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Kultur
Blicke in die Kunstszene im Oderbruch

Ulf Grieger / 29.06.2020, 14:37 Uhr
Wilhelmsaue (MOZ) Die Zahl allein ist beeindruckend: 83 Künstler, die entweder ihren Schaffensplatz oder ihren Wohnort direkt im Oderbruch haben, oder die dieser Kulturlandschaft besonders verbunden sind, vereint der neue Künstlerband "Kunst im Oderbruch". Im Zentrum stehen tatsächlich die Arbeiten der bildenden Künstler. Das Buch gewährt "Schlüssellochblicke", wie Redakteurin Franziska Steuer es im Vorwort und zur Vorstellung im Wilhelmsauer "Künstler-Hauptquartier", im Kulturladen im Gasthaus "So oder So" erklärte.

Der Vorgänger dieses Künstlerwegweisers stammt aus dem Jahre 2006 und war schlichtweg bereits vergriffen, erzählte Kulturladen-Chefin Almut Undisz. So gab es vor zweieinhalb Jahren den Bedarf aus den Touristinformationen, für die Nachfragen der Oderbruch-Besucher wenigstens eine Liste auszulegen, wo welcher Künstler zu finden sei. Das war gewissermaßen der erste Anstoß für das neue Buch, das es vorerst im Kulturladen Wilhelmsaue, Im Coworking Oderbruch in der Alten Letschiner Schule sowie im Theater am Rand Zollbrücke (nach Vereinbarung) gibt und das später auch an weiteren Orten erhältlich sein wird. Ein Verzeichnis der "Kunstorte" im Oderbruch bietet das Buch übrigens auch.

Nicht jeder will gefunden werden

Mit Hilfe der Sparkassenstiftung und des Coworking Oderbruch konnte schließlich das Projekt angegangen werden. Der Grafiker Jochen Mahlke, er hat das Layout und die Bildbearbeitung verantwortet, hat eine ausklappbare Karte gestaltet, auf der alle 83 Künstler-Werkstätten bzw. Wohnorte zu finden sind. Natürlich gibt es mehr als 83 bildende Künstler im Oderbruch. Aber nicht jeder will auch vom Publikum gefunden werden. Sehr bekannte Namen sind aber im Wegweiser enthalten. Sophie Natuschke und Anka Goll zum Beispiel, Harald K. Schulze, Erika Stürmer-Alex oder Ehrhard Thoms. Christiane Wartenberg und Christine Hielscher. Bernd Finkenwirth und Axel Anklam. Bekannte Namen fehlen aber auch. Und es gibt auch Künstler darunter, deren Arbeiten viele noch nicht kennen und die entdeckt werden wollen.

Fotograf Stefan Schick berichtete von den Arbeiten am Buch, in dem jeder Künstler lediglich mit Fotos von zwei seiner Arbeiten und der ´Kontaktadresse vorgestellt wird. Kein Porträt, keine Angaben zum Werdegang. Das ist auch eine Art, Leute neugierig zu machen. . "Ich fand die Arbeit sehr spannend", so Schick. "Ich durfte wieder viele neue Menschen kennenlernen und dabei Wege gehen, die mitunter auch recht abenteuerlich waren. Auch Torsten Kohn vom Coworking Oderbruch erinnert an die Vorbereitungsphase des Buchprojektes, das er mit koordinieren durfte. Uwe Schumacher, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Märkisch-Oderland und Kuratoriumsmitglied der Stiftung, war zum erste Mal im Wilhelmsauer Kunstladen. Er zeigte sich sehr angetan von dem Ort und dem Buch, mit dem die Künstlerregion Oderbruch eine noch größere Publizität erfährt. Man habe in der Zeit der Corona-Eindämmung deutlich gespürt, dass ohne Kunst und Kultur deutlich etwas an Lebensqualität verloren geht, dass Kunst lebensnotwendig ist. Mit großer Vorfreude sprach Schumacher vom nächsten Künstlerkalender.

Landrat Gernot Schmidt hatte in seinem Vorwort für das Buch dazu eingeladen, in die Provinz einzutauchen, um die Seele von Menschen kennenzulernen. Sylvia Hagen berichtet in ihrem Vorwort davon, wie Werner Stötzer und sie vor rund 40 Jahren ins Oderbruch, nach Altlangsow  gekommen waren. Als Fremde hätten sie sich zunächst gefühlt. Dann aber durch ihre Arbeit erreicht, dass das Misstrauen der Nachbarn wich. "Ich brauchte Zeit, um ein Gefühl für die Architektur der Landschaft zu bekommen", berichtet sie. Und sie bekennt, wie diese Landschaft, wie Orte und Strukturen in ihrer Vergänglichkeit - sie nennt auch Annahof zwischen Golzow und Altlangsow als Beispiel - die Arbeiten in den 40 Jahren beeinflusst haben. "Ein eigenes Zeitgefühlt entsteht, sichtbar in unseren Arbeiten", schreibt sie.

Wegweiser für Kunstloose-Tage

Almut Undisz konnte zur Freunde der  Teilnehmer der Buchvorstellung informieren, dass es am 29. und 30. August wieder Kunstloose-Tage im Oderbruch geben wird. Und dafür sei der Wegweiser rechtzeitig erschienen.

Info: "Kunst im Oderbruch", 180 Seiten, Kulturladen des Fördervereins Wilhelmsaue, Preis: 7,50 Euro

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