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Großes Interesse am Wahlforum mit den fünf Kandidaten, die sich am 25. Februar zur Bürgermeisterwahl stellen

Wahlforum
Der Poller soll "umgehend" weg

Bekennt sich: Patrick Hübner (26/stehend) würde sich auch auf die Kompetenz von Beigeordneten stützen - als Einziger der Bürgermeisterkandidaten.
Bekennt sich: Patrick Hübner (26/stehend) würde sich auch auf die Kompetenz von Beigeordneten stützen - als Einziger der Bürgermeisterkandidaten. © Foto: MOZ/Gerd Markert
Detlef Klementz / 16.02.2018, 07:42 Uhr - Aktualisiert 17.02.2018, 10:00
Strausberg (MOZ) An die 250 Besucher waren am Mittwochabend zum Wahlforum des DGB Märkisch-Oderland mit den fünf Bürgermeisterkandidaten gekommen. Die angesprochenen Themen reichten von der Großen Straße über Kultur bis hin zum öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). 

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Die Stühle in der Aula der Anne-Frank-Oberschule reichten bei Weitem nicht aus. Viele Besucher mussten mit Stehplätzen vorlieb nehmen. Nachdem jeder der fünf Bewerber seinen eigenen Werdegang kurz skizziert hatte, kam MOZ-Redakteur Jens Sell - der Moderator des Abends - sogleich auf die heiß debattierte Poller-Frage zu sprechen. Konkret wollte er wissen: "Wer will den Poller umgehend beseitigen?" Fünf Hände gingen nach oben. Es war das einzige Mal, dass sich Birgit Bärmann, Stephan Blumenthal (CDU), Thomas Frenzel (FDP), Patrick Hübner und Amtsinhaberin Elke Stadeler einig waren. Als die Frage auch an die Besucher ging, hob eine deutliche Mehrheit die Hand. Eine kleine Minderheit war dafür, den Poller dort zu belassen. Während Blumenthal und Bärmann die Altstadt erkennbarer machen würden und zusätzliche Parkflächen forderten, sprach sich Hübner für eine Einbahnstraßenlösung wie in Beeskow aus. Frenzel will den zweiten Poller wegnehmen und ansonsten die Straße "so belassen wie sie ist", allerdings mit Schwellen versehen.

Die Bürgermeisterin erinnerte daran, dass es für den jetzigen Zustand einen gültigen Beschluss gibt. Für jede Änderung brauche es einen erneuten Beschluss. Im Übrigen könnte sie sich auch vorstellen, am Südende einen überfahrbaren Poller einzubauen, der nur im Bedarfsfall, wie zum Beispiel bei Festen, hochgefahren wird. So wie das auch Leserbriefschreiber in der MOZ angeregt hätten.

Zum Thema Mobilität in der Stadt verwies der CDU-Kandidat auf weite Wege und leere Busse, die zudem noch in Konkurrenz zur Straßenbahn unterwegs seien. Und dann sei da noch die S-Bahn. Ein Bus rechne sich nur mit mehr Fahrgästen. Die kämen durch mehr Einwohner, und um die anzuziehen, sei eine Innenraumverdichtung nötig. Bärmann und Hübner fanden, Busse und Bahnen würden sich eher ergänzen und sich ganz allgemein nicht rechnen. Frenzel brachte den Rufbus ins Spiel, den es laut Stadeler schon mal gab, und für den auch "ein Bedarf da sein muss".

Beim Großprojekt Kindernachsorgeklinik jenseits des Sees verteidigte Frenzel seine Position, die Erschließung über Turmgestell und nicht - wie jetzt geplant - über den Amselweg vorzunehmen. Die Bürger seien zwar frühzeitig beteiligt, ihre Meinung aber nicht berücksichtigt worden, kritisierte er. Die Bürgermeisterin hielt dagegen, der Amselweg sei öffentlich als Straße gewidmet, das Turmgestell nur ein Wanderweg. Starken Beifall erhielt sie für ihren Zusatz: Für so ein Projekt müsse man auch Zugeständnisse machen.

Die Frage, ob sie - wie zu hören sei - mit Beigeordneten arbeiten wolle, verneinte Bärmann. Ein klares Nein kam auch von Stadeler und Frenzel, während Hübner dies für den Fall nicht ausschließen wollte, dass er sich durch einen Beigeordneten "Know-how einkaufen" könne.

Kultur war allen fünf Kandidaten wichtig, auch wenn die Schwerpunkte unterschiedlich gesetzt wurden. Blumenthal fehlt da die Identität. Er sucht einen Platz für Konzerte und eine Art "Kulturmehrzweckraum". Frenzel wünscht sich mehr Konzerte in der Marienkirche und das Kino am Markt zurück, gern auch für andere Veranstaltungen. Hübner glaubt, dass mit weniger Auflagen und besseren Rahmenbedingungen mehr möglich ist. Er will zudem den Flugplatz für Großveranstaltungen nutzen. Einem reinen Kino gibt er keine Zukunft, eher vielleicht in Verbindung mit einer Kneipe. Bärmann will Leute mit tollen Ideen und viel Engagement zusammenbringen und sieht das Kino als sozialkulturelles Zentrum. Anders als die Bürgermeisterin, nach deren Überzeugung ein Kino "für kleines Geld nicht zu machen ist". Strausberg könne sehr wohl mehr Kultur gebrauchen, "aber ohne Aktionismus".

Zum Schluss des zweistündigen Forums ging es noch um Gebührenfreiheit in den Kitas. Bärmann und Frenzel fanden die Idee gut, die Entscheidung sei aber Landessache. Stadeler sah das ähnlich. Real sei das nicht machbar. Sie sprach von jährlich rund 1,7 Millionen Euro. Das Land solle lieber einen "vernünftigen Personalschlüssel" schaffen. Hübner setzt mehr auf Hilfe durch neue Unternehmen und deren finanzieller Kraft, während Blumenthal zuerst einmal die Kita-Satzung auf den Prüfstand stellen will.

Die Kandidaten


■ Birgit Bärmann (parteilos), Jahrgang 1962, lebt seit 1963 in Strausberg, studierte an der TU Cottbus Tiefbau (Dipl.Ing.) und arbeitet seit 1988 in der Stadtverwaltung im Baubereich, derzeit als Fachbereichsleiterin.
■ Stephan Blumenthal (CDU) Jahrgang 1980, DiplomFinanzwirt (FH), lebt seit 1980 in Strausberg und arbeitet als Landesbeamter im Finanzamt Eberswalde.
■ Thomas Frenzel (FDP), Jahrgang 1963, lebt seit 1993 in Strausberg und betreibt ein Brillenstudio. Seit 1994 ist er Stadtverordneter, seit zehn Jahren Vorsitzender des Gewerbevereins Altstadt.
■ Patrick Hübner (parteilos), Jahrgang 1991, lebt seit acht Jahren in Strausberg und arbeitet als Vertriebsmanager einer Bank in Beeskow.
■ Elke Stadeler (parteilos), Jahrgang 1961, lebt seit 1984 in Strausberg. Seit 1991 arbeitet sie, zunächst als Kämmerin, im Rathaus. Seit 2010 ist die Diplom-Betriebswirtin (FH) Bürgermeisterin.

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