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Zuspruch für Initiative des Fredersdorfers Hans-Peter Küllmer / Bis Vorstadt technisch denkbar

S-Bahn-Verkehr
Jetzt geht es um den Zehn-Minuten-Takt

Des Pendlers liebstes Verkehrsmittel: Tausende Bewohner des Speckgürtels bis Strausberg fahren täglich mit der S-Bahn zur Arbeit, zur Ausbildung oder zum Studium in die Hauptstadt. Der Bahnhof Strausberg wurde gerade umgebaut.
Des Pendlers liebstes Verkehrsmittel: Tausende Bewohner des Speckgürtels bis Strausberg fahren täglich mit der S-Bahn zur Arbeit, zur Ausbildung oder zum Studium in die Hauptstadt. Der Bahnhof Strausberg wurde gerade umgebaut. © Foto: MOZ/Gerd Markert
Jens Sell / 01.12.2017, 07:30 Uhr
Strausberg (MOZ) Erst seit zwei Jahren fährt die S-Bahn-Linie 5 alle 20 Minuten bis Strausberg-Nord. Und schon fordern Pendler den Zehn-Minuten-Takt. Strausberger winken ab: Der Verkehr in der Stadt käme zum Erliegen. Doch bis zum Bahnhof Strausberg in der Vorstadt wäre der Takt denkbar.

Genau zwei Jahre ist es her, dass die S-Bahn ihren 20-Minuten-Takt bis zum Bahnhof Strausberg-Nord ausdehnte. Wenn Bürgermeisterin Elke Stadeler dies als Erfolg ihrer Amtszeit verbucht, werden ihre Vorgänger Hans Peter Thierfeld und Jürgen Schmitz die Brauen heben: Die Durchsetzung des 20-Minuten-Takts dürfte an die 20 Jahre gedauert haben. Umso forscher erscheint das Ansinnen des Behindertenvertreters der Gemeinde Fredersdorf-Vogelsdorf, Hans-Peter Küllmer, nun eine Taktverkürzung auf zehn Minuten zu fordern. Er initiierte eine Online-Petition, um sein Anliegen im Nahverkehrsplan des Landes Brandenburg unterzubringen. Bis zum Donnerstag hatten sich 1698 Unterstützer online eingeschrieben, das entspricht 15 Prozent des erforderlichen Quorums von 8800. 1343 Unterstützer sind Brandenburger. Die Umfrage unter Open Petition Deutschland heißt "S 5 im 10 Minutentakt von/bis Strausberg Nord (über Neuenhagen, Fredersdorf, Petershagen)".

"Durch meine Funktion bekomme ich viel von der Landespolitik mit, und als direkt Betroffener interessiere ich mich natürlich für den öffentlichen Nahverkehr", sagt Hans-Peter Küllmer. Er wohnt in Fredersdorf-Süd und fährt mit dem Klapprad zum S-Bahnhof Neuenhagen, wo er mit dem Rad einsteigt und nach Berlin pendelt. "Schneller als mit dem Fahrrad kann man in Berlin nicht vorwärtskommen", sagt er, aber er wünsche sich eben eine dichtere Zugfolge der S 5, denn mit Einführung des 20-Minuten-Takts seien die früheren Entlastungszüge alle zehn Minuten bis nach Hoppegarten weitgehend weggefallen. Hans-Peter Küllmer verweist darauf, dass die Diskussion um den Zehn-Minuten-Takt in den S-Bahn-Gemeinden nicht neu ist: "Schon als Uwe Klett noch Bürgermeister in Fredersdorf-Vogelsdorf war, war das Thema." Auch in der Landespolitik denke man darüber nach. Küllmer merkt an, dass die Stadt-Umland-Untersuchung Neuenhagen als Kreuzungsbahnhof vorsieht, um den Takt zu verkürzen. Auch Petershagen-Eggersdorfs Bürgermeister Olaf Borchardt klagt, dass ein Zehn-Minuten-Takt der S 5 bis Strausberg-Nord weder für 2025 noch für 2030 vorgesehen sei: "Bei einer Verringerung des Taktes, kombiniert mit einem abgestimmten Busfahrplan, würden sicher einige Autofahrer, die sich täglich durch überfüllte Straßen bewegen, auf die Bahn umsteigen."

Wer aber die Strausberger Verkehrsverhältnisse kennt, sieht die nachvollziehbaren Wünsche der S-Bahn-Anlieger kritisch: Die Bahnübergänge Ernst-Thälmann-Straße, Hohensteiner Chaussee und Wirtschaftsweg wären länger geschlossen als offen. Der Autoverkehr käme zum Erliegen. Ohne eine Unter- oder Überführung der Hohensteiner Chaussee sei der Zehn-Minuten-Takt gar nicht realisierbar, heißt es in Kommentaren zu Küllmers Vorstoß. Der Initiator sieht deshalb den aktuellen Ausbau der Kreuzung Hohensteiner Chaussee, Müncheberger und Philipp-Müller-Straße als "zu kurzsichtig". Doch relativiert er auch: "Es geht nicht um eine kurzfristige Einführung, sondern darum, den Fuß in die Tür zu stellen für den nächsten Landesverkehrsplan."

Eine Einführung des Zehn-Minuten-Taktes bis Strausberg-Nord erforderte noch spürbar mehr Parkplätze an den Bahnhöfen. Sie würde aber auch mit Sicherheit die Strausberger Eisenbahn, also die Straßenbahnlinie von Vorstadt bis Lustgarten, in existenzielle Bedrängnis bringen. Deshalb stellt sich doch die Frage, ob nicht mit einem Zehn-Minuten-Takt bis Vorstadt allen Interessen am besten gedient wäre? Auf dem Bahnhof Strausberg wurde und wird noch gebaut. Liegen aber auch genügend Gleise, um die wartenden Züge eines dichteren Taktes dort aufnehmen zu können? Gisbert Gahler, Sprecher der Deutschen Bahn speziell für die Gleisinfrastruktur, hält sich bedeckt: "Zuerst muss so eine Takt-Verdichtung ja vom Verkehrsträger bestellt werden, dazu muss sie erst mal im Nahverkehrsplan eingeordnet werden", stellt er das Procedere dar. Was ist aber mit den Gleisen? Schließlich hat bis vor zwei Jahren auch immer ein Zug auf dem Abstellgleis entlang der Bahnhofstraße auf seinen Einsatz gewartet. Gahler sagt auf MOZ-Anfrage: "Sie können davon ausgehen, dass die Planer für den Umbau und die Entflechtung von S-Bahn- und Regionalbahn-Trasse alle Eventualitäten eingeplant und vorgesehen haben. Dort muss vorläufig nichts mehr umgebaut werden."

Würde Hans-Peter Küllmer seine Petition auf einen Zehn-Minuten-Takt bis Strausberg beschränken, könnte er mit einer breiten Zustimmung aus der Stadt rechnen. Doch dann müsste er ganz von vorn anfangen.

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Jürgen Schmitz 01.12.2017 - 10:09:00

10 Minuten-Takt ?

Seit 1996 hat die Verwaltung am Thema des 20 Minuten Taktes gearbeitet. Gearbeitet mit den verschiedensten zuständigen Ebenen der Landespolitik, insbesondere damals mit dem Bauminister Hartmut Meyer. Immer wieder hieß es, "dass aus finanziellen Gründen (Landeshaushalt) der Takt bei der Bahn nicht bestellt werden könnte". Eine sich fast jährlich wiederholende Auskunft auch bei Ministern nach H. Meyer! Das Unternehmen DB sagte "bestellt den Takt, dann planen wir ca. gut 2 Jahre und stellen dann die Investition, wenn Land bezahlt, in unserer Planung ein - ohne Zeitpunktbenennung". Es war aber auch damals bereits klar, dass die Straßenbahn bei Einführung des 20 Minuten-Taktes wirtschaftliche Nachteile hinsichtlich des möglichen Verlustes von Fahrgästen droht. Den 20 Minuten-Takt politisch gewollt einzuführen hieß schon damals Einnahmeverlust aus der Verteilung im VBB. Nachdem nun diese Vorausschau heute real ist - 20 Minuten-Takt mit einhergehenden Einnahmeverlust heißt das, dass wir bewußt politisch beschlossen haben, UNSER Unternehmen Straßenbahn wirtschaftlich zu schwächen. Seit fast zur gleichen Zeit im Jahr 2016 diskutierten und beschlossen wir dann im Jahr 2017 die Bildung "Stadtkonzern" - für mich die Suche nach einer Variante die Nachschusspflicht des Gesellschafters Stadt für die Straßenbahn, wenn auch noch nicht aktuell, zu vermeiden bzw. zu verzögern. Bei einer Taktveränderung auf 10 Minuten bis Strausberg Nord (wie soll es gehen ohne weitere erhebliche Investitionen der DB), wird die Straßenbahn wohl wirtschaftlich ohne erhebliche Subventionen aus dem städtischen Haushalt nicht überstehen. Wenn das ein Erfolg sein soll...Erfolge sehen für mich anders aus.

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