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Polnische Gäste besuchten das Areal des ehemaligen Schlosses Klessin. Geschichte soll gemeinsam aufgearbeitet werden.

Kriegsopfer
Schloss Klessin soll Erinnerungsstätte werden

Ingo MIkat / 02.10.2019, 07:30 Uhr
Wuhden Die Erinnerungsstätte Klessin war Ziel einer großen Gruppe polnischer Bürger aus der Nachbar-Woiwodschaft Märkisch Oderlands. Sie trafen sich mit Mitgliedern des Wuhdener Heimatvereins und weiteren Podelziger Einwohnern. Grundlage für die Begegnung an der Ruine des einstigen Klessiner Schlosses bildete ein neuer, im Rahmen der Euroregion abgeschlossener Vertrag, der die Zusammenarbeit der Träger polnischer (Festungsmuseum Küstrin) und deutscher Gedenkstätten fördert. Hermann Kaiser vom Wuhdener Heimatverein begrüßte die polnischen Gäste im Beisein des Podelziger Bürgermeisters, Thomas Mix, und der Sozialausschussvorsitzenden, Iris Marggraf. Er informierte über das von seinem Verein gemeinsam mit zahlreichen Mitstreitern begonnene Klessiner Gedenkstätten-Projekt. Inhalt ist die Umgestaltung der Reste der Klessiner Schlossruine zu einer Erinnerungs- und Gedenkstätte für die Kriegsopfer beider im Frühjahr 1945 gegeneinander kämpfenden Seiten.

Bei einer Führung über das Gelände erinnerte Kaiser daran, dass die gegen Ende des Zweiten Weltkrieges an der Oder geführten  wochenlange Kämpfe zu einer ungeheuerlichen Zahl deutscher und sowjetischer Toten und  neben anderen schrecklichen Zerstörungen auch zu einer 100-prozentigen Vernichtung des kleinen Ortes Klessin führten. Die zukünftige Gedenkstätte soll  vor allem nachfolgende Generationen mahnen, bei politischen Entscheidungen und Handlungen stets die furchtbaren Folgen von Krieg zu bedenken.

In den vergangenen Jahren leisteten die Mitglieder des Wuhdener Heimatvereins jährlich gut 1000 ehrenamtliche Stunden auf dem Areal. Sie beräumten es von Schutt und begannen mit ersten Gestaltungsarbeiten wie dem Pflanzen von Sträuchern. Gleichzeitig sicherten sie einen Kellerrest des einstigen Schlosses. Die Grundmauern zeichnen schon jetzt mit Trümmersteinen befüllte Gabionen nach. Bis zum Jahresende soll ein Teil des ehemaligen Schlossfußbodens als Rasenfläche gestaltet werden. Eine weitere frühere Grundfläche des Schlosses bedecken bereits, zur Illustration der Zerstörung, zahlreiche Trümmersteine.

Zukünftig zeichnen zudem originale Ecksteine und ein angedeutetes Portal die Grundrisse des ehemaligen Gebäudes nach. Neben diesen Vorhaben wollen sich die Projektgestalter in diesem Jahr auch noch um das weitere Bepflanzen des Areals und die Aufstellung von viersprachig gestalteten Informationstafeln und einer Akustiksäule für Audioerklärungen kümmern. Eine zusätzliche Aufgabe ist, wie Hermann Kaiser seinen Gästen erklärte, zudem direkt mit dem Naturschutz verbunden. So richteten die Heimatvereinsmitglieder in einem Teil der alten Fundamentmauern ein Quartier für Ringelnattern ein und versahen zahlreiche Bäume in der näheren Umgebungen mit Vogelnistkästen.

Blühpflanzen und Kunstwerke

Im nächsten Jahr sollen außerdem neue Blühpflanzen auf dem Gelände Tieren wie Bienen und Schmetterlingen Nahrung liefern. Im letzten erhaltenen Kellerraum des Gebäudes könnten künftig auch Fledermäuse Quartier beziehen. Zur Gestaltung der Gedenkstätte plant der Verein darüber hinaus, einige Kunstwerke aufzustellen. Deren Auswahl und Finanzierung sind jedoch zurzeit noch offen. Auf dem Gelände zu sehen ist hingegen schon ein von Vereinsmitgliedern angefertigtes Sperrholzportal. Hermann Kaiser informierte, dass sich die Wuhdener Heimatvereinsmitglieder und ihre Unterstützer freuen würden, wenn zukünftig vermehrt Schulklassen das Gelände für anschaulichen Geschichts- und Regionalunterricht am Originalschauplatz nutzten.

Umbettungsfeier in Wuhden

Bewährter Partner des Wuhdener Heimatvereins ist der Verein zur Bergung Gefallener in Osteuropa (VDGO). Er sucht seit zehn Jahren rund um Klessin nach Überresten Gefallener, auch auf dem Terrain des ehemaligen Schlosses. Das hatte für die letzten Schlachten im Frühjahr 1945 immense Bedeutung. Wochenlang waren die deutsche Wehrmachtssoldaten eingeschlossen, die meisten fielen. Mitglieder des Vereins absolvieren in dieser Woche wieder einen Einsatz. Heute findet um 13 Uhr eine Umbettung Gefallener auf der deutschen Kriegsgräberstätte in Wuhden statt. Pfarrer Müller hält die Andacht, VDGO-Vorsitzender Albrecht Laue hält die Gedenkrede.  ⇥dos

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