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Im Sommer beginnen 13 Abiturienten aus Nghi Xuan nach Deutsch-Kurs ihre Ausbildung beim Sowi in Strausberg

Ausbildung
13 Vietnamesen lernen Altenpflege

Im AWO-Seniorenzentrum: Leiterin Viola Thürmann (r.) erläutert den vietnamesischen Gästen die stationäre Altenpflege.
Im AWO-Seniorenzentrum: Leiterin Viola Thürmann (r.) erläutert den vietnamesischen Gästen die stationäre Altenpflege. © Foto: privat
Jens Sell / 23.04.2018, 21:18 Uhr
Strausberg (MOZ) Ab Sommer sollen 13 vietnamesische Abiturienten am Strausberger Sowi und verschiedenen Heimen den Beruf des Altenpflegers erlernen. Das besprachen eine Delegation aus dem District Nghi Xuan mit dem Leiter der Sozialwirtschaftlichen Fortbildungsgesellschaft  Strausberg, Gregor Weiß und Landrat Gernot Schmidt.

Die 8000 zusätzlichen Pflegekräfte, die laut Koalitionsvertrag den Pflegenotstand in Deutschland entspannen sollen, sind weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein. „Allein in Brandenburg fehlen bis 2040 ohne altersmäßig bedingte Abgänge 23 000 Pflegekräfte“, weiß Gregor Weiß, der Leiter der  Sozialwirtschaftlichen Fortbildungsgesellschaft  Strausberg (Sowi).

Auf der anderen Seite hat der District Nghi Xuan für seine begrenzte Fläche – etwa ein Zehntel des Landkreises Märkisch-Oderland – zu viele Abiturienten, die eine Ausbildung und einen Arbeitsplatz suchen. Und noch gibt es dort kaum Know-how über die Altenpflege, dafür aber umso mehr in der Naturmedizin. „Wir haben uns gefragt, wie man die Probleme zum gegenseitigen Nutzen lösen kann“, berichtet Gregor Weiß. Er hat seit vier Jahren mit dem Geschäftsführer des Strausberger Bildungs-  und Sozialwerkes, Tim Hoffmann, und dem Mitarbeiter eines Berliner Beratungsbüros, Vu-Duong, Möglichkeiten einer Zusammenarbeit ausgelotet.

Im vergangenen Jahr startete die duale Ausbildung von drei vietnamesischen Abiturienten zum Altenpfleger. Die Praxis erhalten sie im Pflegeheim  Altlandsberg und im Alloheim Grünheide. Gehen die Pläne der hiesigen Partner auf und können alle bürokratischen Hürden rechtzeitig aus dem Weg geräumt werden, könnten in diesem Sommer 13 neue Abiturienten mit der Ausbildung zum Altenpfleger beginnen. Die vietnamesische Seite hat seit langem heftiges Interesse daran signalisiert. Doch ohne politische Weichenstellung mochten Gregor Weiß und Tim Hoffmann keine Tatsachen schaffen.

„Umso wichtiger war uns der Besuch einer Delegation der vietnamesischen Provinz  Ha Tinh und dervietnamesischen Botschaft in Berlin in Märkisch-Oderland. Der Kreisparteisekretär reiste mit drei Direktoren und Mitarbeitern von Wirtschaftsunternehmen der Bereiche Bau- und Tourismus sowie Personalausbildung und Immobilienwirtschaft an. Die Ausbildungsverantwortliche der Botschaft Vietnams in Berlin und drei Vertreter der in Deutschland  beratenden Personalvermittlung Global GmbH waren ebenfalls dabei. Sie besuchten zunächst die Sowi-Altenpflegeschule und das AWO-Seniorenzentrum Mühlenberg, das als Ausbildungspartner zur Verfügung steht. Bei Landrat Gernot Schmidt trafen sie auch mit dem Leiter der Ausländerbehörde und der Leiterin des Sozialamtes zusammen. Außerdem besuchten sie die Müncheberger Firma Umweltgerätetechnik als ein Beispiel für Klein- und mittelständische Betriebe, die weltweit agieren.

Im Ergebnis des Besuchs wurden die 13 Ausbildungsverträge unterschrieben. Der Landkreis bemüht sich um Kontakt mit der deutschen Botschaft in Hanoi, um für die Visa aller 13 eine gemeinsame Genehmigung zu erlangen.  „Von der zuständigen Arbeitsagentur Essen haben wir schon die Vorab-Zustimmung für die Ausbildungsaufnahme eingeholt“, sagt Gregor Weiß.

Läuft alles nach Plan, sollen künftig jährlich 20 Vietnamesen nach dem Abitur eine sechsmonatige Pflegegrundausbildung und einen Deutschkurs am Goethe-Institut in Vietnam absolvieren, bevor sie einen Vier-Monate-Deutsch-Intensivkurs beim SBSW besuchen. Die dreijährige Altenpflegeausbildung beim Sowi in Strausberg sowie den Partnern in der Umgebung schließe sich an. Damit werde der Pflegenotstand in Märkisch-Oderland gelindert, später, bei der Rückkehr in die Heimat, dort Fachwissen in den Aufbau eines Pflegesystems eingebracht. Und Weiß hofft auch auf einen Transfer von Wissen über Naturheilmethoden.

Der Landkreis wolle die Ausbildungskooperation auch für die Gebiete Bau, Landwirtschaft, Gastronomie und Tourismus entwickeln, berichtet Gregor Weiß.

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