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Heimatvereinsmitglieder fühlen sich vor den Kopf gestoßen / Teile des Gutshofes sollen verkauft werden

Sanierung
Historische Mitte kann man nicht teilen

Irina Voigt / 26.01.2018, 06:58 Uhr
Fredersdorf-Vogelsdorf (MOZ) Die Gemeindevertreter haben mit ihrem Beschluss, geplantes Geld für die Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden auf dem alten Gutshof nicht freizugeben, dem Heimatverein einen Schlag versetzt. Und das ist noch nicht alles.

Hannelore Korth, Vorsitzende des Heimatvereins, kann es nicht fassen. Wie ein Lauffeuer geht es durch den Ort: Teile des alten Gutshofs sollen verkauft werden! Das Areal, auf dem der Verein für 99 Jahre einen Erbbaurechtsvertrag hat, auf dem sich mehrmals im Jahr Hunderte Fredersdorf-Vogelsdorfer in geselliger Runde treffen und auf dem niveauvolle Veranstaltungen stattfinden - von Theater bis Maifeier. "Ein Paukenschlag, der nicht unbedingt Anerkennung ehrenamtlicher Arbeit ist und für uns und unsere Helfer sehr befremdlich wirkt."

Bürgermeister Thomas Krieger hatte in einem Gespräch mit Journalisten gesagt, dass es einen Investor geben würde, der die linke Hälfte der Gutshofbebauung für eine "gehobene Gastronomie" erwerben wolle. Das sei eine "bedenkenswerte Gelegenheit" für die Gemeinde, mit dem Areal umzugehen, fand Krieger. Zumal es für die Finanzierung des weiteren Ausbaus der Gutshofgebäude durch den Heimatverein von den Gemeindevertretern Anfang Januar im Zusammenhang mit dem Nachtragshaushalt keine Mehrheit gegeben hatte. Nachdem nun auch der Finanzausschuss tagte, sah Krieger auch von dort keine anderen Anträge kommen, so dass er davon ausgehe, dass in der Gemeindevertretersitzung zum Haushaltsbeschluss am 1. Februar die Beschlüsse ohne die 273 000 Euro für den Ausbau des Gärhauses und ohne die weiteren Zuschüsse für den Heimatverein in den Folgejahren (500 000 Euro für die Kuhstallsanierung für 2019) gefasst würden.

Dabei ging es ihm nicht nur ums Geld. Den CDU-Gemeindevertretern mit der ablehnenden Haltung und der Verwaltung fehle ein Konzept, hieß es. Das werde man, so der Bürgermeister, bis zum Sommer in der Verwaltung erarbeiten und vorlegen.

Hannelore Korth ist empört. Auch über diese Aussage. Sie hat einen ganzen Stapel Papier zurechtgelegt und schon vor Wochen an die Gemeindevertreter verteilt. Eine dreiseitige Übersicht mit zehn Anlagen zeigt die Entwicklung und die Fortschreibung von vorgelegten Konzepten auf. "Wir haben 2008 mit der Planung begonnen, und 2010 den Erbbaurechtsvertrag unterzeichnet", sagt sie. 2013 habe das Büro Brüch/Kunath "für sehr viel Geld im Auftrag der Gemeinde" ein Nutzungskonzept erarbeitet. Investitionen von 3,3 Millionen Euro lagen dem zugrunde. 2015 war ein modifiziertes Projekt "Gutshof" die Grundlage für die Beteiligung am Stadt-Umland-Wettbewerb - von den Gemeindevertretern abgesegnet. Für die nun verweigerte Summe fürs Gärhaus liegt den Gemeindevertretern eine akribische Auflistung der Arbeiten bis hin zu Toiletten und behindertengerechtem Ausbau vor.

Ein Verkauf eines Teil des Gutshofes, wie ihn sich der Bürgermeister vorstellt, käme für den Verein "überhaupt nicht in Frage. Und auch die Aufkündigung des Erbbaurechtsvertrages ebenfalls nicht", sagt Hannelore Korth. Es gebe keine Möglichkeit, in diesem Vertrag für die Gemeinde, ihn einseitig aufzukünden. Und Möglichkeiten einer Entschädigung für den Verein für die in den Jahren geleistete Arbeit, gäbe es nicht. "Man kann doch nicht die historische Mitte eines Ortes teilen in Kommerz und Ehrenamt", sagt sie. Und dass der Verein sich mit seinen Anliegen und Vorhaben allein auf den Kälberstall und den Taubenturm zurückzieht, sei keine Variante. "Über diese Brücke geh ich nicht", sagt sie kategorisch. Auch rein praktische Gründe führt sie an, wie den Wasseranschluss, Abwasseranlagen, öffentliche Toiletten ...

Sie hat inzwischen den Kaufinteressenten, den früheren Buckower Hotelier Jens Wandel, auf dem Gutshof getroffen. "Der war zwar angetan von der Gutshofatmosphäre", sagt sie. Aber für den Heimatverein, die Pläne und die Vorhaben des Vereins, sei ein Verkauf eben "gar keine Option".

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