Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Schadensabwehr
L 335 in Letschin bekommt einen Biberschutz

Anett Zimmermann / 29.07.2020, 19:42 Uhr
Letschin (MOZ) Am Graben an der L 335 zwischen der Bahnstrecke und Neu Rosenthal sind zurzeit bis zu vier Mitarbeiter der Frankfurter Ingenieur Wasser und Tiefbau GmbH (IWT) zu Gange. "Wir haben etwas mehr als Halbzeit, wollen in drei Wochen fertig sein", sagt Bauleiter Daniel Leppert.

Im Auftrag des Landesbetriebs für Straßenwesen werden auf 1,4 Kilometer Länge Biberschutzgitter vertikal bis anderthalb Meter unterhalb der Grabensohle in den Boden gerammt. Dass im Graben wenig bis gar kein Wasser steht, erleichtere die Arbeiten.

Als Erstes seien der Arbeitsbereich freigemacht und unter anderem Stubben gerodet worden. "Alles, was in der Böschung stört, kam raus", erklärt Leppert. Damit würden auch Hohlräume und Einbrüche verhindert. Die Gitter, oft auch Matten genannt, werden zwischen zwei Stahlplatten fixiert in den Boden gerammt. "Damit entfällt das Buddeln", heißt es etwas lax. Das ist allerdings Teil des sogenannten IWT-Verfahrens, für das das Unternehmen zu Jahresbeginn das Patent erhalten hat.

Der aus der Erde stehende Teil der Wühltierschutzgitter werde, so Leppert, umgeklappt, miteinander verklammert und mit Bodenankern befestigt. Danach werden die Gitter mit Erde bedeckt und Rasen angesät. "Da sollte kein Biber mehr durchkommen."

Steffen Streu, Pressesprecher des Landesbetriebs Straßenwesen Brandenburg, beziffert das Auftragsvolumen der Reparatur zur Schadensabwehr auf 280.000 Euro. Ziel sei, dass sich Biber nicht wieder unter der Straße durchgraben. "Sonst kann es zu Absenkungen kommen", erinnert Steffen Streu und verweist auf insgesamt elf Kilometer Straße in der Region, die sich neben einem Graben befinden. "Da müssen wir beobachten, was passiert, und gegebenenfalls reagieren."

Daniel Leppert ist einmal in der Woche an der L 335 zum Baurapport. Die noch anstehenden Restarbeiten seien aufwändiger, so dass ein höherer Personalaufwand keinen Sinn mache. Insgesamt zähle das Unternehmen 30 Mitarbeiter. Mit Patrick Bretschneider ist an der Landesstraße auch einer der vier Auszubildenden im Einsatz. Er erlernt wie die anderen den Beruf des Wasserbauers, ist im zweiten Lehrjahr.

"Wir brauchen gute Leute", sagt IWT-Geschäftsführer Kai Herrmann bei einem kurzfristigen Termin am Deich in Kienitz. Dort im Hafen ist der Biber ebenfalls aktiv. Die an einer Stelle gefundenen Röhren wurden mit Wasserbausteinen verschlossen, ein Bereich mit Sandsäcken gesichert. Schließlich hatte es zuletzt ein kleines Hochwasser gegeben. Problem sei bisher, die teils sehr langen und mitunter tiefen Röhren zu lokalisieren. Diesmal hat Kai Hermann allerdings Ausdrucke eines Georadars dabei. Statt den Deich wegen der Biberröhren aufzugraben, würde er gern Flüssigboden einbringen. Das wäre hier auch im Sinne des zuständigen Landesamtes für Umwelt. Doch die Geräte, die er zum Teil auch selbst testet, sind offenbar noch nicht genau genug.

An den Stellen, die als vielversprechend in den Unterlagen markiert sind, fördert der Minibagger nämlich alles mögliche zu Tage – Steine zum Beispiel oder auch Reste von Sandsäcken. Nur eben keine Biberröhren. Kai Herrmann, der an der Oder aufgewachsen und in Groß Neuendorf zu Hause ist, prüft die in den Unterlagen angegebene Tiefe, holt Eisenstange und Hammer. Mitunter reicht die Armkraft, die Stange in den Boden zu drücken. Doch auch dort findet Herrmann keine Biberröhre. Aber er will dran bleiben, ist von seiner Idee überzeugt, wird sich ein Gerät eines anderen Herstellers beschaffen.

Dafür darf er sich in diesen Tagen über etwas anderes freuen: Die europäische Patentanmeldung für die Vorrichtung und das Verfahren zum Einbau von vertikalen Wühltierschutzgittern soll im August veröffentlicht werden.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG