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Kathi Suthau hat die bayerische Meisterschaft im Kunstflug gewonnen / Jetzt wechselt sie in die höchste Kategorie

Kunstflug
Start in der Unlimited-Klasse

Jens Sell / 04.07.2018, 22:00 Uhr
Strausberg (OZ) Sie lernte einst bei Rolf Bausewein auf dem Strausberger Flugplatz das Segelfliegen. Jetzt siegte sie bei den bayerischen Kunstflugmeisterschaften in der Advanced-Klasse. Zu den Deutschen Meisterschaften startet sie in der höchsten, der Unlimited-Klasse.

Wer die agile schlanke Frau mit dem roten Struwwelkopf sieht, mag nicht glauben, dass sie schon 53 Jahre alt ist. Aber es stimmt: 1982 erregte KathiSuthau erstmals als Fliegerin Aufsehen. Damals legte sie bei der Gesellschaft für Sport und Technik mit 17 Jahren das Silber-C ab, ein Leistungsabzeichen im Segelfliegen. Ihr Fluglehrer und väterlicher Mentor war Rolf Bausewein, der im September 2008 tragisch verunglückte Strausberger Vollblutpilot. Und auch wenn Kathi Suthau heute eine der erfolgreichsten Kunstfliegerinnen Deutschlands ist, sagt sie: „Bei wichtigen Entscheidungen frage ich heute noch in Gedanken Rolf um Rat. Er begleitet mich weiter durchs Leben“, und nimmt das Bild in die Hand, das in ihrer Wohnung hängt.

Bei den kürzlichen offenen Kunstflugmeisterschaften Bayerns auf dem Flugplatz Treuchtlingen-Bubenheim siegte sie in der zweithöchsten Klasse, der Advanced. Der Erfolg motivierte sie zu einem neuen Entschluss, den sie am Mittwochmorgen fasste: „Bei den Deutschen Meisterschaften Ende des Monats bei Erfurt starte ich in der Unlimited, der höchsten Klasse.“

Mit dem Motorkunstflug hatte Kathi Suthau schon bei der GST 1984 begonnen.  Nachdem sie von 1979 bis 1984 Segelflug betrieben hatte, stieg sie dann auf das Motorflugzeug L 42 um und flog parallel eine polnische Wilga für den Segelflugschlepp. „An der Wilga habe ich damals viel geschraubt, das hat mir Spaß gemacht“, erinnert sie sich an die Jugendzeit auf dem Strausberger Flugplatz. Kunstflug betrieb sie dann bis 1988 mit einer Zlin Z 526 aus der damaligen Tschechoslowakei. In den 1990er-Jahren hatte sie dann für die Fliegerei keinen Nerv, gründete eine Familie, orientierte sich beruflich neu, zog drei Kinder auf.

Als ihre Mutter, Hannelore Bärwald, 2005 ihr Gardinengeschäft mit Näherei aufgab, machte sich Kathi Suthau in dieser Branche selbstständig. Und begann wieder mit der Fliegerei. „Ich rief einen alten Bekannten an auf dem Flugplatz Schönhagen und fragte, was ich machen muss, um meine Lizenz wieder zu erlangen. Und zwar nicht nur für die allgemeine Fliegerei, sondern wieder für Kunstflug und Segelflugzeug-Schlepp. Ich hörte förmlich die Kinnlade runterklappen.“ Sie ging wieder zur Flugschule und investierte nicht wenig Geld, doch erreichte sie ihre Scheine mit einigem mehr als dem Minimalprogramm, eben richtig gründlich.

Bei einer ihrer ersten Landungen kam Kathi Suthau nach Reinsdorf, südlich von Jüterbog. „Und da stehe ich plötzlich vor einer Z 526, schaue sie mir genauer an und erkenne an den diversen Kratzern und anderen Spuren: Das ist mein altes Mädchen! Ich bin um sie herumgegangen und  habe gesagt: Erkennst du mich wieder?“ Die Sportflugzeuge der GST waren nach deren Auflösung 1990 auf die Vereine im Lande aufgeteilt worden, gewissermaßen als Anschubhilfe. Kathi Suthau trat in den dortigen Fliegerverein ein und flog wieder ihre Zlin: Sie habe gepasst wie ein alter Latsch, sagt sie wehmütig lächelnd: „Das war wie eine Begegnung der dritten Art. Ich fand sofort wieder Anschluss, begann mit dem Training, nahm an den ersten Wettbewerben teil, frischte alte Kontakte wieder auf.“ Sie startete in der Sportsman-Klasse, der ersten des Motorkunstflugs. 2005 sei ihr Jahr gewesen, ihr Weg war voller Gelegenheiten, die sie stets am Schopfe packte. Und 2006 gewann sie in der Sportsman-Klasse mit der Zlin schon mal den deutschen Meistertitel.

Da die Zlin 526 den technischen Anforderungen der höheren Wettkampfklassen nicht genügte, erwarb sie einen Anteil an einer Extra 300 S, die auch höher motorisiert war. So konnte sie auch in der Intermediate-Klasse starten. Was sie draufhat, zeigte Kathi Suthau auch beim Flugplatzfest zur 775-Jahr-Feier von Strausberg 2015 mit einer kleinen Flugshow, bei der manchem Zuschauer der Atem stockte.

Kunstflugwettbewerbe beginnen stets mit einem „Free Known“-Flug, der fünf vorgegebene Figuren und fünf eigener Wahl beinhaltet, die man selbst zu einem möglichst gut fliegbaren Programm verbinden muss. Als zweiter Flug wird dann das unbekannte Programm geflogen: Aus zehn vorgegebenen Figuren schreibt man mit maximal vier Verbindungsfiguren ein schönes Programm und hängt es aus. Dann kann man seinen eigenen Entwurf oder den eines anderen Teilnehmers fliegen, wenn der einem besser gefällt. Räumlich begrenzt ist der Flugraum auf einen Würfel mit einem Kilometer Kantenlänge, bei der untersten Klasse liegt die Unterkante 400 Meter hoch, jede höhere Klasse liegt dann jeweils 100 Meter tiefer.

Wenn sie Ende Juli in der Unlimited-Klasse startet, werden die Flugfiguren komplexer und deutlich schwieriger sein. Aber: „Ich habe jetzt Mut gefressen“, sagt sie, „ich will jetzt immer einfach die unbekannten Programme fliegen.“ Die mit anderen Kunstfliegern aus einem Bausatz selbst zusammengebaute „Reinsdorf 325“ mit vielen technischen Zusatz-Finessen ist nach dem Flugplatz benannt. Die Kamera an der Tragfläche filmt eine glückliche Kathi Suthau.

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