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Coronakrise
Tourismusanbieter der Region Seelow in Sorge

Cornelia Link-Adam / 24.03.2020, 17:45 Uhr - Aktualisiert 25.03.2020, 14:40
Diedersdorf, Seelow, Golzow, Kienitz (MOZ, Ulf Grieger) Hotels und Restaurants haben in der Corona-­Krise einen schweren Stand. Für Touristen sind die Übernachtungsangebote weggebrochen, die Kneipen haben seit Montag ebenfalls geschlossen. Für Anbieter der Region gefährden die neuen Regelungen die blanke Existenz.

Im Diedersdorfer "Ulmenhof" hängt ein Zettel, dass bis auf Weiteres geschlossen ist. Ebenfalls seinen Betrieb eingestellt hat das "Anglerheim" in Lebus. Im Diedersdorfer "Waldhotel" in der Waldsiedlung hat Antje Beer Infozettel an den Türen, die erklären, dass touristische Übernachtungen aufgrund der Lage hier verboten sind. Die Einrichtung mit 39 Zimmern ist dennoch geöffnet – für Monteure.

Kurzarbeiter-Geld soll helfen

Sieben Zimmer waren belegt in der Nacht zu Dienstag, "kann sein, dass es bis zum Wochenende gar keines mehr ist." Der Restaurantbetrieb ist eingestellt. Frühstück wird auf Tabletts auf dem Bar-Tresen vorbereitet, abends wird vorgekocht, was vorher abgesprochen ist. "Gegessen wird auf den Zimmern", erklärt die Tochter vom Chef, die das Unternehmen mal übernehmen soll. Das Personal wurde auf Kurzarbeit gesetzt. Die Sorgen sind groß, zumal die Bücher voll waren. Jetzt hätten schon viele Gäste abgesagt, bis hin in den Sommer. "Konferenzen, Veranstaltungen, große Geburtstagsfeiern, all das fällt aus." Selbst Seelower Motocross und Autocross im Mai, damit wäre das Haus ausgebucht, sind fraglich. Ein finanzielles Polster gibt es nicht. "Wir haben die schwere Zeit des Winters gerade hinter uns, wollten jetzt in der neuen Saison ja wieder Geld verdienen." Die Kette an Einschränkungen betreffe aber nicht nur das Haus, auch die Lieferanten, und deren Fahrer.

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Coronablog.

Im "Brandenburger Hof" in Seelow übernachten derzeit fünf Monteure, ein Bruchteil dessen, was sonst in den 40 Zimmern möglich wäre. Bis auf die Frau an der Rezeption sind alle Mitarbeiter nicht da, es wurde Kurzarbeit beantragt. Viele Gäste hätten von sich abgesagt, die Monteure werden früh mit Lunchpakete versorgt. Abends bringen sie sich selbst etwas mit, aus dem Supermarkt, vom Imbiss. Von nur noch fünf Monteuren berichtet auch Erik Wagner vom gleichnamigen Gasthaus in Golzow. Aufgrund der schwierigen Lage werde man komplett schließen, auch das Essen liefern außer Haus bringe keinen großen Umsatz. "Daher ist es besser, wenn wir vier Wochen alles komplett runterfahren", erzählt er. Stornierungen bis in den Mai seien schon aufgelaufen. Auch hier ist Kurzarbeit beantragt, sträubt sich aber auch die Versicherung gegen Betriebsschließung noch zu zahlen.

"Wir sind auf Null gefahren. Das Haus ist offen, aber ohne Gäste", erzählt auch Karola Wiesinger, Leiterin der Kienitzer Landherberge vom "Rehkitz"-Verein. Die Kinder- und Jugendgruppen aus Berlin hätten reihenweise abgesagt, da sie laut Senat bis Sommer keine Ferienfahrten mehr machen dürfen. "Auch die anderen Gruppen sind in der Schwebe." Aktuell kämpfe man sich durch die Anträge auf Unterstützung, hoffe auf Besserung in ein paar Monaten.

Lieferservice und Abholung

In Seelow haben die Restaurants auf die Schließung durch neue Wege reagiert: Der "Adler" hat auf Abholung und Lieferservice umgestellt, ebenso der Grieche "Olympos". Hier gibt’s sogar Rabatt. Direkt arbeiten können aber noch die Händler auf dem Markt. Deren Stände sind vom Verkaufsverbot ausgenommen. Allerdings herrschte zur Mittagszeit beim Seelower Dienstagmarkt eher Besucher-Flaute. Daniel Borota, er hat sich eine Schutzwand aus Zellophan gebastelt, schätzt die Lage der Fischerei Schwartze dennoch als gut ein. Ebenso Monique Muth, die für die Wriezener Backstuben über Land fährt.

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