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Einer der zwei von der Polizei ermittelten Seelower Graffiti-Schmierer will den Täter-Opfer-Ausgleich, sich aber nicht entschuldigen.

Graffiti-Schmiererei
Täter-Opfer-Ausgleich vorerst gescheitert

Noch immer zu sehen: Die Graffiti-Schmierereien am Seelower Kulturhaus.
Noch immer zu sehen: Die Graffiti-Schmierereien am Seelower Kulturhaus. © Foto: Johann Müller
Ines Weber-Rath / 07.11.2019, 20:12 Uhr
Seelow (MOZ) Der zweite Jahrestag jener Nacht naht, in der sich jugendliche Vandalen in Seelows Innenstadt an Häuserwänden ausgetobt hatten: Am 16. Januar 2018 – den Tattag – hatten die Schmierfinken, die sich wohl für Künstler hielten, an einer Wand hinterlassen – haben sie das Kulturhaus, einen Sewoba-Wohnblock Am Stadion, ein Stallgebäude und die Fassade eines Wohnhauses an der Küstriner Straße mit Graffiti verunstaltet. Am Kulturhaus ist die "Schmiererei in Blau", wie das Oderland-Echo damals titelte, bis heute zu sehen.

Zwei Jugendliche ermittelt

Die Polizei konnte die Täter ermitteln. Es handelte sich um zwei Seelower, einen zur Tatzeit 21-Jährigen und einen 16-Jährigen. Die Geschädigten erstatteten Anzeige wegen Sachbeschädigung. Auch der Staatsschutz war damals an den Ermittlungen beteiligt. Denn an die Backsteinwand des Stallgebäudes hatten die Vandalen ein Hakenkreuz gesprüht.

Lange war danach nichts mehr in der Sache zu hören. Bis sich im Frühsommer dieses Jahres Bernd Schutza von der Evangelisches Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) gAG aus Fürstenwalde bei Maria S.* meldete und einen Täter-Opfer-Ausgleich anbot.

Dabei handelt es sich um die Möglichkeit, zwischen den Beschuldigten und Opfern einer Jugendstraftat zu vermitteln. Maria S. nahm das Angebot an. Die Seelowerin wollte den Tätern in die Augen schauen, die ihr und ihrem Mann das angetan hatten – ihre Hauswand war weithin sichtbar beschmiert. Das Reinigen und Neuanstreichen kostete das Rentnerpaar rund 700 Euro, für die ihre Versicherung nicht aufkam.

Auf die Frage, warum sie auf das gerichtliche Einklagen des Schadens verzichten wolle, erklärt die couragierte Seniorin, ihr habe vor allem die Mutter des Täters leid getan. Die sei Sozialhilfeempfängerin und "schlimm genug dran". Maria S. möchte, dass der Täter – am Verfahren ist nur einer beteiligt, der andere, ältere, soll "abgetaucht" und unauffindbar sein – seine Schuld durch gemeinnützige Arbeit begleicht. Doch es kam zunächst anders.

Respekt eingefordert

Als sie dem noch immer minderjährigen Täter und seiner Mutter in einem Raum im Landratsamt gegenüber saß, habe sie nicht anders gekonnt, als ihm erst einmal "ein paar Takte zu sagen", berichtet Maria S. Doch das habe den jungen Mann empört. Er wolle respektvoll behandelt werden und verweigere unter diesen Umständen eine Entschuldigung, habe der Täter erklärt. Die 50 Sozialstunden würde er ableisten – allerdings nicht in Seelow, sagt die Geschädigte. Maria S. hat die Unterschrift unter den Täter-Opfer-Ausgleich verweigert. Sie pocht auf die Entschuldigung.

Das Verfahren sei noch nicht abgeschlossen, erklärt Bernd Schutza auf Nachfrage. (*Name von der Redaktion geändert)

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Paul Müller 08.11.2019 - 17:12:47

Gern doch ...

... das war ein polnisches Video und im Gedanken konnte ich dort den untersetzten Anton putzen sehen :) ...

Anton Hoflreicher 08.11.2019 - 14:02:25

An was erinnert mich das

Leute in Ketten, arbeiten etwas ab.... vielleicht komm ich ja noch drauf, oder helfen Sie mir weiter Herr Müller.

Paul Müller 08.11.2019 - 05:21:45

Habe da neulich die polnische Version eines Graffitikünstlers ...

... angekettet vom Hausbesitzer eine Wand putzen sehen :) Das war auch eine respektbildende Massnahme - vor dem Eigentum anderer, mehr davon !

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