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Die Suche nach dem Eisbrecher

Eine der bisher ältesten Aufnahmen: Aus dem Jahr 1958 stammt dieses Bild des Eisbrechers, der 1907 in Dresden-Übigau gebaut worden sein soll
Eine der bisher ältesten Aufnahmen: Aus dem Jahr 1958 stammt dieses Bild des Eisbrechers, der 1907 in Dresden-Übigau gebaut worden sein soll © Foto: Sammlung Mallon
Margrit Höfer / 27.01.2016, 06:00 Uhr - Aktualisiert 29.01.2016, 17:16
Leonhard am Hornerwald (MOZ) Birgit Mallon und ihr Lebensgefährte Peter Dubowsky haben etwas ganz Besonderes: Einen 1907 gebauten Eisbrecher, den sie Stück für Stück restaurieren. Und recherchieren. Denn sie wollen mehr erfahren über ihr 18 Meter langes Boot und sind dabei auf Rüdersdorf gestoßen.

969 - so lautet die Baunummer für den Binnendampfeisbrecher bei dessen Kiellegung in der Werft Dresden-Übigau. Das war 1907. Vermutlich 1908 wurde das 16,5 Meter lange Schiff, das damals den Namen Bär Cement getragen haben soll, nach Rüdersdorf ausgeliefert. Auftraggeber soll die Portland Zementfabrik gewesen sein. Und dieser Hinweis auf Rüdersdorf hat Birgit Mallon, die mit ihrem Lebensgefährten Peter Dubowsky in Österreich lebt, dazu gebracht, an die Rüdersdorfer Heimatfreunde zu schreiben und um Hilfe zu bitten.

"Wir haben vor zehn Jahren in Plaue dieses Schiff gekauft, das wir seither restaurieren und das nun fast fertig ist. So ein altes Schiff muss für die Nachwelt erhalten bleiben und auch seine Entwicklung bzw. Verwendung muss dokumentiert werden. Ich finde, dass ich das den Generationen, die nach mir kommen, schuldig bin", sagt die 52-jährige Werbegrafikerin.

Vom Bodensee stammend, hat sie vom Vater das Faible für Wasser und Schiffe geerbt, das sie mit ihrem Peter teilt. Und so haben sich die beiden vor Jahren nach einem gemeinsamen Hobby umgeschaut und festgestellt, dass es eben die Sanierung und das spätere Fahren mit einem solch großen Boot ist. "Als wir es damals das erste Mal gesehen haben, hatten wir null Ahnung, haben zum Beispiel auf den Rumpf geklopft, um festzustellen, ob der dick genug ist. Heute wissen wir, dass das alles Quatsch ist", amüsiert sie sich erinnernd.

Jede freie Minute, erzählt Birgit Mallon, haben sie in den vergangenen Jahren in ihr Schiff gesteckt, das nun auf der Donau die ersten Probefahrten absolviert hat. "Wir haben die Sanierung möglichst authentisch, aber mit versteckter Hochleistungstechnik versucht", sagt sie.

Ab Mitte der 1950er-Jahre hat Birgit Mallon sehr detailliert die Geschichte ihres Schiffes recherchieren können. Es taucht in Berlin auf. Kurz bevor der russische Sektor dichtgemacht wurde, wurde es vermutlich zur Flucht genutzt, denn es gibt noch Einschusslöcher in der äußeren Verkleidung des Schiffes. Es gelangt so in den Westsektor. Die Firma Behrendt, ein Tauch- und Bergeunternehmen, ersteigerte vom Berliner Senat den Eisbrecher, der nun Samland heißt. "Der Firmeninhaber ließ das Boot mit ein Zentimeter dicken Stahlplatten verstärken. Das ist der Grund, warum es das Schiff heute überhaupt noch gibt", ist sich Birgit Mallon sicher. Später kaufte ein Berliner Schrotthändler die Samland und wohnte darauf, bevor Birgit Mallon und Peter Dubowsky die neuen Eigentümer wurden und das Schiff aus eigener Kraft gen Österreich schipperte.

"Allerdings brauchten wir dazu einen erfahrenen Kapitän, denn wir hatten weder Ahnung noch eine Berechtigung, so etwas zu steuern", sagt Birgit Mallon, die mittlerweile das Schiffsfahrerpatent erworben hat und auf allen europäischen Wasserstraßen und Binnengewässern mit ihrem Schiff fahren darf.

Jetzt hofft sie auf Hilfe. Auf Zeitzeugen, die ihr mehr erzählen können über die Rüdersdorfer Zeit. Zwischen 1908 und 1945 - da fehlt ihr jede Menge Material. Zur Bauzeit wurde die Bär Cement mit einer Dampfmaschine betrieben. In den 1930-/40er-Jahren wurde ein Zwei-Zylinder Glühkopfdiesel eingebaut, der 80 PS hatte. Seit den 1960er-Jahren treibt ein Lastwagenmotor mit 185 PS das etwa 45 Tonnen schwere Schiff an. Große Hoffnung setzt sie in das Nietbild, also den genieteten Rumpf, das bei jeder Werft ganz besonders war.

Wer sich erinnert, Bilder hat oder anders weiterhelfen kann, kann sich per E-Mail direkt an Birgit Mallon wenden: birgit@standundco.at oder an den Vorsitzenden des Heimatvereins, Jürgen Kreowsky, Juergen.Kreowsky@t-online.de.

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