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Handball
Vom Handballstar zum Modedesigner

Bernd Röseler und Udo Plate / 14.01.2020, 11:00 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Strenge Einlasskontrollen, Scharen von Fotografen, Blitzlichtgewitter. Das bestimmte am Wochenende die Szenerie im Berliner Club "The Grand". Harald Glööckler, ein ganz Großer der Modebranche, hatte gemeinsam mit einem hoffnungsvollen Nachwuchsde-signer zur Fashionparty geladen. Für das handball-begeisterte Bad Freienwalde ist dieser Nachwuchsdesigner ein Begriff: Eric Sindermann. Mit seinen begeisternden Aktionen ist er umgehend zum Publikumsliebling avanciert, hat mitgeholfen, die Kurstadt zu einer Hochburg des Handballsports in Brandenburg zu machen. Über Jahre gehörte Eric Sindermann zu den talentiertesten Nachwuchsspielern im deutschen Handball.

Doch der 31-Jährige war nie jemand, der sich nur in eine Richtung festlegen ließ. Die Vorliebe für den Handballsport ist nur eine von vielen Facetten dieses athletischen jungen Mannes mit dem modischen Kurzhaarschnitt, dem großen, kunstvollen Tattoo auf dem rechten Arm – und mit einer sympathischen Ausstrahlung.

Eric wollte schon immer mehr. Er begann auszutesten, welche Talente – außer Handball – noch alles in ihm schlummern. Als Stammgast des angesagten Berliner Clubs Berghain knüpfte er intensive Kontakte zur TV- und Modeszene. Nach zahllosen Gesprächen spürte er, dass das Fernsehbusiness ein neues, interessantes Betätigungsfeld für ihn sein könnte. Immer mal wieder stand er für eine Rolle in der RTL II-Reality-Seifenoper "Berlin – Tag & Nacht" vor der Kamera. "Ich habe mit meinem Gequatsche die Leute überzeugt, dass ich durchaus Rollen in der Serie besetzen kann", sagt Eric Sindermann.

Dieses "Gequatsche", wie er es sagt, nennen andere Beharrlichkeit. Oder auch den Willen, etwas Eigenes zu schaffen.  2014 zog Sindermann zurück in seinen Heimatort Berlin-Karow. Daraufhin begann er seine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Nach dem Abschluss wusste er nicht recht, wo seine berufliche Reise hingehen sollte. Er ging weiter auf die Suche nach dem Kreativen in sich. Der Zuspruch seiner Familie, der Eltern und so manches Gespräch aus den Kreisen des Berghain-Clubs brachten ihn schließlich auf die Idee: "Ich mag Mode, fasse gern Stoffe an und liebe alles Helle in den unzähligen Beige- und Weißtönen. Und ich lasse mich von vielen Dingen inspirieren." Er begann über ein eigenes Modelabel nachzudenken. Mittlerweile für die Bad Freienwalder Brandenburgliga-Handballer aktiv, gründete Eric Sindermann seine erste eigene Modemarke – "Dr. Sindsen". Den Titel leitete er aus seinem Spitznamen ab. "Es soll kein Massenlabel werden", sagt er, "sondern etwas ‚fürs Leben‘, auch wenn in den heutigen Zeiten die schnelllebige Mode das Geschäft bestimmt, soll meine Streetwear nicht die sprichwörtlichen Berge von Altkleider erhöhen. Ich diskutiere nicht nur über nachhaltige Mode, sondern möchte mit meiner Mode einen Trend in der Nachhaltigkeit befördern. Meine Bauchtasche benutze ich beispielsweise mehrere Jahre und das bereitet mir Spaß", erläutert Eric.

Sportlicher Chic und Eleganz

Es gibt Styles, die ihm gefallen. Doch vieles, was es auf modischem Gebiet so gibt, ist eben nicht seins. "Dr. Sindsen", das sind Bauchtaschen, T-Shirts, Hemden, die dem eigenen, dem Eric-Sindermann-Stil folgen. Der ehemalige Handballer wollte "eine Bauchtasche entwerfen, die einem langen Partyabend standhält und in der man perfekt alle Utensilien (Handy, Geldbörse, Bargeld) verstauen kann." Und genau nach diesen Kriterien erstellte er seine erste Bauchtasche. Eric machte sich auf dem Weg, "Dr. Sindsen" zu einer Street-wear-Marke zu entwickeln. Das Ziel war von Anfang an ehrgeizig. Doch Eric Sindermann glaubt an sich. Und er hat auf diesem Weg auch keine Scheu, Kontakt zu den Großen der Branche zu suchen. Zu Deutschlands exzentrischem Modezar Harald Glööckler. Der war schon immer ein Vorbild für ihn. Denn der Star-Designer, Buchautor, Coach, hat sich alles selbst von 0 auf 100 erarbeitet und eine sensationelle Karriere hingelegt. Er ist zu einem der Großen in der Branche geworden. Ein Multitalent. Und das beeindruckt Eric.

Der junge Mann hatte wieder und wieder über Facebook den persönlichen Kontakt zum Stardesigner gesucht, wollte dessen Rat. Glööckler vertröstete ihn jedes Mal mit einer konstanten Absage. Doch schließlich änderte der Modezar seine Meinung. Die ungeheure Motivation und Willenskraft, das Durchhaltevermögen, die eigene Marke nach vorne zu bringen, begannen ihn zu beeindrucken. Schließlich schaffte es Eric Sindermann, nach ein-einhalb Jahren, den Modede-signer von einer Zusammenarbeit  zu überzeugen. "Ich habe eine Weile überlegt und schließlich gesagt: ‚Wir machen das‘", sagt Glööckler. Im Juni 2019 gründeten beide die Modemarke "Dr. Sindsen Pompöös". Eine Marke, die sich auf die Herstellung luxuriöser Streetwear Mode spezialisierte. Der bisherige Höhepunkt ihrer Zusammenarbeit war die im Juli 2019 während der Berliner Fashion Week veranstaltete Releaseparty  zur neuen Dr. Sindsen Pompöös Kollektion.

Umjubelte Fashionshow

Nun also folgt die Neuauflage dieser Kollektion. Die Party im "The Grand" war das zweite, wichtige Event für Eric Sindermanns Weg in die Welt der Mode. Viele Prominente waren gekommen – Star-Designer Harald Glööckler nahm neben Kathy Kelly von der Kelly-Family Platz. Promi-Visagist René Koch zog das Interesse der Fotografen, Youtuber und Influencer auf sich. Und auch Erics Eltern Andrea und Thomas Sindermann sowie Schwester Daniela mit Töchterchen Leila kamen vor lauter Glitzern und Funkeln auf dem Laufsteg aus dem Staunen kaum noch heraus. Unter dem Motto "Shine bright like pompöös" präsentierten Harald Glööckler und Eric Sindermann Hoodies, Jogginghosen, T-Shirts, Bauch- und Umhängetaschen. Sportlicher Chic für junge Männer und Frauen. Der Modezar war zufrieden mit der Präsentation der neuen "Dr. Sindsen"-Kollektion.  Kathy Kelly befand: "Ich habe schon viele Glööckler-Shows gesehen, das war seine Beste. Ich bin begeistert." Und Eric, der in den vergangenen Tagen quasi rund um die Uhr für dieses Show gearbeitet hatte, er freute sich nicht nur über das Lob aus der Branche. Sichtlich gerührt war er vor allem davon, dass auch einige der alten Freienwalder Handball-Fans weiter seinen Weg verfolgen und eigens zur Präsentation der neuen Dr. Sindsen Pompöös Kollektion nach Berlin gekommen waren.

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