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Geschichte
650 Jahre Jubiläum von Dahlwitz in Hoppegarten

Jana Reimann-Grohs / 22.05.2020, 16:50 Uhr - Aktualisiert 29.05.2020, 10:55
Hoppegarten (MOZ) Die Geschichte der Gemeinde Hoppegarten geht weit bis ins 8. Jahrhundert zurück, als slawische Einwanderer in das dünn besiedelte Gebiet an Erpe und Spree kamen.

Und auch für die Steinzeit existieren belegbare Siedlungsspuren im Gebiet des Ortsteils Dahlwitz, erzählt Jutta Sachtleber vom Kulturverein "Grünes Tor". Die 69-Jährige betreut die Ortsgeschichtliche Sammlung von Hoppegarten seit mehr als zehn Jahren. Schon in den 1970er-Jahren fuhr sie manchmal aus Berlin an der Rennbahn entlang Richtung Brandenburg und fand es dort schön. Im nahe gelegenen Hönow lebt sie seit 2008 und fing über Nachforschungen an, sich näher mit der Ortschronik zu beschäftigen.

Slawische Ursprünge

Der Name des Angerdorfes "Dolewitz" (Dahlwitz) setzt sich aus den slawischen Wörtern "dol" oder "dal" für "lang" sowie "witz" für "Ort, Dorf" zusammen und tauchte vor 650 Jahren das erste Mal in historischen Dokumenten auf. Bodenstrukturen und Keramikfunde bestätigen zwar die Besiedlung des Dahlwitzer Ortskerns lange vor dessen schriftlicher Erwähnung. Doch die Existenz des Dorfes war bisher nur schriftlich in einer Urkunde vom 17. August 1437 erwähnt – sie bezieht sich auf eine verfügte Schenkung der Erträge der Korn-Mühle von Dahlwitz an die Berliner Marienkirche. Markgraf Otto V. bestimmte am 24. Mai 1370, dass die in seinem Besitz befindliche Dahlwitzer Mühle einen Altar in der Berliner Marienkirche zu versorgen habe. Die Abgaben erhielt der Klerus, der den Altar verwaltete und pflegte.

Kleine Sensation

Am kommenden Sonntag sind genau 650 Jahre vergangen, seit Dahlwitz in historischen Dokumenten durch die Existenz der Dahlwitzer Kornmühle vermerkt wurde. Bei ihren Recherchen zur Ortschronik ist Sachtleber nun auf das Original der Schenkungsurkunde Markgraf Otto V. gestoßen – für die Hobby-Historikerin "die eigentliche Geburtsurkunde". Darin ist der Name einer so genannten "Mühle Dolewic" nachzulesen. Im Brandenburgischen Landeshauptarchiv (Potsdam) wurde Sachtleber fündig und hält den Nachweis für eine "kleine Sensation". Denn bisher hätten sich Historiker immer nur auf spätere Dokumente mit Zeugnissen von Dahlwitz bezogen.

Die Dahlwitzer Kornmühle, in der  ausschließlich Getreide gemahlen wurde, wurde vermutlich im Mittelalter (12./13. Jh.) von Einwanderern errichtet, die sich im von Slawen gegründeten Dorf niederließen. Der Standort war im Bereich der heutigen Alten Berliner Straße, südwestlich der Erpebrücke. Noch heute ist links und rechts der Brücke ein Feuchtgebiet, das ursprünglich zum angestauten Bereich des Mühlengewässers gehörte.

Sachtleber fand weitere Urkunden und Dokumente, die die Verpflichtung des jeweiligen Mühlenbesitzers mit Abgaben an die Kirche belegen. Das hatte sogar noch 1803 Bestand und wurde auf die neu errichtete Holländer Mühle übertragen. Die Dahlwitzer Mühle war in der Nacht zum 4. September 1801 abgebrannt. Der Stumpf der Holländermühle ist noch als Ruine vorhanden, kann aber nicht besichtigt werden, da er auf einem Privatgelände nahe der Bollensdorfer Trainierbahn steht. Das einst zum Hoppegartener Ortsteil Münchehofe gehörende Holländerareal wurde 1939 nach Neuenhagen eingemeindet.

Anlässlich des 650-jährigen Bestehens von Dahlwitz gestaltet der Kulturverein "Grünes Tor" gerade einen Flyer zur Mühlengeschichte, die anschaulich den Gründungstag bezeugt. Das Jubiläum soll, durch die Corona-Einschränkungen als geplante Festlichkeit in diesem Jahr verhindert, im Nachgang begangen werden, sagt Kerstin Krüger von der Gemeindeverwaltung Hoppegarten: "Eigentlich war im August ein kleines Fest um den Dorfkern herum geplant. Wir stellen jetzt für den Haushalt 2021 entsprechende Mittel ein und hoffen, dass dieser bestätigt wird."

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