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Naturpark
Voller Einsatz am Sophienfließ

Thomas Berger / 15.08.2018, 07:00 Uhr
Buckow Gut ein Dutzend junge Leute aus verschiedenen Nationen sind die nächsten drei Wochen über im Naturpark Märkische Schweiz fleißig zugange. Der erste große Arbeitseinsatz des Jugendworkcamps ist am Sophienfließ in Buckow, weitere Tätigkeiten, auch in umliegenden Orten, folgen noch.

„Die Arbeit hier hat es in sich, ist aber schön. Und obwohl ich ein Stadtkind bin, mag ich die Natur“, sagt Nerea Izquierdo, die aus der spanischen Haupstadt Madrid kommt. „Wo ich herkomme, gibt es so etwas nicht, so viel frisches Grün. Das ist herrlich, wunderschön – und es fühlt sich gut an, hier etwas zu tun.“ Nur kurz hat die junge Spanierin innegehalten, wendet sich wieder ihrer Arbeit zu. Sieben, acht andere sind ebenfalls an dieser Stelle aktiv, so auch Lisa Tarantino (17) aus dem italienischen Padua. „Es ist schön, etwas die Sprache zu lernen, und ich mag die Natur“, sagt sie. Natalia Guerrero findet es trotz der Anstrengung sogar „richtig entspannend“. Die 22-Jährige aus Mexiko studiert Tourismus, hier im Workcamp mit verschiedenen Kulturen zusammenzutreffen, sei ebenfalls reizvoll.

Eine bunte Truppe ist es in der Tat, die der Naturschutzpark-Verein für drei Wochen zu Gast hat. Untergebracht, erklärt Vereinschefin und Projektkoordinatorin Charlotte Bergmann, sind die jungen Leute in Drei Eichen, wo in dem vom Verein betriebenen Umweltbildungszentrum drei Eichen ein ganzes Haus mit zwei Ferienwohnungen von ihnen belegt ist. Zwei, drei aus dem Team bleiben dort täglich zurück, kümmern sich um die Verpflegung, die anderen bekommen bei den wechselnden Einsätzen viele interessante Ecken im Naturpark zu Gesicht. Angereist sind die meisten am Wochenende, am Montag gab es am Klobichsee eine erste kleinere Arbeitseinheit, um Drüsiges Springkraut zu entfernen. Das ist eine jener Pflanzen, die unter dem Fachbegriff Neophyten zusammengefasst werden, nicht heimisch sind, sich aber stellenweise stark ausbreiten. Auf einem Areal bei Grunow soll noch dem Japanischen Staudenknöterich zu Leibe gerückt werden, blickt Sandro Knick voraus.

Der Vertreter der Naturparkverwaltung koordiniert die Einsätze während der ersten Hälfte des Camps. Und er freut sich, dass alles so gut klappt, das Wirken mehrerer Beteiligter kurzfristig wunderbar ineinandergreift. Ein Mitarbeiter der Naturwacht hat mit der Motorsäge geholfen, und Rainer Gotsch von der Stadt ist für die Abfuhr der gefüllten Container zuständig. „Das war ja ein Vierteljahr im Vorfeld so geplant“, sagt er, auch sein Einsatz also entsprechend als Rad im Getriebe des Gesamtprojektes eingetaktet. Mit dabei ist ebenso Henrike Wilke, die bei der Naturparkverwaltung ihren Bundesfreiwilligendienst ableistet und sich ohnehin schwerpunktmäßig um die Wanderwege, vor allem die zu erneuernde Überdachung der Orientierungsschilder, kümmert.

Am Sophienfließ hat sich am Dienstag die große Gruppe in zwei kleinere Teams aufgeteilt. Der Biber hat das Fließgewässer in diesem Bereich an mehreren Stellen angestaut, der große Biberdamm misst an die zwei Meter. „Ich mag diesen Abschnitt hier ja besonders“, verrät Charlotte Bergmann. Doch es ist eben auch einer, wo der Weg zuvor teils nur mit Mühe passierbar war. Umgestürzte Bäumen von den jüngsten heftigen Stürmen, das Wirken des Bibers, marode Holzbohlen der Brückenbauten – viele Faktoren kommen zusammen. „Gemeinsam mit Stadt und anderen Akteuren wollen wir das schrittweise wieder auf Vordermann bringen“, betont Sandro Knick. Ein gehöriges Stück Arbeit, bei dem aber ein guter Anfang gemacht sei, mit den Jugendlichen weitere Fortschritte erzielt werden können. Gerade auf dieses Stück entlang dem Sophienfließ solle nach der Wiederherstellung auch die bisher an der Straße verlaufende Naturparkroute umverlegt werden.

Der iranischstämmige Nürnberger Hussein Fereduni (19) ist durch seinen Freund animiert worden, sich für das Workcamp zu melden, für Ronja Wehausen (21) aus Leipzig, die Bibliothekswissenschaften studiert, ist es nunmehr schon die fünfte Erfahrung dieser Art: „Es ist schön, hier in den Semesterferien etwas Sinnvolles zu tun.“ Ähnlich sehen das Irene Martalle (17) aus Italien, die Französin Alice Lebas und der Japaner Sota Okasima (beide 18). Alle verstehen sich gut, Fernada Alvares, die zweite Mexikanerin und mit 24 etwas älter als die meisten, hat aber auch schon manche kulturellen Unterschiede gerade in Ernährungsfragen festgestellt.

Die andere Hälfte der drei Wochen wird die Gruppe dann in direkter Regie des Naturschutzpark-Vereins an dem neu übernommenen Objekt Waldschule Alte Mühle zugange sein. Dort ist ein Zaun zu versetzen, ein bisher dahinter liegender Rastpavillon herzurichten und einiges mehr: „Herausforderungen, bei denen sich vielleicht auch noch besondere Talente zeigen“, wie Charlotte Bergmann anmerkt. Dankbar sei der Verein für die Förderung der Deutschen Postcode-Lotterie, die gut 12 000 Euro für Baumaterial, Werkzeug und Übernachtung beisteuert.

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