Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Nahverkehr
Doppeldorf geht bei Bussen anderen Weg

Bushalt am S-Bahnhof: Die Gemeinde Petershagen-Eggersdorf beteiligt sich nicht an der selbst finanzierten Taktverdichtung am Berliner Rand. Sie will erst Untersuchungen abwarten, dann einen eigenen Weg gehen.
Bushalt am S-Bahnhof: Die Gemeinde Petershagen-Eggersdorf beteiligt sich nicht an der selbst finanzierten Taktverdichtung am Berliner Rand. Sie will erst Untersuchungen abwarten, dann einen eigenen Weg gehen. © Foto: Gerd Markert
Uwe Spranger / 12.07.2018, 19:58 Uhr
Petershagen-Eggersdorf (MOZ) Nach der Unterzeichnung der Verträge über die Takt-Verdichtung von Buslinien am Berliner Rand hat Petershagen-Eggersdorfs Bürgermeister begründet, warum sein Ort nicht dabei ist. Das Doppeldorf wolle einen anderen Weg beschreiten, sagt er.

„Mobilität ist längst kein Bedürfnis mehr, welches man durch die Etablierung eines Angebotes weckt“, steht für Marco Rutter fest. Der Doppeldorf-Bürgermeister weiß um Diskussionen im Ort, warum Petershagen-Eggersdorf in Sachen Bustakt-Verdichtung auf 20-Minuten-Verkehr in den Hauptzeiten nicht mitmacht, will deshalb darauf reagieren. Aus seiner Sicht wird  Bedarf an Bewegung heute durch zunehmende Individualisierung von Lebensplanung und Tagesabläufen bestimmt. Folglich erhöhe die Orientierung an Zielgruppen die Akzeptanz von Nahverkehrskonzepten. Der öffentliche Personennahverkehr konkurriere immer mit dem individuellsten Verkehrsmittel, dem eigenen Auto. „Nur vergleichbar schnelle und direkte Verbindungen als auch flexible und im Vergleich günstige Angebote stellen eine ernst zu nehmende Konkurrenz für dieses dar“, äußert er. Was Eltern- und Seniorengruppen im Ort mit eigenverantwortlich organisierten Fahrgemeinschaften gelinge, könne für die Kommune keine unlösbare Aufgabe sein. Dem wolle man sich im nächsten Jahr stellen und dafür entsprechende Haushaltsmittel vorsehen.

Die Taktverdichtung des Busverkehrs sei hingegen keine Antwort. „Vorgesehen war und ist lediglich die Ausweitung von Bekanntem, ohne Anpassungen und Optimierungen von Zeiten oder Strecken, ohne Transparenz bei den Fahrgastzahlen, aber mit zusätzlichen Problemen an ungenügend vorbereiteten Haltepunkten“, argumentiert Rutter. „Die dafür nötigen erheblichen finanziellen Mittel hätten den Spielraum für gründliche Planungen und die Entwicklung bürgernaher Konzepte genommen. Deshalb beschreiten wir einen anderen Weg“, erklärt er. Es bleibe aber bei enger Abstimmung mit Verkehrsdienstleistern, umliegenden Gemeinden und dem Landkreis, fügt er hinzu.

Bereits 2017 habe die Gemeinde eine umfassende Verkehrsuntersuchung beauftragt. Deren Weiterführung werde dieser Tage abgestimmt. Erstmals solle betrachtet werden, welchen Anteil etwa überörtlicher Verkehr am Gesamtaufkommen hat und welche Ziele im Doppeldorf bevorzugt angefahren werden. „Derartige Auswertungen lassen Rückschlüsse für die zielgerichtete Verbesserung kritischer Kreuzungsbereiche zu, geben aber auch Anhaltspunkte für die Gestaltung des Busverkehrs. Drängen beispielsweise zu bestimmten Zeiten Fahrzeuge aus umliegenden Gemeinden zum Bahnhof, kann ein direkter Shuttlebus eine attraktive und entlastende Lösung sein. Steuern hingegen zu anderen Zeiten Autos Schulstandorte, Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte oder Verwaltungsstandort an, kann man vielleicht für ein flexibles Rundbussystem begeistern“, erklärt Rutter. Zubringer- und Verteilfunktion an den Bahnhöfen wie auch innere Erschließung der Gemeinde seien gleich gewichtet und gehörten konzeptionell zusammen.

Liniennetze des ÖPNV müssten räumlich und funktional ineinander greifen. Zu klären sei zudem die Erschließung unterversorgter Bereiche im Ort, die nur schwer von Linienbussen angefahren werden können.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG