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Wenn Wildtiere zu nahe kommen

Jäger Alexander Niehoff mit Lebendfalle für Waschbären und Füchse, Strausberg, 11.06.18
Jäger Alexander Niehoff mit Lebendfalle für Waschbären und Füchse, Strausberg, 11.06.18 © Foto: Jens Sell
Jens Sell / 13.06.2018, 07:30 Uhr - Aktualisiert 13.06.2018, 09:34
Strausberg (MOZ) Drei Jäger haben die Erlaubnis, im Stadtgebiet gegen Schwarzwild, Füchse und Waschbären vorzugehen. Alexander Niehoff sagt, Betroffene bieten oft unbewusst den Tieren Futter und Unterschlupf.

Sie sind im Stadtgebiet kein allzu seltener Anblick: Wildschweine, Füchse und Waschbären. Gerade dort, wo der Wald bis in die Siedlungen reicht, erschrecken Strausberger mitunter, weil ihnen ein Wildtier ungewohnt nahe kommt. Und die Waschbären können regelrecht zur Plage werden. Sie plündern Gelbe Säcke, graben den Kompost um, klettern auch schon mal in eine Mülltonne, um an Essensreste zu kommen. Und wenn in einem Jahr die Biotonne eingeführt wird, lecken sich die Waschbären voller Freude das Maul. „Mancher Berliner zieht raus ins Grüne und wundert sich, dass er den Fuchs plötzlich nicht mehr nur im Fernsehen, sondern leibhaftig sieht“, sagt Alexander Niehoff. Er ist Jäger, einer von dreien der Pächtergemeinschaft Strausberg, die eine Ausnahmegenehmigung für die Ausübung der Jagd im Stadtgebiet haben. Das Ordnungsamt oder der Stadtförster wenden sich an diese Leute, wenn sich Bürger über Wildschäden in der Stadt beschweren. Zum Äußersten, dem Abschuss, kommt es aber so gut wie nie, sagt Niehoff.

Manchmal sind es zwei oder drei Anrufe pro Woche, manchmal tut sich ein paar Wochen gar nichts, berichtet Niehoff. Die Anzahl der Alarmierungen wegen Schwarzwildschäden sei in den letzten zwei Jahren zurückgegangen. Füchse und Waschbären hingegen seien gleichbleibend häufig Gast auf Grundstücken.

Für die Waschbären hat er eine Lebendfalle. Doch die possierlichen Tiere tappen nicht auf Anhieb in die Falle. So muss er den Drahtgitterkasten, der von beiden Seiten mit beweglichen Klappen verschließbar ist, zunächst zur Eingewöhnung mehrere Tage auf dem Grundstück stehen lassen, dann mit Trockenfutter für Hunde bestücken, ohne dass die Falle zuschnappen kann. Dann könnte es klappen, dass das bis zu zehn Kilogramm schwere Tier gefangen ist. Auch Füchse werden auf diese Weise überlistet.

Waschbären, deren Population sich bei Kriegsende u. a. aus einer Pelztierfarm bei Altlandsberg über die Region verbreitete, haben keine natürlichen Feinde, weil sie eigentlich nicht in das hiesige Ökosystem gehören. „Wenn wir Menschen großen Hunger haben, gehen wir in ein Schnellrestaurant, der Waschbär geht dorthin, wo er mühelos Futter findet“, erzählt Alexander Niehoff. Wer zu oft Besuch vom Waschbären habe, sollte sein Grundstück daraufhin überprüfen, ob es Schnellrestaurant-Qualitäten für Wildtiere hat: Kommt das Tier mühelos an Futter? Steht die Schüssel mit Katzenfutter stundenlang auf der Terrasse? Werden Essensreste auf den Kompost geworfen? Bietet das Nebengelass idealen Unterschlupf für eine Waschbärenmutter zur Aufzucht ihrer Jungen?  Auch Fallobst im Garten werde gerne genommen, da ist der Allesfresser gar nicht wählerisch.

Waschbären und Füchse ziehen ihren Nachwuchs in diesen Wochen auf. Und die Jungtiere erinnern sich an die Gegend, wo sie aufgewachsen sind, ist die Erfahrung des Jägers. Besonders, wenn das Nahrungsdargebot so üppig war. Beruhigen kann er besorgte Bürger hinsichtlich der Tollwut. Wer befürchte, er könne seine Enkel nicht mehr im Garten spielen lassen, weil dort ein Fuchs war, sorgt sich umsonst: „Die Tollwut ist gar nicht so stark verbreitet, wie oft angenommen wird. Viel häufiger als Füchse sind übrigens Fledermäuse von ihr befallen.“

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