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Mediatorin Dagmar Ortlieb hilft im Stephanus-Treff Streithähnen, aufeinander zuzugehen

Mediation
Konfliktvermittlung im Ehrenamt

Scheut keinen Streit: Mediatorin Dagmar Ortlieb hilft Konfliktparteien ehrenamtlich.
Scheut keinen Streit: Mediatorin Dagmar Ortlieb hilft Konfliktparteien ehrenamtlich. © Foto: MOZ/Jens Sell
Jens Sell / 17.02.2018, 08:00 Uhr
Strausberg (MOZ) Wenn Streithähne einander partout nicht zuhören oder gar verstehen wollen, können sie sich an einen Mediator wenden. Dagmar Ortlieb aus Petershagen hilft ihnen im Stephanus-Treff in der Wriezener Straße, aus verhärteten Fronten auszubrechen.

In Berlin ergänzt die Gemeinwesen-Mediation seit Jahren wirkungsvoll das System der Schiedsfrauen und -männer. In Märkisch-Oderland ist diese ehrenamtliche Vermittlung in festgefahrenen Konflikten eher unbekannt. Das will Dagmar Ortlieb aus Petershagen ändern. Sie ist vor zwei Jahren aus Berlin in die S-Bahn-Gemeinde gezogen. Als Unterstufenlehrerin in Hohenschönhausen hat sie nach entsprechender Ausbildung zur Mediatorin so manchen Schülern als Vermittler bei der Konfliktlösung geholfen. Als Dagmar Ortlieb in einem MOZ-Beitrag las, dass der Stephanus-Treff in der Wriezener Straße 32 Ehrenamtler sucht, die für den Strausberger Norden Projekte realisieren wollen, wandte sie sich dorthin.

"Das hast du mir doch schon tausendmal erzählt!" "Das war doch immer schon so!" "Ich kann das ewige Anklagen nicht mehr hören!" So und ähnlich klingt es, wenn die Fronten verhärtet sind, kein echter Dialog zwischen Streitparteien mehr stattfindet. Und sagt dann einer: "Du hörst mir doch gar nicht mehr zu!", hat er meist Recht, sollte sich aber auch an die eigene Nase fassen. Mitunter ist der Streit zwischen Partnern oder Nachbarn aber auch so festgefahren, dass das große Schweigen ausgebrochen ist. "Wenn Menschen in solchen typischen Konfliktsituationen feststecken, können sie sich mitunter kaum ansehen, und sobald einer spricht, fällt ihm der andere ins Wort. Dann brauchen sie einen unvoreingenommenen allparteilichen Vermittler", sagt Dagmar Ortlieb. Allparteilich, das heißt für sie: "Ich stehe auf beiden Seiten." Ihre Aufgabe sei es, beide Perspektiven einzunehmen und am besten beiden Partnern zu ermöglichen, die Perspektive der Gegenseite ebenfalls wahrzunehmen.

Es beginnt mit einem Vorgespräch, in dem zunächst zu prüfen ist, ob der Konflikt überhaupt beim Mediator richtig angesiedelt ist und die Konfliktpartner für eine Mediation bereit sind. Dann wird in einem ersten Schritt die Gefühlslage der Kampfhähne analysiert und das Streitthema genau benannt. "Ich helfe ihnen zunächst, sich über ihre Gefühle in dieser Auseinandersetzung klar zu werden und sie zu artikulieren." Ein weiterer Schritt ist das Formulieren der Situation, der Bedürfnisse, Wünsche und Erwartungen.

Bei manchen Konflikten, z. B. Trennungs- und Scheidungskonflikten, ist ein zweiter Mediator, praktischerweise ein männlicher, hilfreich. Bisher hat Dagmar Ortlieb allerdings keinen derartigen Ehrenamtler in der Region gefunden. In Berlin war das kein Problem. Andere typische Fälle sind die Nachbarschaftsstreite, oft wegen Lärmbelästigungen u. Ä.

Bei ihren meist eine bis eineinhalb Stunden dauernden Sitzungen mit den Konfliktparteien wird der Konflikt manchmal auch mit Gegenständen, Steinchen oder Murmeln veranschaulicht. Sie arbeite auch mit Bodenankern. Dabei würden Themen oder Fragen auf Papierbögen geschrieben und auf dem Boden ausgelegt, die Teilnehmer beträten sie dann und machten Schritte. "Darum geht es in der Mediation: Bewegung in den Streit bringen, Schritte hin zur Lösung unternehmen", erläutert Dagmar Ortlieb. Auf keinen Fall sei das mit den sogenannten Familienaufstellungen zu vergleichen.

Wenn in solch einen Konflikt Bewegung gebracht sei, habe sie meist ihre Aufgabe schon fast erfüllt, erzählt die Mediatorin. Nach zwei bis drei Sitzungen höre sie oft, es gehe jetzt voran, sie werde nicht mehr gebraucht. "Als Mediator bin ich verpflichtet, keine Lösung anzubieten oder Entscheidung für die Konfliktparteien zu treffen. Das unterscheidet unsere Arbeit von der der Schiedsleute. Wir sind ihnen gewissermaßen vorgeschaltet. Gemeinsam ist uns das Bestreben, gerichtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden", stellt Dagmar Ortlieb klar.

www.mediation-mol.de

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