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Spendenprojekt Nr. 3 der Fördergesellschaft / Stufenweise entsteht späteres Bronzemodell für die Schlossterrasse in Altlandsberg

Schloss
Ein Palast aus Hartschaum

Gabriele Rataj / 11.07.2018, 06:45 Uhr
(MOZ) Wegendorf/Altlandsberg. Noch ist das Schlossgut Altlandsberg in Teilen eine große Baustelle. Doch auch hinter den Kulissen tut sich im Auftrag der Fördergesellschaft Schlossgut allerhand. So für ihr drittes Spendenprojekt, ein Schlossmodell in Bronze für die wieder erstehende Schlossterrasse.

Gegenwärtig sieht der Besucher bei einer Führung über Altlandsbergs derzeit größte Baustelle Schlossgut erst wenig von der großen Terrasse, die einmal den Übergang vom Schloss Otto I. von Schwerin – später Sommerresidenz Friedrich I. – hinunter zum Lustgarten mit dem Kreuzteich bildete. Doch noch in diesem Jahr soll jener Teil des anspruchsvollen Sanierungsprojektes fertig gestellt sein.

Damit sich Bürger und Gäste von der interessanten Historie der Stadt zu jener Zeit ein plastisches Bild machen können, soll auf der Terrasse später ein Bronzemodell des Schlosses Platz finden. Dafür engagiert sich die Fördergesellschaft Schlossgut in ihrem nunmehr dritten Spendenprojekt – nach dem Kronleuchter für die Schlosskirche und dem Einbau eines neuen Läutewerks in deren Glockenturm.

Wer hätte gedacht, dass es einmal gleich mehrere Modelle des früher in Altlandsberg stehenden Schlosses geben würde! Vor der 775-Jahr-Feier war ein solches über ein Arbeitsförderprojekt aus Holz entstanden, das der Heimatverein in seinem Domizil hütet. Ein Weiteres baute der Altlandsberger Verein für Modellbau und zeigt es jedes Jahr zur Hobbyausstellung. Ein Drittes steht in der Stadtinformation, anhand dessen zu Führungen übers Schlossgut Erläuterungen besser verständlich werden.

Das Vierte fungiert als Modell fürs Modell und ist gerade von Verena Hann fertig gestellt worden. Die studierte Bildhauerin und Keramikerin verantwortet damit eine unverzichtbare Vorstufe für das später noch zu gießende Bronze-Schlossmodell in der Wegendorfer Kunstgießerei ihres Mannes Wilfried Hann.

Wie viel Zeit und Geduld, Handwerk und Fingerfertigkeit allein darin stecken, davon bekamen kürzlich Mitglieder der Fördergesellschaft bei einem Besuch in Verena Hanns Werkstatt eine Vorstellung. Maßstabsgetreu nach Unterlagen, die den Bauzustand des Schlosses um 1670 abzubilden ermöglichen, hat sich die versierte Kunsthandwerkerin ganz in den Dienst der Sache gestellt und über Stunden und Tage nur mit dieser Arbeit beschäftigt. „Geputzt habe ich schon lange nicht mehr“, erklärt sie lachend.

Das begann bei der Suche nach dem richtigen Material und der dazu gehörigen Recherche über Online-Video-Portale. Statt starrem Polystyrol wurde auf flexibleren Hartschaum gesetzt, Moosgummi verwendet, zuvor mit Knete experimentiert, die sie auf der Walze einer alten Wäschemangel geschmeidig und bearbeitbar zu machen versuchte.

Schneiden, Sägen, die richtigen Winkel an den Dächern einhalten, die Rahmen, die Kapitelle – wer bedenkt, dass Verena Hann mit dem Skalpell rund 200 Fenster herausgeschnitten hat, ahnt die Mühe hinter dem fertigen Objekt. Sie habe aber schon immer gern gebastelt, sagt sie. Ohne die Unterstützung von Ernest Pusch, Mitarbeiter ihres Mannes und Spezialist für den 3D-Drucker, wäre aber alles noch aufwändiger gewesen.

„Wir sind von der hohen Arbeitsleistung und akribischen Ausführung beeindruckt“, loben denn auch Detlef Börold und Angelika Zienert vom Vorstand der Fördergesellschaft Schlossgut während ihres Besuchs vor Ort in Wegendorf und danken Verena Hann sehr herzlich. Nun werde der nächste Schritt in Angriff genommen: Geld und Spenden einzuwerben für den eigentlichen Guss.

Denn bei dem Palast aus Hartschaum bleibt es nicht. Um daraus ein Bronzemodell in den nahezu identischen Flächenabmaßen 87 mal 82 Zentimeter herzustellen, bedarf als Nächstes einer Silikonform – quasi das Negativ dazu. Zuvor werde alles weiß gestrichen, erläutert Verena Hann, damit deutlich sichtbar ist, wo noch kleinste Öffnungen vorhanden und zu verschließen sind. Denn ein Vollguss wäre nicht nur materialaufwendiger, sondern auch teurer. „Vier Millimeter stark werden die Schlosswände und -dächer am Ende sein“, sagt Börold.

Gipsmodell, Auspinseln der Silikonform mit Wachs, Retuschieren, das komplizierte Rohrgeflecht zum Eingießen der Bronze fertigen und nach dem eigentlichen Guss das Ziselieren sind Stichpunkte des weiteren Werdegangs. Wer zu Führungen übers Schlossgut kommt – nächster Termin ist am 4. August, 15 Uhr – kann das Neueste dazu erfahren. Und er kann natürlich auch spenden.

Spenden über Fördergesellschaft Schlossgut, Sparkasse Märkisch-Oderland, BIC: WELADED1MOL, IBAN:DE 84 1705 4040 0020 0262 00

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