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Mit Lars Kuke hat Wriezen wieder einen Japan-Beauftragten. Er will den kulturellen Austausch mit dem Land der roten Sonne weiter vertiefen. Denn von Japan könne man viel lernen.

Freundschaft
Japans neue Stimme – in Wriezen

Der neue für Japan: Lars Kuke (r.), hier mit Kasotoshi Shina,  ist begeisterter Japan-Fan. Er kann Karate und hat den 3. Dan dieser alten Kampfkunst.
Der neue für Japan: Lars Kuke (r.), hier mit Kasotoshi Shina,  ist begeisterter Japan-Fan. Er kann Karate und hat den 3. Dan dieser alten Kampfkunst. © Foto: privat
Susan Hasse / 03.12.2019, 06:00 Uhr
Wriezen (MOZ) Nippon hat wieder ein Sprachrohr in Wriezen: Lars Kuke wurde vergangene Woche von den Stadtverordneten zum offiziellen Japan-Beauftragten des Stadt ernannt. Seine Aufgabe ist es künftig, die freundschaftlichen Verbindungen zur japanischen Stadt Hachioji zu hegen und zu pflegen und das Erbe des  japanischen Arztes Nobutsugu Koyenuma, der 1946 in Wriezen starb, zu bewahren. Lars Kuke brennt für Japan. Bereits des öfteren ist er in die 8800 Kilometer entfernte Inselnation gereist. Er spricht die für deutsche Ohren schwierige Sprache mittlerweile sehr gut und liebt Land und Leute. "So viel Gastfreundschaft findet man nirgendwo", ist er überzeugt.

Schon vor Jahrzehnten hat er seine Leidenschaft für die japanische Kultur entdeckt: "Es ist das Spirituelle, was mich fasziniert", bringt er es auf den Punkt. Kulturell und religiös sei die Nation so anders als wir und sehr spannend: Die japanische Kultur ist älter als die europäische und von spirituell-religiösen Elementen geprägt. Trotzdem ist die Gesellschaft technologisch auf höchstem Niveau. Auch von den Menschen und ihrer Lebenseinstellung ist er begeistert: freundlich, hilfsbereit, höflich. Vom täglichen Umgang miteinander könnten die Deutschen durchaus etwas lernen, ist er überzeugt. Seit mehr als 20 Jahren macht der 46-Jährige Karate, die alte japanische Kampfkunst, die innere Kraft und Stärke verbindet.

Lars Kuke ist eigentlich gelernter Schornsteinfegermeister und hat lange Zeit in der Sport- und Fitnessbranche gearbeitet. Derzeit macht er eine Umschulung zum Kaufmann im Gesundheitswesen. Vor ein paar Wochen las er die Anzeige der Stadt Wriezen und war schnell überzeugt, dass er der richtige Mann für das Ehrenamt sei.

Er möchte in den kommenden Monaten die Kontakte zur japanischen Partnerstadt vertiefen. Ideen und Vorstellungen hat er jedenfalls schon sehr viele. Zusammen mit dem Bürgermeister Karsten Ilm sollen diese nun in einen Arbeitsplan münden. Den Japanbeauftragten als Ehrenamt gibt es seit 2016 in Wriezen, er ist direkt im Bürgermeisterbüro angesiedelt. Aus Sicht von Bürgermeister Karsten Ilm ist es gut, dass der Japan-Beauftragte aus der Bürgerschaft kommt und nicht wie zuvor aus der Verwaltung.

Ginge es nach Lars Kuke, sollten künftig noch mehr Japan-Urlauber in die schöne Stadt im Oderbruch kommen. Schon jetzt kommen dutzende pro Jahr und gehören sozusagen zum Stadtbild dazu. Die Stadt ist nämlich bei Japan-Touristen durchaus beliebt: Sie pilgern zum Grab des japanischen Arztes Nobutsugu Koyenuma. Der Mediziner arbeite in der Strahlenforschung in Berlin bis er 1945 in Wriezen strandete. Koyenuma arbeitete in der Seuchenstation der Stadt und behandelte Typhus, Tuberkolose und andere Krankheiten. 1950 bekam er einen Grabstelle mit einem Stein mit Äskulapstab als Symbol der Ärzte, gesäumt von zwei Bambusbüschen und einer Stele mit japanischen Schriftzeichen.

Zu DDR-Zeiten war der japanische Exilant kein Thema. Erst 1994 wurden erste Kontakte zu den Nachfahren in Japan geknüpft und es entstand ein Austausch  mit der Geburtsstadt Koyenumas. Schon mehrfach kamen Besucher aus Hachioji  in den Oderbruch.

Kultureller Austausch

Heute sind die Spuren Nippons vielerorts präsent: Das Johanniter-Gymnasium hat eine Partnerschule in Hachioji, der Geburtsstadt von Koyenuma. Auf dem Wriezener Schützenplatz steht ein von einem japanischen Künstler gestaltetes Ehrenmal, es gibt einen Gedenkstein an der Fußgängerpassage,  es gibt das Koyenuma Beach-Volleyball-Turnier und hundert japanische Kirschbäume wurden gepflanzt. Der Koyenuma-Freundeskreis organisiert zahlreiche Veranstaltungen. Genau an dieser Stelle möchte Lars Kuke ansetzen: Japan solle noch sichtbarer in Wriezen werden. Das erhofft sich auch Bürgermeister Karsten Ilm. Es gebe zahlreiche Projekte, an denen der Japan-Beauftragte künftig mitwirken können, meint Ilm. So habe sich etwa zum Deichfest im Juni 2020 eine 30- bis 40-köpfige Delegation aus Hachioji angekündigt. Viel zu tun also für Lars Kuke, in der Oderbruch-Stadt die rote Sonne Nippons in Wriezen noch heller strahlen zu lassen.

Koyenuma strandete zufällig im Oderbruch

Nobutsugu Koyenuma war Arzt in Berlin und strandete 1945 in Wriezen. Hier arbeitete er in der Seuchenstation und rettete vielen Menschen das Leben: Am Ende starb er selbst an der tückischen Krankheit Typhus. Er wurde im März 1946 in Wriezen begraben. 1950 sorgten Krankenschwestern dafür, das er er einen ordentlichen Grabstein bekam. Zu DDR-Zeiten war Japan kein Thema, erst 1994 wurde das Erbe wiederentdeckt und die Familie des Arztes in Hachioji kontaktiert. Daraus wurden enge Kontakte. Seit 2016 gibt es einen Japan-Beauftragten, dessen Aufgabe es ist, die Kontakte weiter zu vertiefen.  ⇥red

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