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Motorsport
Autocross-Team aus Seelow bereitet neue Saison vor

Edgar Nemschok / 27.12.2019, 05:15 Uhr
Seelow (MOZ) Es ist noch Licht in der kleinen Garage in Seelow. Vier junge Männer sitzen über ihrem Buggy und reden über PS, Drehzahlen, Reifen, Dämpfer, Differenzial. Sie bereiten sich auf die neue Autocross-Saison vor, in der sie zumindest den Titel verteidigen wollen, denn Henrik Altermann hatte es geschafft: Nach einer erfolgreichen Serie im Jahr 2019 setzte er sich beim Finalrennen am Matschenberg gegen seine Konkurrenten in der Klasse Spezialcross mit einem 6. Platz durch und wurde in der Endabrechnung ILP-Meister.

Hinter den Buchstaben ILP verbirgt sich eine Rennserie "Internationaler Lausitzpokal im Autocross", die 2014 mit dem Einstieg in den ADAC-Clubsport in "Interessengemeinschaft Lausitz Pokal" umbenannt wurde. Wer diese Meisterschaft gewinnt, ist sozusagen Brandenburgischer Meister. Ziel des ILP war es von Beginn an, einheimischen wie auch überregionalen und ausländischen Autocross-Sportlern die Möglichkeit zu bieten, sich vor einheimischem Publikum zu präsentieren. Ein wenig als Pendaent zu Deutschen Meisterschaften oder der Europameisterschaft können hier Teams an den Start gehen, die nicht über die ganz großen finanziellen Mittel verfügen oder gar einen großen Geldgeber hinter sich zu stehen haben.

Sie leben ein wenig ihren Traum: Henrik Altermann, sein Bruder Stefan Altermann, Oliver Kroel, Steffen Gericke und Martin Wache sind zusammen das Motorsportteam-Altermann. Ihr Domizil ist eine kleine Garage in Seelow und der Chef des Ganzen stellt seine Mannschaft vor: "Oliver ist unser Schrauber und zugleich der Designer für unseren Buggy. Steffen ist Mechaniker und inzwischen Spezialist für alles, was sich um die Antriebstechnik des Fahrzeugs rangt. Martin, selbst Kfz-Meister ist unser Chef-Mechaniker und in puncto Feintuning ein echter Fachmann. Und schließlich haben wir meinen Bruder Henrik im Team, der auch im neuen Jahr versuchen wird, das Fahrzeug immer als Erstes über die Ziellinie zu bringen." Henrik ist gerade 30 Jahre alt geworden.

Team ist mehr als nur der Fahrer

Sie reden alle gern über die Meisterschaft in der ILP-Wertung. "Ich will das mal gleich relativieren. Wenn von einem Erfolg gesprochen wird, wird auch immer nur der Fahrer genannt. Klar, habe ich ein oder mehrere Rennen gewonnen. Hätte ich aber meine Jungs nicht, wäre das alles auch nicht möglich. Im Motorsport gewinnt oder verliert das ganze Team." Und sofort meldet sich der Rest der Mannschaft und ruft fast einstimmig "Unser Henrik ist einfach der Beste!"

"Und wir können das auch begründen", erzählt Oliver Kroel. "Er ist nicht nur beim Beherrschen des Autos ein Großer. Er kann auch fühlen, wie die Strecke funktioniert und wie die Technik im Fahrzeug sich verhält. Damit kann er uns als Mechaniker ganz genau sagen, wo es hapert und welche Einstellungen wir gegebenenfalls verändern müssen. Er kann sich super schnell auf die sich ändernden Streckenverhältnisse einstellen. Und Schnelligkeit ist auch für das Begleitpersonal absolut wichtig", sagt Kroel und verweist darauf, dass es am Renntag nur wenige Trainingskilometer gibt.

Zurück nach langer Pause

"Ich werde nie vergessen, wie wir mit dem neuen Buggy begonnen haben." Henrik Altermann hatte nach langer Pause wieder seine ersten Runden gedreht, und "er fuhr sofort Bestzeiten". Damit meint Kroel den Wiedereinstieg von Henrik Altermann in den Rennsport. Er hatte viele Jahre und einem zwischenzeitlichen Ausflug in die Stock-Car-Szene, ausgesetzt und kam im Alter von Mitte zwanzig zurück ins Cockpit.

Schon als kleiner Junge stand Henrik Altermann an der Rennstrecke. "Natürlich am liebsten an der am Sender in Seelow", erinnert er sich. Angefangen hat alles, wie bei so vielen Rennfahrern, mit dem Kartsport. "Ich bin auch bei den Roten Teufeln gefahren. Rennsport war schon früh meine Leidenschaft. Das habe ich von meinem Vater Fred und auch von meinem Großvater Harry. Mein Opa war Mitbegründer der Karttruppe vom MC Seelow. Von beiden habe ich was mit auf den Weg bekommen."

Altermann hat den Beruf eines Kfz-Mechatronikers erlernt und arbeitet heute als Berufsfeuerwehrmann.

Vorbereitung hat begonnen

Derzeit wird fieberhaft am Wagen der neuen Saison gearbeitet. "Im Winter werden die Meister gemacht", sagt Stefan Altermann. Es wird viel probiert und viel gerechnet, denn mehr als ein Probelauf im Stand in der Garage ist nicht möglich.

Zu den technischen Daten des neuen Renners: Er kann etwa190 PS-Leistung freisetzen. Die Kraft bezieht er aus einem 1300-Kubikzentimeter-Motor, der 10 000 Umdrehungen schafft. Der Motor stammt aus dem HauseSuzuki (Hayabusa 1300). Die Kraft wird durch ein Sechs-Gang-Getriebe übertragen und macht den schwarz-orange-farbenen Renner bis 140 Kilometer pro Stunde schnell.

"In den vergangenen Jahren ist die Strecke in Seelow immer schneller geworden", freut sich Henrik Altermann. "Und auch in der neuen Serie wird sie nach einigen Umbauarbeiten und der zusätzlichen Verdichtung des Untergrundes noch einen Kick flüssiger für die Piloten." Vor allem an der berüchtigten Schikane wurden Änderungen eingearbeitet. "Das Überholen wird da natürlich immer schwieriger", sagt Henrik Altermann, und sein Bruder ergänzt sofort: "Doch er findet fast immer eine Lücke."

Ein Problem hat auch das Team Altermann. Der Sport wird immer teurer. Es gibt neue Regeln in der Europameisterschaft bezüglich der Kraftstoffe und Reifen. Es wird nur noch einen Anbieter geben und so kostet ein kompletter Satz Reifen knapp 1000 Euro. Für den Kraftstoff wird 4,13 Euro pro Liter bezahlt. Daher ist es sehr fraglich, ob das Team Altermann beim Heimrennen in Seelow zur Europameisterschaft im Autocross am 16. und 17. Mai am Start sein kann.

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