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In Kavernen wird das Erdgas gespeichert

Schnitt ins Erdreich: Oben stehen die Anlagen der EWE und grasen die K³he, unten, in mehr als 1000 Metern Tiefe, befinden sich die Kavernen.
Schnitt ins Erdreich: Oben stehen die Anlagen der EWE und grasen die K³he, unten, in mehr als 1000 Metern Tiefe, befinden sich die Kavernen. © Foto:
Margrit Höfer / 08.10.2009, 04:37 Uhr
Rüdersdorf Früher wurde Gas in Gasometern gespeichert. Um immer ausreichend Gas für die Versorgung der Bevölkerung vorrätig zu haben. Heute wird Gas in künstlich geschaffenen Hohlräumen im Erdreich gebunkert. Diese Hohlräume nennt man Kavernen. Eine gibt es bereits in Rüdersdorf, an der zweiten wird gearbeitet.

Es ist gewaltig, was da unterirdisch bereits in Alt-Rüdersdorf entstanden ist und was noch kommt. Vier Kavernen sind geplant, eine ist fertig und gefüllt, an der zweiten wird gearbeitet. Das bedeutet, dass tief ins Erdreich gebohrt wird.

In rund 1000 Metern Tiefe befindet sich unter Alt-Rüdersdorf ein riesengroßer Salzstock mit einem Salzgehalt von 96 Prozent. Dieser und die Qualität der Salz-Zusammensetzung waren hervorragende Voraussetzungen für die geplanten Kavernen. Denn das Salz darf nicht brüchig sein. Bei den Probebohrungen wurde peinlichst darauf geachtet, welche Zusammensetzungen sich da finden, es wurden Druckmessungen vorgenommen und zum Schluss entschieden: Alt-Rüdersdorf ist geeignet. Auch, und das ist und war eine weitere Voraussetzung, weil es genügend Wasser in der Umgebung gibt.

Seit 2007/2008 gibt es die erste Kaverne, die rund 316 000 Kubikmeter Fassungsvermögen hat. Die zweite Kaverne, so Diplom-Ingenieur Jörg Schattling, wird derzeit vorbereitet. Das heißt, die Fachleute sind gerade beim Solen. Dabei wird ganz normales Wasser, das dem Mühlenfließ entnommen wird, in den Salzstock geleitet. Dieses Wasser wiederum löst das Salz, es entsteht eine sogenannte Sole. "Es ist extrem sauber", sagt Jörg Schattling.

Die Sole wiederum wird mit Hilfe einer unterirdischen rund 50 Kilometer langen Pipeline nach Heckelberg geleitet. Dort wird das Salzwasser in 900 bis 1300 Metern Tiefe in die poröse Sandsteinformation eingeleitet. Übrigens: Permanent wird der Pegel des Mühlenfließes überwacht, um sicherzustellen, dass es keine negativen Auswirkungen auf die Flora und Fauna gibt.

Mit Hilfe von echometrischen Verfahren wird die entstehende Kaverne, also der nach und nach ausgespülte Hohlraum, vermessen. Am liebsten ist den Ingenieuren, wenn kugelförmige Kavernen entstehen, doch geologische Formationen machen hier und da einen Strich durch die Rechnung. So sind die EWE-Kavernen in Nüttermoor an der Nordsee eher lang gestreckt wie Zigarren und die vorhandene in Rüdersdorf wirkt eher birnenförmig.

Bereits zur Hälfte fertig ist Kaverne II, die nach Fertigstellung rund 600 000 Kubikmeter geometrisches Volumen haben soll. Für die erste Kaverne wurden rund drei Jahre gebraucht, ehe sie ausgesolt und befüllbar war, die zweite wird, so Schattling, Ende 2011 speicherbereit sein. Allein das Befüllen dauert rund ein halbes Jahr. In diesen sechs Monaten wird das Gas mit rund 180 bar in den Hohlraum gedrückt.

Doch wie ist es um die Sicherheit bestellt? Besteht nicht doch die Gefahr einer Explosion? Da sagen die Experten ganz deutlich: Nein. Und die EWE demonstriert dieses Nein auch, in dem sie die Außenstellen mit ihren Büros und Anlagen direkt über den Kavernen postiert. In 70 Metern Tiefe gibt es zudem ein Absperrventil. Explodieren kann das Ganze auch deshalb nicht, weil in der Kaverne kein Sauerstoff ist und auch keiner hineingelangen kann. Ohne Sauerstoff kann sich nichts entzünden. Doch warum baut man heutzutage Kavernen und nicht wie früher Gasometer? Zum einen ist da der Sicherheitsaspekt, zum anderen aber auch der Anspruch des Unternehmens, seine Kunden zuverlässig mit Gas und das zu günstigen Preisen versorgen zu können. Das heißt, in den Kavernen wird so viel wie möglich Gas gespeichert. Da es wesentlich mehr Gaskunden als zu Großmutters Zeiten gibt - die EWE hat hier mehr als 170 000 -, würden normale Gasometer heute gar nicht mehr ausreichen, um den Bedarf zu decken. Außerdem, so Petra Stanislav, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, macht sich die EWE damit auch unabhängiger von politischen Verwicklungen in Sachen Gaslieferung wie etwa im vergangenen Jahr. Da die EWE Erdgas von mehreren Lieferanten - aus Russland, Weißrussland, Norwegen und aus Deutschland - bezieht und die Erdgasspeicher gefüllt waren, konnten und können vorübergehende Engpässe ausgeglichen werden.

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