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Schafe sollten unter Solarmodulen grasen

Mit dem Finger auf dem Lageplan: Ulf Scheer arbeitet f³r die uckermõrkische Firma "Happy Sheep" ("Gl³ckliches Schaf"), die bei Golzow die erste freistehende Solaranlage im Altkreis Eberswalde errichten lassen wollten. Foto: MOZ/Sven Klamann
Mit dem Finger auf dem Lageplan: Ulf Scheer arbeitet f³r die uckermõrkische Firma "Happy Sheep" ("Gl³ckliches Schaf"), die bei Golzow die erste freistehende Solaranlage im Altkreis Eberswalde errichten lassen wollten. Foto: MOZ/Sven Klamann © Foto:
sven klamann / 05.05.2009, 10:00 Uhr
Golzow ()

Nach dem Veto des Ortsbeirates gegen den Aufbau einer knapp 30 Hektar großen Freiland-Solaranlage an der Straße zwischen Britz und Golzow hat der Investor sein Vorhaben zurückgezogen, von dem er sagt, dass es etwa 32 Millionen Euro gekostet hätte. Für einen Bruchteil dieser Summe soll an gleicher Stelle jetzt nur noch eine weniger umstrittene Schafzucht betrieben werden.

Für Ulf Scheer aus Angermünde steht fest, dass sich die Golzower mit ihrer Ablehnung einen Bärendienst erwiesen haben. "Zum einen wird hier auf regional erzeugte saubere Energie verzichtet und zum anderen beobachten andere Geldgeber genau, wie man hier mit Leuten umgeht, die sich in der Region engagieren wollen", sagt der Mitarbeiter der im vorigen Jahr gegründetet Firma "Happy Sheep" (englisch für "Glückliches Schaf").

Das Unternehmen mit Sitz in Radekow in der Uckermark hatte ebenfalls im vorigen Jahr bei Golzow 70 Hektar Ackerland erworben, die durch Zukäufe möglichst bald zu einer einzigen umzäunbaren Fläche abgerundet werden sollen. Es habe auch schon weitere Kaufoptionen gegeben, betont Ulf Scheer, der im Barnim noch als ehemaliger Bürgermeister von Groß Ziethen und Mitarbeiter der Amtsverwaltung von Joachimsthal (Schorfheide) bekannt sein dürfte.

"Auf dem Ackerland bei Golzow werden rauwollige Pommersche Landschafe grasen - eine vom Aussterben bedrohte Nutztierart, deren Wolle und deren Fleisch von bester Qualität sind", betont Ulf Scheer. An diesem Vorhaben halte "Happy Sheep" fest, auch wenn der Ortsbeirat sich klar gegen die frei stehende Solaranlage ausgesprochen habe, deren Einnahmen die Schafzucht so rentabel machen sollten, dass der Betrieb auch ohne jede Agrarsubventionen schwarze Zahlen geschrieben hätte.

Die hohe Investionssumme wäre durch die über 2000 Einzelmodule zustande gekommen, die so auf der Fläche verteilt werden sollten, dass die Schafe zwischen ihnen herumlaufen sowie unter ihnen Gras zupfen und sich vor Regen schützen können. Am tiefsten Punkt sollten die Module 0,80 Meter, am höchsten 2,17 Meter über dem Erdboden stehen.

"Statt der Solaranlage wird es jetzt eben mehr Unterstellmöglichkeiten aus Stein und Holz auf dem Areal geben", kündigt der Mitarbeiter von "Happy Sheep" an. Weil der Bau von Ställen für landwirtschaftliche Zwecke zu den durch den Gesetzgeber bevorzugten Vorhaben gehöre, sei dabei von keiner Seite Widerstand zu erwarten. "Unseren Antrag auf Errichtung der Solaranlage haben wir indes zurückgezogen", führt Ulf Scheer aus und begründet diesen Schritt mit der ablehnenden Haltung im Ortsbeirat. Ihm sei signalisiert worden, dass auch die Gemeindevertreter von Chorin die Investition ablehnen würden, bedauert der Angermünder.

"Wir haben uns unsere Entscheidung alles andere als leicht gemacht", entgegnet Golzows Ortsvorsteherin Ilona Vonhoff. Jedoch hätten an der Beratung des Beirates, in der es um die Solaranlage ging, 47 Einwohner teilgenommen. "Und alle waren dagegen - hauptsächlich, weil sie eine Verschandelung der Landschaft befürchteten", hebt die Kommunalpolitikerin hervor. Diesem eindeutig formulierten Bürgerwillen werde sich der Ortsbeirat nicht widersetzen, auch wenn sie persönlich kein Problem für Golzow gesehen hätte. "Die Module wären ja weit außerhalb der Ortslage aufgestellt worden", sagt Ilona Vonhoff.

Hingegen gehört Thomas Polster zu denen, die keine solche Solaranlage in Golzow wollen. "Wir arbeiten daran, unser Dorf touristisch aufzuwerten - unter anderem dadurch, dass wir den Mönchsweg aufleben lassen, der einst vom Kloster Chorin zu unserer schönen Kirche führte", betont der Choriner Gemeindevertreter. Das Projekt von "Happy Sheep" hätte da nicht hineingepasst.

Gegen die Schafzucht sei indes nichts einzuwenden, sagt Thomas Polster: "Ein Schaf ist auch im Golzower Wappen zu finden."

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