Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Corona-Krise
Kleingartenanlage in Seelow bleibt belebt

Cornelia Link-Adam / 25.03.2020, 19:01 Uhr - Aktualisiert 26.03.2020, 12:39
Seelow (MOZ) Während die Gartenzentren schon mit Primeln locken, sieht man von den Frühblühern derzeit noch nicht viel in der Seelower Kleingartenanlage "Sonnenschein".

Vereinzelt recken Osterglocken ihre gelben Köpfe in die Sonne, leuchten Stiefmütterchen in den Beeten. In der mit 350 Parzellen größten Anlage im Land herrscht schon reges Treiben.

"Ich muss raus, ist besser als drinsitzen", sagt Margot Fischbock. Die Seelower Seniorin fühlt sich von den ganzen Corona-Nachrichten beängstigt genug. Da komme die Flucht auf die grüne Scholle gerade recht. Aktuell bringt sie mithilfe ihres Sohnes Holger die Wege, Beete und Blumen auf ihrer Parzelle auf Vordermann. Der Boden in den Beeten ist schon umgegraben. "Es gibt immer was zu tun, weil wir ohne Chemie arbeiten, wächst das Unkraut umso mehr", sagt die Seelowerin. Daher kämpfe sie ständig gegen die Miere.

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.

Nahrung aus eigener Produktion

Die Parzelle hatten schon die Schwiegereltern, nun ist sie als Witwe meist allein zugange. "Aber Holger hilft toll mit", lobt sie ihren Sohn. Gerade zu Zeiten von Corona sei sie froh, dass sie ihren Kleingarten noch habe. "Es ist ein toller Ort, wo man noch hin kann. Hätte ja keiner gedacht, dass die Zeiten so schwierig werden." Margot Fischbock erzählt, dass sie früher noch viel mehr Gemüse angebaut habe. "Wir essen jetzt noch die Knollen aus dem Vorjahr, haben auch noch ein paar Gläser Marmelade. Alles aus eigener Herstellung." Raus auf ihre Scholle wolle sie möglichst noch lange kommen. Zumal Kartoffeln und Zwiebeln wieder in die Beete sollen. "Und das Blumenbeet muss auch noch gemacht werden", sagt sie beim Zuppeln an den selbstgezogenen Sträuchern. Wenn die Sonne scheine, sei sie täglich ab 10 Uhr hier draußen, lässt es sich gut gehen und erfreut sich an der Natur.

Gleich nebenan ist auch Horst Hollatz zugange. "Ich bin jeden Tag hier draußen, das ist ein schöner Ausgleich zu meiner Neubauwohnung", erzählt der Seelower, der heute seinen 71. Geburtstag feiert. Die Sorge, wie lange wegen der Corona-Krise die Senioren überhaupt noch  rausdürfen, treibt ihn um. Daher sah er auch am Mittwochfrüh nochmal fix auf seiner Parzelle nach dem Rechten. Laub wurde geharkt, am Komposthaufen, den er mit Brettern jüngst erst neu aufgebaut hat. Die Komposterde ist durchgesiebt, längst auf die Beete verteilt. Da ist auch schon das Unkraut gezupft. An seinem Hochbeet hat er neue Platten zur Abdeckung angebracht. Bepflanzen will er es zeitnah mit Salat und Kohlrabi. Stolz zeigt er in seinem Gewächshaus auch schon die Reihen mit ausgesäten Radieschen und Kolrabi. "Nebenan kommen noch die Tomaten- und Paprika-Pflanzen hin", erklärt der Seelower. Der Wasserverlust am Teich macht ihm Sorge. "Da muss die Folie irgendwo undicht sein." Dem Problem will er sich widmen, ebenso auch noch die alte Seerose durch eine neue ersetzen. "Aber da muss die Sonne höherstehen, damit der Rest der Pflanzen grün ist, die Fische ihren Schutz nicht verlieren." Mehr als zehn Jahre hat er bereits seine Parzelle. Die Saisonvorbereitung jetzt genieße er in vollen Zügen. und schon bald wird er dann wieder den ganzen Tag hier draußen sein. Und dann auch die Gartenmöbel rausstellen, die jetzt noch auf der Terrasse der vollausgestatteten Laube stehen, worin nicht nur gekocht sondern auch die Schätze des Gartens eingeweckt werden.

Frost bremst Auspflanzen aus

Eine weitere Seelower Seniorin ist derweil bei nur 3 Grad im Sonnenschein mit Fensterputzen an ihrer Laube beschäftigt. "Ich hör’ gleich auf, ist viel zu kalt", sagt sie und schüttelt ihre klammen Finger. Hier leuchten ein paar Hyazinthen im Garten. "Für das Auspflanzen der Primeln ist es noch viel zu kalt, nachts gab es ja auch noch Frost und der Wind ist zu eisig." Wegen der Gartenarbeit warte sie noch ab. Als Farbtupfer leuchten bei ihr schon ein paar bunte Ostereier an den Sträuchern. "Da wir ja derzeit nicht verreisen können, ist so ein Kleingarten doch noch eine schöne Alternative, um sich zu bewegen."

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG