absolvierte viele nächtliche Streifen im Stadtgebiet.

Martin Gorholt würdigte auch die politische Arbeit des Kreis-städters. "Zu 99 Prozent besteht Politik aus Ehrenamt", machte er deutlich. Zu DDR-Zeiten verweigerte Priemuth den Eintritt in die SED. 1995 jedoch wurde er Mitglied bei den Linken, zog für sie ins Seelower Stadtparlament, war eine Wahlperiode sogar Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung. Bis heute bringt er sich in den Stadtverband ein.

Und dann ist da noch das ungewöhnliche soziale Engagement des Richard Priemuth. Es war vor allem sein Verdienst, dass sich der Behindertenverband vor mehr als 13 Jahren nicht auflöste. Er suchte Partner, um die damalige akute Finanznot zu beheben, ist bis heute als stellvertretender Vorsitzender im Verband aktiv. Seit 27 Jahren wirkt er als amtlicher Betreuer für den mittlerweile 69-jährigen Jürgen Nieswandt. Ein Mensch, der mit den Problemen des Alltags nicht zurecht kam, der in die Schuldenfalle geriet und Dank der dauerhaften Begleitung durch Richard Priemuth zurück in ein normales Leben fand. "Wir sind wie Vater und Sohn", erklärte Priemuth. Dass er ihn zu seinem großen Tag mit an die Kaffeetafel einlud, war für ihn selbstverständlich.

Geprägt von der Nachkriegszeit

Der Grundstein für seine besonders ausgeprägte soziale Ader sei in der Nachkriegszeit gelegt worden, erzählte der Geehrte. Er habe die Trümmerfrauen erlebt, die aus dem Schutt des Krieges das Land wieder mit aufbauten. Deshalb liege ihm seit jeher viel daran, sich vor allem für die Älteren einzusetzen und auch für jene, die mitunter abseits stehen und besonderer Hilfe bedürfen, wie etwa behinderte Menschen. Oder die syrischen Flüchtlingskinder, denen er Lernhilfe gewährt.

Priemuths Einsatz wurde wiederholt anerkannt. 2012 wurde er auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung ins Ehrenbuch der Stadt eingetragen. "Wir würdigen hier heute die Anerkennung als Ehrenamtler des Monats des Landes", sagte Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Heinze (Die Linke). "Eigentlich müssten wir die Auszeichnung als Ehrenamtler des Jahrzehnts vergeben. Das würde ihm gerecht." Richard Priemuth habe das gesellschaftliche Leben und den Zusammenhalt in der Stadt mit geprägt. Dafür gebühre ihm großer Dank.

Priemuth gab ihn zurück an all jene, mit denen er in den zurückliegenden Jahren wirkte, einschließlich seiner Frau Karin. Viele der engsten Weggefährten aus Verbänden und Vereinen waren zum Gratulieren gekommen. Die Auszeichnung rührte ihn sehr. Auch wenn es dafür  kein Preisgeld gab. Die von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) unterzeichnete Ehrenurkunde wird jedoch ihren Platz im Hause Priemuth finden.

Zur Person

Richard Priemuth wurde 1934 im heutigen Pozan (Posen) geboren. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kam die Familie ins Land Brandneburg. Priemuth studierte Pädagogik in Potsdam und arbeitete 30 Jahre als Lehrer für Mathematik und Physik. Durch seine Frau Karin kam er vor knapp 30 Jahren nach Seelow, engagiert sich seitdem, und besonders seit seinem Rentenantritt 1995, in der Stadt. ⇥dos

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