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Privatschule gewinnt an Akzeptanz

Ingolf BUNGE / 18.02.2010, 07:29 Uhr
Schöneiche () Das Thema weiterführende Schule ist komplexer, als es viele darstellen. Und es ist möglich, sowohl ein neues Rathaus als auch ein neues Schulgebäude in Schöneiche zu bauen. Dies sind die Kernaussagen von Bürgermeister Heinrich Jüttner auf der Einwohnerversammlung am Dienstagabend.

Überraschend entspannt ist die Veranstaltung in der ehemaligen Schlosskirche gelaufen. Das stellte einer der gut 80 Besucher in den Raum - fragend, warum die Debatte sonst so eskaliere. "Lassen wir es doch heute so", bekam er zur Antwort aus dem Publikum, von Lutz Kumlehn. Er leitet den "Förderverein Evangelische weiterführende Schule Schöneiche". Dahinter steht die Schulstiftung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, die offenbar der einzige private Träger ist, der eine Schule ab Klasse 7 in Schöneiche eröffnen will.

Jüttner stellte zunächst die Zahlen aus dem Schulentwicklungsplan der Gemeinde und aus der Umfrage unter Eltern von Kita- und Grundschulkindern vor. Die Kernaussagen: "Wir können von jährlich etwa 100 Kindern ausgehen, die an weiterführende Schulen wechseln." Und: Die Eltern bevorzugen zwar eine staatliche Schule (77 Prozent), aber 50 Prozent würden ihr Kind auch auf eine private schicken. "Das ist eine sehr wichtige Aussage, denn es sind 20 Prozent mehr als vor fünf Jahren", so Jüttner. Deutlich wichtiger als der Schulstandort sei die Qualität der Schule. "Ist die nicht in Ordnung, nützt es auch nichts, wenn sie hier im Ort steht."

Indessen zweifelte Eva Hoffmann vom Jugendbeirat die 50 Prozent-Zahl an. "Ich würde nicht auf eine Evangelische Schule gehen, weil Religion Pflichtfach ist." Hingegen verwies Steffi Bieber-Geske auf 25 Prozent unentschlossene Eltern, weshalb es auch 75 Prozent sein könnten, die einer privaten Schule aufgeschlossen gegenüberstehen. Thomas Trantow meinte, in Ergänzung zu Jüttners Hinweis auf den vor vier Jahren abgesprungenen Privatschulanbieter: "Nach dem Flop haben wir nur noch einen Versuch."

Andreas Schröder verwies auf ein "hohes Risiko", das die Stiftung eingehe: "Die Schule muss sich ja erst etablieren." Aber auch die Gemeinde geht ein Risiko ein, und zwar wenn sie ein Gebäude baut und der Schulträger sich zurückzieht, sollte die Schule nicht laufen. Denn die Gemeindevertretung hat beschlossen, das Rathaus zu bauen sowie über Kredit ein Schulgebäude, wenn der Schulbetreiber eine Miete zahlt, die Zins und Tilgung deckt. "Das Risiko trägt allein die Gemeinde", so Jüttner. Als Übergangslösung für einen Schulstart zum Herbst 2011 könne die ehemalige Lindenschule genutzt werden. Morgen soll es erste Gespräche mit der Stiftung geben. "Die eröffnet nur eine Schule, wenn es die Mehrheit der Gemeindevertretung will. Es ist ein friedliches Angebot, das Brücken bauen und Gräben überwinden soll", sagte Lutz Kumlehn.

Indessen ging es überwiegend entspannt zu - aber nicht ausschließlich. Dem Bürgermeister gefroren die Gesichtszüge, als Philip Zeschmann, Mit-Initiator des Bürgerbegehrens "Erst Schule dann Rathaus", forderte: Über die Reihenfolge der Investitionen von 3,5 Millionen (Rathaus-Neubau) und 4,5 Millionen (Schulbau) sollten die Bürger entscheiden.

Heinrich Jüttner wies das Gerücht zurück, dass er nicht für eine weiterführende Schule sei. "Ich bin dafür, dass der Staat gute Schulen macht, wie wir bei unseren Grundschulen." Die gleichen Qualitätsanforderungen habe er an jeden Privaten, der eine weiterführende Schule machen will. "Das Problem ist: Manche Gemeindevertreter wollen um jeden Preis eine weiterführende Schule." Zeschmann und Andreas Ritter protestierten. Jüttner: "Fühlen Sie sich angesprochen? Ich habe nichts gesagt." Er sei überzeugt, dass beides - Rathaus und Schule - möglich ist, "wenn man es wirklich will".

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