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Handyempfang
Funkmastbau in Reitwein trotz Bürgerprotest

Open-Air-Gemeinderatssitzung: Damit die Besucher teilnehmen konnten, wurde die Beratung nach draußen verlegt.
Open-Air-Gemeinderatssitzung: Damit die Besucher teilnehmen konnten, wurde die Beratung nach draußen verlegt. © Foto: Ines Weber-Rath
Ines Weber-Rath / 25.06.2020, 21:00 Uhr - Aktualisiert 26.06.2020, 13:26
Reitwein (MOZ) Der rund 40 Meter hohe LTE-G4-Gitter-Funkmast wird am Ortseingang von Reitwein gegenüber der Propangas-Abfüllstation gebaut werden. Das haben die Gemeindevertreter nach einer kontroversen Debatte am Dienstagabend mehrheitlich beschlossen. Die knapp 30 Einwohner, die zumeist gekommen waren, um das zu verhindern, intervenierten vergebens. Um den Bürgern die Teilnahme an der Beratung zu ermöglichen, war diese kurzerhand vor das Gemeindehaus verlegt worden. Drinnen hätte die Abstandsregel nicht eingehalten werden können.

"Warum sind die Bürger über die Sache, die fast noch wichtiger ist als die Putenmast, nicht vorher informiert worden?" Das fragte Marina Blumhagen zu Beginn der Einwohnerfragestunde. Eine Bürgerversammlung durfte während des Corona-Lockdowns nicht anberaumt werden, erklärte Bürgermeister Detlef Schieberle. Einige Gemeindevertreter hätten, wie er, ihre Nachbarn über das Vorhaben informiert, das dem Ziel diene, den Funkempfang im Ort zu verbessern.

Der sei "katastrophal", bestätigte Günther-Alexander von Wittich. Die Touristen, die er in seiner Pension beherbergt, würden Wert auf einen guten Handy-Empfang legen, sagte er. Bei Stromausfall könne er keine Hilfe rufen, weil er keinen Handyempfang habe, ergänzte der Bürgermeister.

Es gehe ihnen nicht darum, den Mastbau zu verhindern. Man solle nur einen anderen Standort, weiter weg vom Dorf finden, betonten mehrere Bürger im Laufe der hitzigen Debatte. "Wir haben lange nach einem kommunalen Grundstück im Außenbereich gesucht. Der Standort am Sportplatz ist der am weitesten von der Wohnbebauung entfernte", so Detlef Schieberle. Das nächste Wohnhaus sei 400 Meter, die Häuser am Hathenower Weg seien rund 600 Meter entfernt.

Was mögliche Privatflächen um das Dorf betrifft, so brauche er beim Bewirtschafter, der Odega-Gruppe, "gar nicht erst anzufragen", meinte der Bürgermeister mit Blick auf die Auseinandersetzung der Gemeinde mit dem Golzower Landwirtschaftsbetrieb um die Putenmast am Ortsrand.

Angst vor Auswirkungen auf die Gesundheit in Reitwein

Wie groß die Angst vieler Reitweiner vor möglichen negativen gesundheitlichen Auswirkungen des Funkmastes ist, geht aus dem offenen Brief an die Gemeindevertretung hervor, den Marina Blumhagen dem Bürgermeister zusammen mit rund 50 Unterschriften überreichte. Die Unterzeichner fordern, den Zeitdruck aus der Entscheidungsfindung herauszunehmen, den Beschluss zu verschieben und einen neuen Standort zu suchen.

Das sei nicht möglich. Bis Ende kommenden Jahres sollen die Funklöcher im deutsch-polnischen Grenzraum geschlossen sein. Das Genehmigungsverfahren dauere durchschnittlich 15 Monate, erläuterte Detlef Schieberle. Wie er verwahrte sich auch der Bauausschussvorsitzende der Gemeinde, Johannes Darrelmann, gegen Unterstellungen, man habe sich nicht ausreichend mit der Problematik beschäftigt, und gegen Verleumdungen. So trat der Bürgermeister Gerüchten entschieden entgegen, die im Dorf gestreut würden und ihm einen persönlichen Vorteil unterstellen. Er kündigte gegen solchen Rufmord "Konsequenzen" an und erklärte zudem: "An verschwörungstheoretischen Debatten beteilige ich mich nicht."

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