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Aufgeben ist keine Alternative

Demonstration vor der Erlengrundhalle: Herdenschutzhunde und Elektro-Weidezaun als Wolfsschutz - Martha und Hanna wollen später Schäfer werden wie Joachim Gaudian aus Gardelegen.
Demonstration vor der Erlengrundhalle: Herdenschutzhunde und Elektro-Weidezaun als Wolfsschutz - Martha und Hanna wollen später Schäfer werden wie Joachim Gaudian aus Gardelegen. © Foto: Dirk Schaal
Dirk Schaal / 21.11.2012, 07:41 Uhr
Altlandsberg (MOZ) Er ist nicht nur das böse Tier aus dem Märchen, der Wolf. Doch die Wiederansiedlung der einst in Deutschland ausgerotteten Art bringt auch Konflikte mit sich. In Altlandsberg trafen sich jetzt Schäfer, die mit besonderen Hunden ihre Herden schützen wollen.

Aus ganz Deutschland waren am Montag Schäfer und Schafhalter in die Erlengrundhalle Altlandsberg eingeladen. Hintergrund der Veranstaltung: Die Wiederansiedlung des Wolfes gerade in Ostdeutschland - im Oktober wurden in Brandenburg sieben Wolfsrudel gezählt - stellt ihre Zunft vor eine bislang so nicht gekannte Herausforderung.

Die Schäfer machen keinen Hehl daraus, dass sie den Isegrim nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Einigkeit herrscht bei den Teilnehmern der Veranstaltung jedoch darüber, dass sie sich zwangsläufig mit dessen Gegenwart arrangieren werden müssen. Dazu gehören weitergehende Schutzmaßnahmen als bisher für ihre Lebensgrundlage, das Schaf. Zusammen mit elektrischen Weidezäunen sollen Schutzhunde für eine größtmögliche Sicherheit der Herden sorgen.

Eine im Oktober 2011 von Schafzüchtern gegründete Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde (AG HSH) will erste gesammelte Erfahrungen mit den tierischen Beschützern weitergeben, eine eigene Zucht betreiben sowie Unterstützung für deren Haltung einfordern, erklärt der Vorsitzende, der Altlandsberger Knut Kucznik. Favorisiert wird der Pyrenäen-Berghund mit einer Schulterhöhe bis zu 80 Zentimetern, der als ausgeglichen, wachsam, mutig, intelligent, selbstständig und abgehärtet gilt.

"Ich bin voll überzeugt von diesen Hunden", äußert sich Gerald Kaltschmidt aus Preschen, 15 Kilometer vor Forst. Seit dem ersten Übergriff im Jahr 2006 haben Wölfe 52 Schafe in seinem Betrieb gerissen. Nachdem seit 2010 Tag und Nacht die Hunde bei den Schafen wachen, hat er nur noch den Verlust eines Mutterschafes zu beklagen.

"Jedoch sind diese Schutzhunde im Unterhalt nicht gerade preiswert", beklagt Jürgen Körner aus Jüterbog. Etwa zehn Euro pro Schaf und Jahr müssen für den zusätzlichen Wachschutz berechnet werden. "Da kommt bei über 1000 Schafen ordentlich was zusammen", rechnet er vor. Daher wollen die Schäfer jetzt Fördermittel für den Unterhalt beantragen. Betrachten sie doch die Hunde im weitesten Sinne auch als Schutz für den Wolf.

Wenn keine finanzielle Unterstützung dafür käme, wäre das für viele der wirtschaftliche Ruin, vermutet Ronald Rocher aus Storkow. Knapp 15 Kilometer von seiner Herde entfernt lebt ein bestätigtes Wolfsrudel. "Die Alternative wäre nur das Aufgeben", bringt er die Aussichten der Schäfer auf den Punkt. Das aber ist kaum erstrebenswert.

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