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Stab des Kreises Märkisch-Oderland kann bei den Alarmstufen mit neuer Software rascher auf Deichschäden reagieren.

Katastrophenschutz
Das nächste Hochwasser kommt bestimmt

Mit Erfahrung von der Elbe: Ulf Oetzmann ist Katastrophenschutz-Mann.
Mit Erfahrung von der Elbe: Ulf Oetzmann ist Katastrophenschutz-Mann. © Foto: Ulf Grieger
Ulf Grieger / 09.12.2019, 20:17 Uhr
Seelow (MOZ) Ein einminütiger Alarmton, auf und abschwellend, alarmiert die Bevölkerung im Katastrophenfall. In Märkisch-Oderland gehört neben Waldbränden auch der Hochwasserfall dazu. Zuletzt war das beim Winterhochwasser 2011 der Fall, als der Mitteldeich in Hohensaaten beinahe gebrochen wäre.

Im Landkreis gibt es für solche Fälle spezielle Pläne, die jährlich aktualisiert werden, erklärt Martin Zohles, Leiter des Bereiches Brand- und Katastrophenschutz im Kreis. Seit 1. März sind die Planung und Risikobewertung das Arbeitsgebiet von Ulf Oetzmann. Der Lüneburger, der nun in Neulangsow wohnt, hat selbst  zwei Hochwasser an der Elbe erlebt.

Alles auf dem Prüfstand

Für 2020 haben sich die Katastrophenschutz-Fachleute die umfassende Überarbeitung des Planes vorgenommen. Jede Zufahrtsstraße, jeder Sandsackplatz – alles wird daraufhin überprüft, ob es noch wie geplant funktioniert, erklärt Ulf Oetzmann. Bekanntlich können deichnahe Straßen wie aktuell in Zäckericker Loose durch Biber rasch unbenutzbar werden.

Während die kommunalen Verwaltungen dafür verantwortlich sind, das genug Deichläufer gemeldet sind und die Ausbildung dieser Ehrenamtler in Regie der Unteren Wasserbehörde erfolgt, sorgen die Katastrophenschützer für Logistik und Ausrüstung. Aktuell befinden sich rund 300 000 Sandsäcke aus Jute und 60 000 aus Plaste im Feuerwehrtechnischen Zentrum in Strausberg. Bei Bedarf gibt es Nachschub aus dem Lager des Landes in Beeskow. Für die Sandlieferungen gibt es Vereinbarungen.

Aufgerüstet hat der Landkreis im Digitalfunkbereich, informiert Martin Zohles. Die Deichläufer müssen sich nicht mehr mit analoger Technik abmühen. In allen fünf Stützpunkten ist dann die Technik vorhanden. Sie soll noch in diesem Jahr in Dienst gestellt werden. Neu ist auch die Software für den Katastrophenstab. Sie ermöglicht es schon jetzt, alle Stellen gleichzeitig auf den gleichen Informationsstand zu setzen. Bei der Deichverteidigung bedeutet das, dass eine festgestellte Qualm- oder Sickerstelle im Deich sofort ausgewertet und auf ihre Bedeutung hin beurteilt werden kann. Sowohl in der Zentrale als auch in den fünf Abschnitten kann so rascher gehandelt werden. Die Einsatzleiter bekommen dafür Laptops, die mit einer sicheren Verbindung vernetzt sind. Damit muss noch geübt werden.

Führung auch bei Stromausfall

Eingestellt ist der Stab auch darauf, dass der Strom komplett ausfällt. Dafür gibt es eine exakte Karte des Landkreises, die auf einer riesigen Magnettafel in der Einsatzleitstelle an die Wand gebracht werden kann.

Keinen Plan hat der Landkreis für den Binnenhochwasserfall. Dies, 2010/11 von etlichen Kommunen im Oderbruch gefordert, war nach den umfangreichen Bauarbeiten zur Ortsentwässerung und Vorfluter-Sanierung nicht mehr weiter verfolgt worden, sagt Martin Zohles. Man stehe aber in ständigem Kontakt mit dem Deichverband.

Bei den Fragen, wie sich der Deichbau am polnischen Ufer oder der Klimawandel auf die Hochwasserszenarien auswirken wird, verweisen die Kreismitarbeiter auf die Zuständigkeit des Landesamtes für Umwelt.

Hochwasser-Abwehrplan

Der Hochwasser-Abwehrplan von Märkisch-Oderland legt fest, wie im Hochwasserfalle zu den Alarmstufen I bis IV (abhängig vom Oderpegel) gehandelt wird. Der Plan wird jährlich aktualisiert und den Verwaltungen zugesandt. Darin wird u.a. festgelegt, welche Orte im Evakuierungsfall von wo Einwohner aufzunehmen haben und wie die Deichverteidigung zu organisieren ist. In einem internen Teil ist festgelegt, welche Firmen für Leistungen und ähnliches zur Verfügung stehen. Die Lage der Sandsackfüllplätze, Leitstellen und Notunterkünfte sind im Internet unter der Adresse www.landkreismol.de/cms/index.php abrufbar. ⇥Ulf Grieger

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