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Tierischer Angriff
Kolkraben attackieren Hühner

Cornelia Link-Adam / 23.08.2019, 20:12 Uhr
Diedersdorf (MOZ) Der Tod kommt von oben. Wer bislang dachte, der Fuchs sei der größte Feind des Geflügelzüchters, der irrt. Auf dem fast 25 Jahre bestehenden Bioland-Hof von Siegmar Birk in Diedersdorf attackieren Kolkraben die Hühner. Diese sind schon so verschreckt, dass sie nicht mehr freiwillig raus auf die Wiese wollen. 10 500 weiße und braune Hühner – bis zu 15 000 Tiere dürften es sein  – hält er aktuell zur Eier- und Fleischproduktion für den Berliner Markt. Gemäß Bioland-Vorschrift mit viel Freilauf. Doch die Wiese ist verwaist. Gegacker hört man nur an den beiden Ställen. Das Geflügel sitzt nah an den Gebäuden, unter Bäumen und Hecken. "Sie trauen sich nicht raus ins Freie. Das Problem mit den Kolkraben haben wir schon lange", sagt Siegmar Birk mit Blick in den Ordner voller Schriftverkehr mit dem Landkreis. "Der laut Nabu so tolle größte Singvogel ist ja leider geschützt."

Fuchs hält sich fern

Während der Fuchs dank eingebauten Unterschutzmatten und Strom nicht mehr durch die Zäune kommt, sind die Hühner den Kolkraben-Angriffen von oben ausgeliefert. "Der Vogel vertreibt sogar den Habicht, stürzt sich auf die Tiere", berichtet Birk. 253 Tiere wurden im Vorjahr getötet. "Und jetzt bis März waren es nochmal 79 Junghühner", fügt er an. Aktuell sei es ruhig über dem Hof, fänden die Raben auf den umgepflügten Feldern genug Nahrung. "Aber die kommen wieder, spätestens im Herbst." Der finanzielle Verlust schmerzt, betrage knapp 20 000 Euro allein für 2018. Beantragte Ausgleichszahlungen lehnte der Kreis ab. Schriftlich hieß es, er müsse mit dem Schaden leben.

"Viele Jahre genehmigte der Kreis, pro Jahr bis zu 20 Kolkraben abzuschießen. Das funktionierte. Aber seit 2018 wird es zum Schutz der Vögel abgelehnt." Stattdessen rate ihm die Untere Naturschutzbehörde, dass er mehr Unterstellmöglichkeiten fürs Geflügel schaffen solle. "Wir haben Bäume gepflanzt, aber das dauert, bis sie wachsen. Außerdem haben wir Vogelscheuchen aufgestellt, auch Spitzdächer auf der Wiese verteilt." Jäger Birk ärgert sich über das Pochen auf Naturschutz-Vorschriften der Behörde zugunsten der Beutegreifer. "Aber das passt ja. Der Kolkrabe wird genauso geschützt wie Wolf, Waschbär und Biber." Mit dem Schutz seiner Hühner habe er zusätzliche Arbeit, die keiner bezahlt. "Und auch die Sorge, dass der Kolkrabe die Geflügelpest bringt", sagt Birk. Die Rückkehr zum Abschuss der Kolkraben fordert auch Max-Georg Freiherr von Korff. "Wir wollen ihn  ja nicht ausrotten, nur vertreiben wie früher." Der Vorsitzende des Jagdverbandes Seelow unterstützt Siegmar Birk, informierte den Landesjagdverband und  schrieb an den Landrat. "Eine Antwort blieb bislang aus."

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