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Archäologie
Wie Indiana Jones im Oderland nach Schätzen suchen

Jacqueline Westermann / 14.02.2020, 05:00 Uhr
Bad Freienwalde Im alten Finanzamt, zweiter Stock, liegt ein Raum wie ein Kabuff. Die Schatzkammer von Ralf Lüttsches, wenn man so will. In der Ecke stehen Teppichrollen, auf dem Metallschrank in der Ecke Kisten. Auf dem Tisch liegt ein Ordner mit vergilbten Akten, gleich neben einem karaffenartigen Gefäß und Tonscherben auf einem Holztablett. In der Ecke Indiana Jones auf einem Plakat.

Lüttsches ist ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger. Hier im Büro sortiert er Funde von Zeugnissen der Vergangenheit. Die Bodendenkmalpflege hat es sich zur Aufgabe gemacht, verborgene Schätze aufzuspüren und vor Zerstörung zu bewahren, indem sie katalogisiert, gereinigt und wissenschaftlich erfasst werden. Für Lüttsches dreht sich alles um die Erforschung der frühen Geschichte des östlichen Brandenburgs.

Mit dem Ausweis auf den Acker

Seine Leidenschaft für Archäologie würde er gerne mit jungen Menschen teilen. Er stellte sich selbst die Aufgabe, Kinder für Heimatgeschichte zu begeistern. Dafür gründete er den Verein "Scherbendetektive", der bis vor zwei Jahren noch "Oderscouts" hieß. "Das Problem ist momentan, Kinder zu finden, die sich für so was interessieren, für Geschichte, Archäologie. Weniger weil es keine gibt, sondern weil man schwer an die rankommt." Lüttsches kontaktiert Schulen, aber persönlicher Kontakt sei am wichtigsten. In der Vergangenheit hat er schon erfolgreich Arbeitsgemeinschaften organisiert, unter anderem an der Grundschule, an der er selber als Lehrer unterrichtet. "In der Zeit sind wir in großen Gruppen aufs Feld," erklärt der Bad Freienwalder. Auch jetzt ziehe es die Kinder und Jugendlichen der "Scherbendetektive" regelmäßig unter der Leitung qualifizierter Bodendenkmalpfleger und Archäologen auf den Acker. Wichtig sei, dass der Boden frisch-gepflügt und "möglichst nicht mit Mist bedeckt" sei. Dann würde er abgesucht. Man orientiere sich an alten Fundstellen, aber suche auch, "wo es landschaftlich möglich wäre, dass es sich dort um ein Siedlungsgebiet handeln könnte," erklärt Lüttsches. Ausgerüstet sind sie mit einem Kittmesser, um die Erde aufzulockern, einem Walkie-Talkie und einem GPS-Gerät, um Funde zu lokalisieren. Jeder Fund muss gemeldet werden. Seinen Ausweis des Bodendenkmalpflegers hat Lüttsches vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege nach einem Lehrgang erhalten. Der Ausweis berechtigt ihn, nicht-umzäunte Flächen zu begehen und abzusuchen.

Nachwuchssorgen

Archäologie fasziniert den Grundschullehrer schon seit Kindestagen. Pyramiden, Pharaonen. "Dann kriegt man mit, hier ist auch Geschichte, und man kann sie auch noch finden, wenn man über den Acker geht," erzählt er. "Das ist faszinierend, man hebt eine Scherbe auf und du bist der erste, der sie wieder berührt, nachdem einer sie fallen gelassen hat." Lüttsches hofft, dass er die Zukunft der Bodendenkmalpflege sichern kann.

Hobby-Archäologen oder die, die es noch werden wollen, seien herzlich eingeladen, ganz unverbindlich zu einem Treffen der "Scherbendetektive" zu kommen. In den Ferien organisiert Lüttsches verschiedene Exkursionen, zuletzt ging es ins Archäologische Landesmuseum nach Brandenburg an der Havel. In den Osterferien soll es zum Großsteingrab Mürow gehen. Lüttsches verbindet die Ausflüge gerne mit anderen Aktivitäten, sodass es im April von Mürow aus auch in den Tierpark Angermünde geht.

Mehr Infos: www.scherbendetektive.jimdofree.com, wöchentliche Treffen freitags um 16 Uhr am alten Finanzamt Bad Freienwalde

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