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Wesendahler Tischlermeister ertüftelt neuartige Einbruchsicherung, damit kein ungebetener Dieb mit der Tür ins Haus fallen kann

Einbruchsschutz
Sogar die Marke ist schon eingetragen

Gabriele Rataj / 24.01.2018, 07:01 Uhr
Wesendahl (MOZ) Schnell ist die Wohnungstür zugezogen, um mal eben Post oder etwas aus dem Keller zu holen. Ebenso schnell und lautlos aber können Einbrecher diese öffnen. Die Zahl der Diebstähle hat gerade auch in Plattenbaugebieten zugenommen. Einen Beitrag, das zu verhindern, wollte ein Wesendahler leisten.

Eigentlich hat René Hochschild beruflich genug zu tun. Der Tischlermeister und Restaurator aus Wesendahl hat nach dem Schritt in die Selbstständigkeit 2011 eine Nische gefunden, die seiner Tischlerei die Existenz sichert. Es sind unter anderem kleinere Aufträge und Reparaturen, die es manch größerem Betrieb schwer machen, schnell mal jemanden dafür abzustellen.

Doch gerade dabei ist der leidenschaftliche "Holzwurm" über etwas gestolpert, das ihn über viele Abende beschäftigte und quasi zum Erfinder werden ließ: eine besondere Einbruchsicherung. "Naturgemäß habe ich viel mit Fenstern und Türen zu tun, darunter Wohnungseingangstüren mit Einbruchsschäden", berichtet er. "Oft war die Dichtung in Mitleidenschaft gezogen, manchmal sogar die Zarge herausgerissen."

Das Reparieren und optische Kaschieren des Schadens sei dabei nur eine Seite. Die andere hingegen, dass Wartezeiten beim Bestellen einer neuen Zarge überbrückt werden mussten und Einbruchsprobleme sowie ihre psychischen Auswirkungen auf betroffene Bewohner so ohnehin nicht aus der Welt geschafft wurden.

René Hochschild ließ das Thema nicht los. Es musste doch etwas geben, das es Einbrechern schwer macht, weitgehend ungehört in die an sich unverschlossene und nur durch den Türknauf nicht für jedermann zugängliche Wohnung einzudringen: eine ausgeklügelte Türfallensicherung, die dem Einbrecher das Handwerk legt, weil er die fest eingebauten Teile aus hochwertigem Material eben nicht "mit links wie nebenbei" knacken kann.

"Ich stellte mir vor, dass gerade ältere und teils etwas schwerhörige Menschen vielleicht vor dem Fernseher sitzen und gar nicht mitbekommen, dass jemand mit dem Karten-Trick im EC-Format in Flur oder Schlafzimmer gelangen kann, um den Autoschlüssel, die Geldkassette oder etwas anderes mitgehen zu lassen", erzählt er von seiner Motivation.

Es sollte daher etwas sein, was nicht nur schnelles, lautloses Eindringen generell erschwert, gar unmöglich macht. Sollte der Dieb deshalb Gewalt anwenden wollen, sollte das Krach machen, damit Bewohner aufmerken würden. Aber auch die Tür sollte danach keine Schäden aufweisen.

So wurde Abend für Abend getüftelt. "Zwei Monate lang habe ich mich nur allein mit Zeichnungen beschäftigt, bevor ich einen Monat lang gefeilt, ein Muster gebaut und ein solches zunächst zur Probe in einer Strausberger Einrichtung montiert habe ", sagt René Hochschild. Allerdings sei das von den Abmaßen her deutlich größer ausgefallen als die inzwischen vorliegende Variante.

Doch da war ja noch der ehemalige Wesendahler Mitbürger, Prof. Dr. Hans-Michael Beier mit seiner Firma für Entgrattechnik, zu dem der Kontakt auch nach dessen Wegzug nicht erloschen war. Der habe ihm nicht nur hilfreiche Tipps gegeben, sondern selbst Feuer gefangen und sei schließlich mit eingestiegen, erzählt der 37-jährige Wesendahler. Ohne das Wissen und Netzwerk des 75-Jährigen hätte das Resultat nach gut einem Jahr Entwicklungszeit kaum so ausgesehen, weiß er.

"Es ist einfach toll, wenn man sich abstimmen kann, wenn jeder das beisteuert, was er am besten kann", sagt Hochschild.Beier besitzt die Kenntnisse im Bereich Metall, kennt Leute, die mit zur Herstellung des Prototyps beitrugen, stellte Verbindungen her. So wurde probiert und optimiert, der nichtrostende Stahl für die Einbruchsicherung veredelt, zuerst mit Sandstrahl behandelt, später besser auf resistentere und optisch ansprechendere Pulverbeschichtung umgestiegen, mit einem Schlüsseldienst solange experimentiert, bis jener bescheinigte, dass er nun auch nicht mehr weiterkäme ...

Inzwischen ist die Türfallensicherung als Gebrauchsmuster angemeldet und für zehn Jahre geschützt, genauso wie der Markenname HoBeiTec (Hochschild-Beier-Technologie), und wartet auf Anwendung. Und alles hat in einer kleinen Werkstatt in Wesendahl angefangen.

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