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Motorsport
Der Bolide steht in der Seelower Garage

Edgar Nemschok / 27.03.2020, 19:59 Uhr - Aktualisiert 01.04.2020, 12:01
Seelow (MOZ) Wenn Robby Fechner in seinen Evo IV einsteigt, fest vergurtet den Motor anlässt und dann gebannt auf die Startampel schaut, ist er voll in seinem Element. Ein kurzer Check über die Helmsprechanlage zu Beifahrer Florian Pitzk und ab geht die wilde Fahrt.

In Sekundenschnelle muss er reagieren, um nach der Startampel schließlich dann die knapp 300 PS auf den Punkt freizusetzen. Erster Gang, zweiter Gang … und schließlich fünfter Gang – Vollgas. Die Gerade nimmt schnell ein Ende. Bei knapp 180 km/h beginnt das Anbremsen und Anstellen des Fahrzeugs, um gut durch die erste Kurve zu kommen. Der rote Mitsubishi driftet sehr schön und schon heißt wieder hochschalten. Viel Zeit bleibt Fechner nicht, denn Pitzk gibt schon den Befehl für die nächste Herausforderung. Er zitiert dabei aus dem sogenannten Gebetsbuch und sagt die nächste Kurve an.

"Eine solche Wertungsprüfung ist eine echte Höchstleistung. Alles muss stimmen, alles muss passen, um schließlich mit einer guten Zeit den Ausgang für die nächsten Prüfungen zu schaffen. Schon ein kleiner Fehler kann ein ganzes Rennen ruinieren oder auch ganz schlimme Folgen haben." Fechner erinnert sich dabei an einen heftigen Unfall, der nicht nur sein Auto fast völlig zerstörte, sondern auch ihm zeigte, dass die Grenzen der Physik nicht überschritten werden können.

"Ich fahre einen Mitsubishi Evo VI. Der kann aus einem Zwei-Liter-Turbo-Motor etwa 300 PS freisetzen", erklärt der 32-Jährige und kommt schnell auf die Vorzüge der Marke zu sprechen. "In puncto Zuverlässigkeit, und in diesem Fall solider Technik, ist der Mitsubishi kaum zu schlagen. Nicht umsonst wurden die Japaner mit diesem Modell mehrfacher Rallye-Weltmeister. Doch die Wahl der Marke hat für Robby Fechner noch einen ganz anderen Grund. Er hat den Beruf eines Kfz-Schlossers erlernt und das im Autohaus Möbus (Mitsubishi) in Frankfurt. Der  Chef, Hartmut Möbus, und sein Meister Dirk Straße fuhren selbst Rallye und da lag es natürlich auf der Hand, dass Robby den Sport ausüben wird.

Grundlagen aus dem Kartsport

Die Liebe zum Motorsport kam aber durch seinen Vater Holger "Angefangen habe ich, wie viele im Motorsport, mit dem Kart. Eine Schule übrigens, die sehr wertvoll ist. Der Kartsport kann viel zu den Grundlagen für Fahrer im Ral­lyebereich beitragen." Aufgewachsen auf dem Hof der Familie in Neulangsow bei Seelow kam Robby Fechner schon früh mit Motorentechnik in Berührung. "Na klar, durfte ich mal den Trecker oder den Mähdrescher fahren", erinnert er sich  und strahlt dabei wie damals über das ganze Gesicht. "Mein Vater Holger hatte einen Trabant", sagt Fechner, der heute bei der Bundeswehr arbeitet und dabei ebenfalls mit Fahrzeugen zu tun hat. Er koordiniert Abläufe auf einem Fahrzeugpark.

"Ja, so ist das, Autos spielten schon immer eine große Rolle in meinem Leben." Und noch heute denkt er gern daran, als er sich sein erstes eigenes Fahrzeug zulegen konnte. Gleich nach der Führerscheinprüfung – "ich möchte eigentlich gar nicht erzählen, dass ich im ersten Anlauf durch die theoretische Prüfung gerasselt bin"–, kaufte er sich, na klar, einen Mitsubishi. "Es war ein Colt und der wurde Stück für Stück zum Sportwagen umgebaut. Das ist bis heute so geblieben. Alles es auf einmal geht nicht." Ist wieder Geld da, gibt es die nächste Ausbaustufe. Das war beim Colt so und das ist für den EVO geblieben, der 2014 angeschafft wurde. Der Sport ist wirklich sehr teuer und eine Menge Zeit geht zum Beispiel für Sponsorensuche verloren." In dem er das sagt, betont Fechner, dass ein ganzes Team notwendig sei, um den Sport überhaupt zu betreiben.

Ohne Team kein Erfolg

"Dazu zählen meine Mechaniker, oder Schrauber, wie sie im Motorsport genannt werden, dazu zählt aber auch meine Familie, die sehr viel Rücksicht auf mich nimmt. Meine drei Mädchen helfen mir sehr." Seine Lebenspartnerin Jovita und die Töchter Lana und Paula drücken stets die Daumen und sind fast immer mit dabei. Aber er nennt auch seinen Co-Piloten Florian Pitzk. "Er ist die Zuverlässigkeit in Person. Nicht nur im Auto kann ich mich auf ihn zu hundert Prozent verlassen", sagt Fechner. "Ich bewundere wirklich den Beifahrer in diesem Sport. Pitzi, er ist seit seinem 15. Lebensjahr im Rallyesport aktiv, macht immer einen tollen Job. Er organisiert im Vorfeld alles für die Veranstaltungen, so dass ich mich nur noch ins Auto setzen und losfahren muss."

Fechner ist ein Schotterspezialist und nennt als seine Lieblingsveranstaltung die Lausitzrallye, die zu 80 Prozent auf losem Untergrund gefahren wird. Um aber in der Wertung der Gruppe F ganz vor mitfahren zu können, hat das Team auch neue Technik angeschafft. Zum Beispiel für die Asphaltprüfungen gibt es ein eigenes Bremsenset.

Gegenwärtig weiß auch das Team Fechner nicht so richtig, wie es weiter gehen soll. Den bisher einzigen Härtetest in diesem Jahr gab es bei der Fontane-Rallye in Neuruppin. Nach  guten Renn-Kilometern zum Auftakt musste Robby Fechner mit Getriebeschaden aufgeben.

Gruppe F

Es gelten grundsätzlich dieoffiziellen Dokumente des DMSB.Die Fahrzeuge müssen für denStraßenverkehr zugelassen sein,vollständig der STVZO entsprechen und somit alle Änderungen undAnbauten TÜV-legalisiert sein.Details über die Zulassung des Fahrzeugs sind in einem Katalog fest-gehalten:  "DMSB-Bestimmungen 2019 für die Gruppe F".⇥red

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