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Gemeindevertretung
Ehrengrab für ein Künstlerpaar

Irina Voigt / 12.07.2018, 07:45 Uhr
Fredersdorf-Vogelsdorf (MOZ) Die Grabstätte für das Ehepaar Dorothea Behrens und Herbert Behrens-Hangeler auf dem Friedhof in Fredersdorf-Nord wird zum Ehrengrab. Mit dem Beschluss dazu taten sich die Gemeindevertreter allerdings schwer.

Die Anerkennung von Ehrengrabstätten für Persönlichkeiten mit besonderen Verdiensten entsteht durch Beschluss der Gemeindevertretung. Sie kann in der Regel frühestens fünf Jahre nach dem Tod für 20 Jahre erfolgen. Grabstätten von Verstorbenen, denen das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde verliehen worden ist, werden ohne besonderes Anerkennungsverfahren und ohne zeitliche Begrenzung als Ehrengrabstätten anerkannt. Ansonsten ist ein Anerkennungsverfahren zu durchlaufen. So ist es in der Richtlinie für Ehrengrabstätten der Gemeinde festgeschrieben. Die Personen, um die es in diesem Fall geht, sind vielen Fredersdorf-Vogelsdorfern unbekannt, obwohl eine kleine Straße nach Herbert Behrens-Hangeler benannt ist.

Der 1898 in Berlin geborene und 1981 in Fredersdorf verstorbene Maler, Grafiker und Autor Herbert Behrens-Hangeler war als Dozent an der Hochschule der Künste in Berlin-Weißensee und seine Freundschaft mit Pablo Picasso zu Lebzeiten bekannt, auch von seiner Frau Dorothea Behrens weiß kaum jemand etwas Genaueres.

Das Schaffen von Behrens-Hangeler ist symptomatisch für eine Künstlergeneration, die die gesellschaftlichen Tragödien und Umbrüche des 20. Jahrhunderts miterlebte. Mit Bitterkeit sah er sich bildhaft als ein von den Katastrophen Gezeichneter: „Der Erste Weltkrieg hat mir die Hände angehackt, der Zweite Weltkrieg hat sie mir abgehackt.“ Dennoch ließ sich Behrens-Hangeler bis an sein Lebensende nicht von seiner schöpferischen Arbeit abbringen. Vor 1933 in nationalen und internationalen Ausstellungen der Avantgarde vertreten, galten seine Bilder während des Nationalsozialismus als „entartet“. Im Zuge der Formalismus-Debatte boykottierte auch die frühe DDR sein Werk, das erst in den 1980er-Jahren wieder entdeckt wurde.

Einer, der sich gründlich mit Leben und Wirken des 1981 in Fredersdorf verstorbenen Mannes beschäftigt hat, ist Hans-Wolf Ebert. Er hat nach Spuren gesucht und auf dem Friedhof in Fredersdorf-Nord ein arg vernachlässigtes Grab von Behrens-Hangeler und dessen letzter Frau Dorothea Behrens gefunden. Hans-Wolf Ebert hat auch viele Ausstellungskataloge über den vielseitig begabten Künstler zusammengetragen und will nun versuchen, die Erinnerungen der Fredersdorf-Vogelsdorfer an ihn zu wecken.

Dem Historiker Ebert am Herzen liegt daher auch die Grabstätte der Eheleute. „Die sieht nicht gerade gepflegt aus“, musste Ebert schon vor einiger Zeit feststellen. Da die Liegezeit auf dem Friedhof bald erlischt, startete er einen Appell an die Fredersdorf-Vogelsdorfer und vor allem an die Gemeindevertreter. „Wir sollten uns zur Wahrung des Andenkens an diesen außergewöhnlichen Mann zusammentun und Möglichkeiten der Bewahrung der Grabstätte finden“, hoffte er. Und so ist die Diskussion darum entbrannt. Denn nicht alle sind derselben Meinung. Dabei würde keiner die Verdienste des Künstlers schmälern wollen. Was den Gemeindevertretern Kopfschmerzen bereitete, waren auch die aktuellen Datenschutzbestimmungen – wie kann man beweisen, dass die Angehörigen, die ihre Zustimmung geben müssen, tatsächlich Verwandte sind? Katrin Wener (Linke) fragte, ob man sich nicht womöglich strafbar machen würde, wenn man jemandem die Ehre erweist? Für Bürgermeister Thomas Krieger war es „ein Skandal, dass das Grab so ungepflegt“ sei. Die Nachfahren der Hangelers würden womöglich „davon profitieren“, wenn die Gemeinde Geld (400 Euro im Jahr) für die Pflege ausgebe, und „je mehr wir die Ehre promoten, desto wertvoller werden die Bilder“, vermutete er.

Nach dem nun mit zehn Dafür- und acht Gegenstimmen gefassten Beschluss kann das Grab als Ehrengrabstätte auf dem kommunalen Friedhof anerkannt werden. Es sollte dann als solches gekennzeichnet und auf dem Friedhofsübersichtsplan darauf hingewiesen werden. Über sämtliche Ehrengrabstätten ist ein Verzeichnis zu führen und sie sind auf der Internetseite zu veröffentlichen.

Mit dem Beschluss verbunden ist der Auftrag an den Bürgermeister, eine Veranstaltung zu Ehren des Malerehepaares durchzuführen und Gespräche mit der benachbarten Grundschule „Vier Jahreszeiten“ zu führen, ob eventuell die Möglichkeit einer Patenschaftsübernahme zur Grabpflege bestünde.

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